Arbeitsgericht urteilt zu Stellenanzeige "Wir suchen coole Typen": Ein Fall von Diskriminierung?

Stellenanzeigen müssen diskriminierungsfrei formuliert werden. Andernfalls können abgelehnte Bewerber Schadensersatz nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verlangen. Das Arbeitsgericht Koblenz urteilte jetzt zu einer Stellenanzeige, in der ein Unternehmen nach "coolen Typen" gesucht hatte. So entschieden die Richter.

Vorsicht bei Stellenanzeigen: Einige Formulierungen können diskriminierend sein – und ganz schön teuer werden. - © gopixa - stock.adobe.com

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierungen zum Beispiel wegen des Alters, der ethnischen Herkunft, der Religion oder des Geschlechts (§ 1 AGG). Stellenausschreibungen müssen daher diskriminierungsfrei ausgeschrieben werden, so verlangt es das Gesetz (§ 11 AGG).

Verstößt ein Arbeitgeber dagegen und verwendet er in seiner Stellenausschreibung etwa nur die jeweils männlichen Tätigkeitsbezeichnungen ohne einen klarstellenden Zusatz ("m/w/d"), ist hierin ein Diskriminierungsindiz zu erblicken. Abgelehnte Bewerberinnen und Bewerber können in einem solchen Fall eine Entschädigung geltend machen, die allein für den Umstand der Nicht-Berücksichtigung bei der Einstellung gezahlt wird.

Entschädigungszahlungen bei diskriminierender Stellenausschreibung

Eine solche Entschädigung ist selbst dann zu zahlen, wenn die Bewerberin beziehungsweise der Bewerber auch bei benachteiligungsfreier Auswahl nicht eingestellt worden wäre, etwa wegen einer schlechteren Qualifikation. Ein Gericht hat in einem solchen Fall nach dem Gesetz die Möglichkeit, eine Entschädigung bis zu drei Bruttomonatsgehältern festzusetzen. Liegen keine besonderen Umstände vor, ist nach dem Bundesarbeitsgericht dabei regelmäßig eine Entschädigung von anderthalb Gehältern zuzusprechen. Und: Die Summe kann jeder erfolglose Bewerber verlangen, eine Begrenzung nach oben bei Inanspruchnahme durch mehrere Kläger gibt es nicht. Der sorgfältigen Formulierung von Stellenausschreibungen kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

"Jung" sollte man nicht schreiben, "dynamisch" ist erlaubt

So hat sich mittlerweile eine ausgefeilte Rechtsprechung zu Einzelfällen zulässiger beziehungsweise unzulässiger Formulierungen entwickelt. Ein unzulässiges Diskriminierungsindiz liegt nach der Rechtsprechung ebenfalls vor, wenn nach "jungen" Bewerberinnen und Bewerbern gesucht wird. Aber auch die Beschreibung des Unternehmens als "jung" kann ein Diskriminierungsindiz darstellen, da ältere Interessentinnen und Interessenten von einer Bewerbung absehen könnten, urteilten bereits Gerichte. Die Verwendung des Wortes "dynamisch" ist hingegen nicht zu beanstanden. Denn "Dynamik" sei keine Frage des Alters.

Nach "coolen Typen" darf gesucht werden

In einem aktuell bekannt gewordenen Urteil (Arbeitsgericht Koblenz, Az.: 7 Ca 2291/21) musste ein Gericht nunmehr entscheiden, ob ein Unternehmen nach "coolen Typen" suchen darf oder ob dies eine Altersdiskriminierung beziehungsweise eine Diskriminierung weiblicher Bewerberinnen darstellt. Konkret hieß es in der Anzeige: "Wir suchen coole Typen - Anlagenmechaniker - Bauhelfer ..."

Die Suche nach "coolen Typen" ist nach der aktuellen Entscheidung arbeitsrechtlich nicht zu beanstanden. Coolsein ist keine Frage des Alters, lässt sich die Begründung des Gerichts zusammenfassen. Die Suche nach "coolen Typen" sei auch keine Diskriminierung wegen des Geschlechts, da der Begriff Typ geschlechtsunspezifisch sei, begründete das Gericht seine Entscheidung weiter.

Zum Verhängnis wurde dem Arbeitgeber jedoch, dass er ausdrücklich nach Anlagenmechanikern und Bauhelfern gesucht hatte. Die Formulierung nur in der männlichen Form ließ das Gericht dann als Diskriminierung ausreichen und verurteilte den Arbeitgeber zur Zahlung einer Entschädigung.

Definition: Wer beziehungsweise was ist "cool"?

Mit dem Urteil gibt es nunmehr auch eine gerichtlich anerkannte Definition, wer oder was cool ist: Denn "cool" können nach dem Gericht Personen, Verhaltensweisen, Ereignisse oder sonstige Umstände sein. Der Begriff diene dabei einer "saloppen Bezeichnung einer besonders gelassenen, lässigen, nonchalanten, kühlen, souveränen, kontrollierten, nicht nervösen Geisteshaltung oder Stimmung sowie der Kennzeichnung besonders positiv empfundener, den Idealvorstellungen entsprechender Sachverhalte", so das Urteil des Koblenzer Arbeitsgerichts. Nur einen Altersbezug weise der Begriff eben nicht auf.

Prof. Dr. Michael Fuhlrott ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg. er ist Mitglied im VDAA Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e. V.