Zucker schadet der Gesundheit. Karies, Übergewicht und Diabetes stehen in klarem Zusammenhang mit dem Zuckerkonsum. Jetzt hat die AOK die Bundesregierung aufgefordert, etwas gegen den steigenden Zuckerkonsum zu unternehmen. Das Handwerk sieht den Vorstoß kritisch.
Barbara Oberst

Die AOK (Allgemeine Ortskrankenkassen) bezieht sich mit ihren Forderungen auf die neueste Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erwachsene sollen demnach täglich nicht mehr als fünf bis zehn Prozent ihrer täglichen Kalorien in Form von Zucker zu sich nehmen. Das heißt: Ein Erwachsener darf nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker pro Tag. Tatsächlich konsumieren die Deutschen im Schnitt täglich um die 90 Gramm, 15 bis 18 Prozent ihrer täglichen Kalorienzufuhr.
Zuckersteuer oder Werbebeschränkungen
Die AOK schlägt nun eine Zuckersteuer vor, analog zur Tabak- oder Alkoholsteuer. So könnten die negativen Folgen des Zuckerkonsums – Diabetes, Karies, Übergewicht – eingedämmt werden. Auch über Werbebeschränkungen müsse man in dem Zusammenhang sprechen.
Das Bäcker- und das Konditorenhandwerk sieht den Vorschlag kritisch: "Wir haben nur ein Lebensmittelrecht. Wenn da etwas geändert wird, um den Zuckeranteil in Billigprodukten zu reduzieren, hängen wir hinten dran", befürchtet Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes.
Vor allem die bürokratischen Folgen scheut der Unternehmer aus Augsburg: "Ich habe jetzt schon sechs Ordner nur mit Dokumentation im Regal stehen. Wir regulieren uns zu Tode", erklärt der Konditormeister sein Problem. Würde der Staat beim Zuckerkonsum regulierend eingreifen – woraus zwangsweise neue Dokumentationspflichten entstehen würden – so wären die handwerklichen Unternehmen die ersten Leidtragenden. "Wir Kleinen haben kein extra Personal für Büroarbeiten." Großunternehmen, die ihren Produkten immer mehr Zucker beimengten, könnten das leichter ausgleichen.
Konditoren haben Zucker bereits reduziert
Dabei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gerade im Handwerk der Trend zu weniger Zucker von allein ergeben: "Wo wir früher auf einen Liter Schlagsahne für Torten 150 Gramm Zucker gegeben haben, verwenden wir heute nur noch 70 bis 80 Gramm. Die Kunden wollen es gar nicht mehr so süß. Und auch die Schokoladen sind höherwertig geworden, früher hatten dunkle Schokoladen meist einen Zuckeranteil von 45 Prozent, heute sind es 35 Prozent, bei Pralinen sogar nur noch 25 Prozent."
Tatsächlich haben die Deutschen in den vergangenen zwei Jahren tendenziell eher weniger Zucker verbraucht als zuvor, beobachten die Zuckverbände. Noch sei es aber zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen, konstatiert Sprecherin Eva Sawadski.
Entwarnung kommt aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Eine politische Steuerung des Konsums durch Werbeverbote und Strafsteuern für vermeintlich ungesunde Lebensmittel lehnt das Ministerium im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" ab.
Zucker in Lebensmitteln
Marmelade: 59 Prozent
Schokocreme: 56 Prozent
Kekse: 51 Prozent
Gummibärchen: 46 Prozent
Ketchup: 30 Prozent
Fruchtjoghurt: 12 Prozent
Cola: 10 Prozent
Tiefkühlpizza: 5 Prozent