Früh erkannt, früh gehandelt: Geschäftsführer Holger Dietzel hat schon vor Jahren auf Fachkräftesicherung aus dem Ausland gesetzt, mit Erfolg. Inzwischen haben sechs vietnamesische Auszubildende ihre Lehre in der Fleischmanufaktur Dietzel erfolgreich abgeschlossen. Der Anfang war nicht immer leicht, doch heute sind die internationalen Fachkräfte ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Unternehmens.

"Das war damals eine Odyssee", beschreibt Unternehmer Holger Dietzel die Ankunft und den Ausbildungsbeginn von sieben Vietnamesinnen und Vietnamesen bei der Dietzels Fleisch- & Wurstwaren GmbH in Teutschenthal. Über drei Jahre ist das inzwischen her. Vor kurzem haben sechs von ihnen ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Sie sind im Betrieb integriert und wichtige Fachkräfte in der Fleisch- und Wurstproduktion. "Wir haben uns der Herausforderung gestellt und sind froh, dass sie hier sind. Das Risiko hat sich gelohnt", freut sich Holger Dietzel. Das war auch dringend nötig, denn Fachkräfte und Auszubildende sind hierzulande schwer zu bekommen. "Es lassen sich in Deutschland auch keine Menschen finden, die sich im Fleischerhandwerk weiterqualifizieren möchten, beispielsweise zum Kutter-, Pökel- oder Verpackungsmeister", so der Unternehmer.
Infoveranstaltung und Eigeninitiative
Über eine Informationsveranstaltung der Handwerkskammer Halle war Holger Dietzel schon vor vielen Jahren auf das Thema Fachkräftesicherung im Ausland aufmerksam geworden und hatte schnell beschlossen, selbst aktiv zu werden. "Zu diesem Zeitpunkt hatten wir durch Zeitarbeitsfirmen bereits Erfahrungen mit vietnamesischen Arbeitskräften gesammelt", erklärt er. Michael Franke, sein Betriebsleiter der Produktionsstätte Zscherben, knüpfte schließlich Kontakte zu vietnamesischen Partnern und schaffte es, junge Vietnamesinnen und Vietnamesen für eine Ausbildung zum Facharbeiter für Fleischerzeugnisse in Deutschland zu gewinnen.
Begleitung im Alltag
Als feststand, dass diese nach Deutschland kommen, mussten Wohnungen gesucht, eingerichtet und ausgestattet werden. Außerdem reichten die zuvor im Heimatland erworbenen Deutschkenntnisse im Alltag und im Fachlichen bei Weitem nicht aus. "Wenn du dich auf ausländische Lehrlinge einlässt, dann musst du das auch persönlich wollen. Da gibt es keinen Fahrplan für", sagt Holger Dietzel. "Du kümmerst dich um Mietverträge, Handys, Arzttermine, Bekleidung. Aber es geht nicht nur um Formalitäten. Man muss die Menschen auch im Alltag begleiten." Das bedeutete auch persönliche Unterstützung im täglichen Leben und bei der Freizeitgestaltung in einer für die jungen Menschen völlig fremden Welt. Kino, Zoo, Shoppen – all das kam zusätzlich zur Arbeit hinzu. "Man muss sich wirklich kümmern, Zeit investieren und darf die jungen Menschen nicht allein lassen. Anfangs war das mit sehr viel Aufwand verbunden. Irgendwann lief es dann", sagt Holger Dietzel. Das waren wichtige Rahmenbedingungen für die Integration im Betrieb und für den Erfolg bei der Ausbildung.

Alle wesentlichen Stufen der Fleischverarbeitung
Die Ausbildung bei Dietzel ist umfassend. Das Unternehmen ist ein Vollsortimenter mit eigener Produktion. So durchlaufen die Auszubildenden alle wesentlichen Stufen der Fleischverarbeitung – von der Anlieferung der Schweinehälften über die Zerlegung bis zur Herstellung fertiger Produkte. "Unsere Lehrlinge müssen ein Schwein zerlegen können, das können sie inzwischen perfekt", lobt Geschäftsführer Holger Dietzel. "Wir sind in der Branche in der Ausbildung prädestiniert, weil wir ein Vollsortimenter sind", erklärt der Fleischermeister. "Wir haben eigene Partnerbetriebe, die im Auftrag für uns züchten. Die Auszubildenden bekommen dadurch ein Verständnis dafür, woher das Fleisch kommt und wie eng die Abläufe miteinander verbunden sind." Während der Ausbildung müssen alle Stationen im Betrieb durchlaufen und die Berichtshefte regelmäßig geführt werden. "Das ist eine große Herausforderung", betont Holger Dietzel, "aber dafür auch eine fundierte Ausbildung. So lernen die Auszubildenden das Fleischerhandwerk in seiner ganzen Breite kennen."
Hauptgeschäftsführer Dirk Neumann von der Handwerkskammer Halle würdigte das Engagement bei einem Besuch im Betrieb: "Wir brauchen diese Ressource ausländischer Fachkräfte, weil wir in Deutschland zu wenige Azubis finden. Betriebe wie Dietzel zeigen, wie man aktiv gegensteuern kann." Neben den frisch ausgelernten Fachkräften gibt es in der Fleischmanufaktur Dietzel noch weitere Beschäftigte aus Vietnam. In der Fleischproduktion arbeiten rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vietnamesischer Herkunft. Zudem sind vier neue Ausbildungsplätze für junge Menschen aus Vietnam geplant.