Friseurkette "Hairtie" im Fernsehen “Wir sind der ALDI der Friseure”

Die RTL2-Serie “Einfach Hairlich - Die Friseure” porträtiert Billig-Haarschneider und Edel-Coiffeure in ganz Deutschland. Mit dabei ist auch die Berliner Friseurkette “Hairtie”, die ihre Kunden mit Dumpingpreisen ins Geschäft lockt. Was hinter dem Konzept steckt, erklärt Inhaber René Friedel im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

Thomas Kieschnick

Friseurmeister René Friedel unterhält in Berlin mittlerweile sieben Filialen seiner Friseurkette "Hairtie". - © Kieschnick

Die RTL2-Serie “Einfach Hairlich - Die Friseure” porträtiert Billig-Haarschneider und Edel-Coiffeure in ganz Deutschland. Mit dabei ist auch die Berliner Friseurkette “Hairtie”, die ihre Kunden mit Dumpingpreisen ins Geschäft lockt. Einen Haarschnitt gibt es hier schon ab 4,95 Euro. Doch wieviel Qualität bekommt man fürs Klimpergeld? Und kann eine Friseurin bei diesen Preisen überhaupt noch Überleben? Die Deutsche Handwerks Zeitung im Gespräch mit Inhaber René Friedel (53), der in Berlin mittlerweile sieben Filialen unterhält.

DHZ: Herr Friedel. In der Sendung “Einfach Hairlich - Die Friseure” kostet ein einfacher Haarschnitt in München 65 Euro. Bei ihnen gibt es den schon für 9,85 Euro. Sind die Haarschnitte bei Ihnen zwangsläufig schlechter?

René Friedel: Nein. Egal ob bei uns oder bei den Hipsterfriseuren: Handwerklich ist das das Gleiche. Andere Friseure haben sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal: eine besondere Schnitttechnik oder neue Trends, die sie als erste auf den Markt bringen. Aber: handwerklich gibt es da keinen Unterschied. Wenn es auf dem Kopf anders aussieht, liegt das lediglich daran, dass es sich um eine andere Frisur handelt. Ich kann das hier nicht anbieten, denn für den Beratungsaufwand haben wir keine Zeit. Aber fachlich wären wir dazu in der Lage.

DHZ: 4,95 Euro für den billigsten Haarschnitt auf ihrer Preisliste. Wie ist das überhaupt möglich?

Friedel: Erstmal: 4,95 Euro sind der Eyecatcher. Damit holen wir die Leute in den Laden. Das ist ja auch nur für den Maschinenhaarschnitt. Aber ganz ehrlich: Was soll daran auch teurer sein als 4,95 Euro?! Bei allen anderen Dienstleistungen sind wir vom „Normalfriseur“ nicht so weit weg. Ein Kurzhaarschnitt kostet bei uns 9,85 Euro. Bei anderen Cut&Go-Anbietern gibt es den für 10 Euro.

DHZ: Das ist ja noch immer extrem billig…

Friedel: Ja. Wir sehen uns als der ALDI der Friseure. Um diese Preise anbieten zu können, bedarf es einiger Voraussetzungen. Wir haben einen sehr hohen Kundendurchsatz. Dazu erfüllen wir drei wichtige Voraussetzungen: Top-Standort mit günstiger Miete, Aggressive Werbung, qualifizierte, erfahrene und routinierte Mitarbeiter. Die müssen sehr schnell sein. Wir haben ein kompaktes und überschaubares Angebot und bieten nicht alles an: Bei uns gibt es keine Extensions. Wir schminken nicht und Hochsteckfrisuren gibt es nur nach Absprache.

DHZ: Da sparen sie doch sicher auch bei den Lohnkosten?

Friedel: Ich zahle heute Löhne, die 10-15 Prozent über Mindestlohn liegen. Und ich beschäftige nur eine Auszubildende. Bei mir arbeiten 19 ausgebildete Friseure und drei Friseurmeister. Die Friseure hier haben ein höheres Einkommen als ein Verkäufer oder ein ungelernter Fabrikarbeiter, der nach Tarif bezahlt wird. Die bekommen ja kein Trinkgeld. Das Trinkgeld ist eine zentrale Säule des Geschäftsmodells. Ohne diesen Bonus könnte ich die Friseure bei dem Gehalt nicht halten.

DHZ: Wieviel kommt denn da pro Tag zusammen?

Friedel: Ich habe hier Friseurinnen, die schaffen 45 bis 50 Haarschnitte pro Schicht. Die sind nicht krank, die fehlen nicht, die sind nicht überarbeitet. Da kann es am Ende kann auch Trinkgeld im dreistelligen Bereich geben.

DHZ: Das sind mehr als fünf Kunden pro Stunde. Ist das nicht eine Belastung für ihre Friseurinnen?

Friedel: Ganz ehrlich. Ein normaler Haarschnitt dauert nicht länger als 30 Minuten. Das ist doch schon Prüfungsvoraussetzung. Bei uns geht es nur um die Basics: Den eigentlichen Haarschnitt. Man bezahlt bei uns nicht für ein ausgiebiges Wohlfühlprogramm.

DHZ: Was muss man mitbringen, um bei Ihnen arbeiten zu können?

Friedel: Wer hier arbeitet muss zuverlässig, pünktlich und belastbar sein. Besonders in den Stoßzeiten ist es bei uns voll mit Kunden, weil wir keine Termine vergeben. Aber grundsätzlich gilt: Die Friseurinnen brauchen ein paar Jahre Berufserfahrung und die entsprechende Fingerfertigkeit. Ich habe Mitarbeiter, die wurden bei Udo Waltz ausgebildet und haben dort gearbeitet.

DHZ: Das heißt der Kunde kann trotz der Preise handwerklich einwandfreie Arbeit erwarten?

Friedel: Wenn meine Mitarbeiter schlecht wären, ginge der Laden kaputt. Die Rechnung ist doch ganz einfach: Auch wenn der Haarschnitt nur 20 Cent kostet, der Kunde aber nicht zufrieden ist, kommt er auch nicht zurück.

DHZ: Was für Kunden kommen zu ihnen?

Friedel: Unsere Stammkunden kommen aus den mittleren und niedrigen Einkommensschichten. Aber auch ein Hartz-IV-Empfänger will gepflegt aussehen. Bei einem anderen Friseur müsste er schon 15 Euro für die gleiche Leistung hinlegen.