Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik, zu Chancen und Risiken der demografischen Entwicklung für die Gesundheitshandwerke.
Frank Muck
DHZ: Die Gesundheitshandwerke profitieren naturgemäß von der älter werdenden Gesellschaft. Wie schlägt sich das konkret in der Orthopädietechnik nieder?
Lotz: Man muss die älter werdende Gesellschaft sehr differenziert betrachten, weil „älter“ nicht gleich „kränker“ bedeutet. Jedoch kann man allgemein feststellen, dass im Bereich der reha-technischen Versorgung der Bedarf – aber auch der Anspruch – deutlich steigen. Beispiel: Rollator.
DHZ: Können Sie das noch etwas konkretisieren?
Lotz: In der individuellen technischen Orthopädie, in der Hilfsmittel an die individuellen Besonderheiten des Patienten oder Kunden angepasst werden müssen, steigt der Bedarf durch den demographischen Wandel, da die Anzahl an Arthrosen, diabetischen Erkrankungen etc. im Alter ebenfalls nachgewiesen deutlich zunehmen. Allgemein haben wir aber auch die Generation der „fitten Alten“, welche zwar im eigentlichen Sinn nicht kränker aber einen höheren Anspruch an den Gesundheitsmarkt hat. Letzteres bedeutet neue Herausforderungen und auch neue Chancen für die Versorgung mit Orthopädie-Technik.
"Es ist uns gelungen, die Attraktivität des Berufes wieder stärker in den Vordergrund zu rücken."
DHZ: Ein Risiko liegt in der schwindenden Expertise. Spüren Sie den Fachkräftemangel bereits?
Lotz: Es ist spürbar, dass das Angebot an qualifizierten Fachkräften deutlich geschwunden ist. Da wir einen starken Fokus auf die Ausbildung legen, ist es uns gelungen, die Attraktivität des Berufes wieder stärker in den Vordergrund zu rücken, somit die Ausbildungszahlen zu steigern und den Trend zu stoppen. Wenn wir in Zukunft keinen Fachkräftemangel haben wollen, müssen wir mehr ausbilden.
DHZ: Ein paralleler Trend ist die Digitalisierung. Kommt der auch in Ihrer Branche an und könnte er zum Risiko werden, wenn die Industrie davon profitiert?
Lotz: Ich glaube, dass wir in den letzten Jahren von der Digitalisierung zum Wohle des Patienten profitiert haben und die Versorgungsqualität verbessern konnten. Wir müssen der Digitalisierung mit Neugierde und Offenheit begegnen, aber ihr auch ein gesundes Maß an Zurückhaltung entgegenstellen. Dann können die modernen Entwicklungen von Hilfsmitteln und Fertigungstechniken am Ende allen zum Vorteil dienen.
"Der Verband gibt seinen Betrieben die Werkzeuge an die Hand, mit denen sie sich den veränderten Märkten stellen können."
DHZ: Was müssen die Betriebe tun, um zu profitieren und wie kann ihnen der Bundesverband dabei helfen?
Lotz: Der BIV hat in den letzten Jahren bewiesen, dass durch ein hohes Maß an Professionalisierung in allen Strukturen ein Verband die Weichen für die Zukunft im Sinne seiner Mitglieder stellen kann. Dies gilt sowohl für den Bereich Wirtschaft und Verträge, zur Sicherung der wirtschaftlichen Marktteilnahme, im Bereich der Aus-, Fort und Weiterbildung, der Spezialisierung im Fach und nicht zuletzt im Bereich der politischen Arbeit. Es ist gelungen, das Fach und seine Vertretung in den Fokus von Fachlichkeit und Versorgungskompetenz zu stellen. Somit dient der Verband dazu, seinen Betrieben die Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen sie sich den verändernden Märkten gestärkt stellen können.
Die Studie zu den Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Gesundheitshandwerke kann unter hier heruntergeladen werden.
