Sie hängen in den Garderoben von Adelsfamilien, begleiten Prominente in den Schlaf oder trocknen die Hände des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue – die Textilien der Ege Textilmanufaktur in Ulm. Ob Hemden, Bettbezüge oder Handtücher, alles wird dort seit 1930 individuell und handwerklich angefertigt.

2021 übernahm Dr. Felix Fremerey die Manufaktur aus Passion zu Textilien. "Ich habe mich in dieses Kleinod recht schnell verliebt, weil Textilien ein wunderschönes Produkt sind und das Handwerk dahinter sehr traditionell ist", sagt Fremerey, der damit in familiäre Fußstapfen tritt. "Meine Vorfahren waren unter anderem als Tuchmacher aktiv", erzählt Fremerey, der zuvor in Vorständen und Aufsichtsräten großer Firmen tätig war.
Freie Stoffauswahl
Geld sei für Fremerey nicht Teil der Motivation gewesen, den Betrieb zu übernehmen. Als Kunde schadet eine große Menge davon aber nicht: Immerhin kostet ein Hemd bei Ege rund 360 Euro – Maßnehmen beim Kunden vor Ort, freie Stoffauswahl, höchste Qualität, individuelle Wünsche und Diskretion inklusive. "Wir haben viele prominente Kunden, die das aber nicht an die große Glocke hängen wollen", so Fremerey. Mit sechs Außendienstlern ist die Ege Textilmanufaktur in ganz Deutschland unterwegs und berät Kunden.
Hochwertige Ware aus Westeuropa
Für Fremerey ist das obligatorisch: "Stoffe müssen angefasst werden. Sie müssen auch optisch in den Raum passen. Das bietet nur eine Beratung beim Kunden vor Ort." Genug Möglichkeiten für Stoffe gibt es. Überall in der Manufaktur sind sie zu finden: Sie liegen zusammengerollt in Kisten, stapeln sich gefaltet in Regalen oder breiten sich auf den Tischen aus. Was sie eint, ist die Qualität und die Herkunft. "Wir arbeiten nur mit Webereien aus Westeuropa zusammen. Viele Kooperationen bestehen seit vielen Jahrzehnten", sagt Fremerey. Es gibt bunte Stoffe, gemusterte Stoffe, kühlende Stoffe. Und alle sind individualisiert bestickbar: ob ein Abbild des Hundes, die Initialen oder das Familienwappen. Alles wird von den Mitarbeitenden millimetergenau von Hand auf den Stoffen angebracht.

Luxus des Alltags
Handwerkliche Expertise findet sich in den weitläufigen Produktionshallen ohnehin auf jedem Quadratmeter. Während in der einen Ecke die Nähmaschine im Gleichtakt arbeitet, wird wenige Meter weiter Stoff zurechtgeschnitten. Verteilt stehen große Maschinen, die reinigen, auflockern, dämpfen. Und überall hat Fremerey etwas zu zeigen und zu erzählen. Von den idealen Daunen für Decken und Kissen über die Vor- und Nachteile von Reißverschlüssen bis hin zu verschiedenen Nahtvarianten und deren Anwendungsbereiche. "Wir sind die letzte wirkliche Textilmanufaktur in Europa", zeigt sich Fremerey stolz. Als Luxus des Alltags bezeichnet er seine Produkte. Immerhin halte Bettwäsche von Ege ein Leben lang und sei damit nicht nur etwas für Mehrverdiener.
Reparaturservice
Fehlt nach zehn Jahren dann doch ein Knopf, wird das in der Textilmanufaktur wieder behoben, genau wie auch die Reinigung oder die erneute Auffüllung bei Bettdecken und Co. "Nachhaltigkeit wird bei uns großgeschrieben. Das ist der Unterschied zu günstigeren Textilprodukten. Die werden weggeworfen, wenn sie beschädigt sind", sagt Fremerey. Für den Inhaber sind seine Produkte aber auch eine Art Kunst. Und auch aus Sicht einiger Jurys: So gewann der Betrieb nicht nur den "German Design Award" und den "European Textil & Craft Award" für die Bettdeckenkollektion "Elements", sondern auch die Auszeichnung zur "Manufaktur des Jahres" vom Verband Deutscher Manufakturen im Herbst 2024.