„Wir achten auf graue Energie“

DHZ-Gespräch mit Dagmar Fritz-Kramer, Geschäftsführerin des Fertighausherstellers Baufritz in Erkheim

Verantwortung für die nächsten Generationen: Dagmar Fritz-Kramer erklärt ihre Philosophie der Nachhaltigkeit. +#x21e5;Foto: Baufritz

„Wir achten auf graue Energie“

Das Thema Nachhaltigkeit rückt immer stärker ins öffentliche Bewusstsein. Kunden entscheiden sich bewusst für ökologisch saubere und ethisch vertretbare Produkte. Lebensmittel- oder Bekleidungsgeschäfte haben ihr Sortiment längst entsprechend verändert. Doch auch im Baugewerbe gewinnt Nachhaltigkeit an Bedeutung. Handwerksbetriebe haben diesen Trend erkannt und übernehmen wie im Falle Baufritz sogar eine Vorreiterrolle.

DHZ: Frau Fritz-Kramer, Baufritz wurde 2009 als nachhaltigstes Unternehmen in Deutschland ausgezeichnet. Was verstehen Sie unter nachhaltigem Bauen?

Dagmar Fritz-Kramer: Nachhaltig handeln bedeutet für mich bei allem, was ich tue, darauf zu achten, dass ich mein Handeln jederzeit vor meinen Kindern und Nachkommen verantworten kann. Das gilt auch für den Hausbau! Wussten Sie, dass allein der Bauschutt über 50 Prozent unsrer Müllberge ausmacht? Nachhaltiges Bauen bedeutet, keinerlei Kompromisse einzugehen. Wir wollen der Natur zurückgeben, was wir ihr entziehen. Für die Produktion unserer Voll-Werte-Häuser verwenden wir ausschließlich nachwachsende, natürliche und streng schadstoffgeprüfte Rohstoffe. Diese entziehen der Erdatmosphäre durch ihre hohe CO2-Speicherkapazität klimaschädigendes Kohlendioxid. Mehr als 40 Tonnen CO2 werden mit dem Bau eines Einfamilienhauses gespeichert.

DHZ: Das ökologische Bewusstsein in der Bevölkerung ist sehr stark gewachsen. Es gibt jede Menge Umweltzertifikate. Nachhaltigkeit geht aber über den Ökobegriff hinaus. Welche Anforderungen müssen beim nachhaltigen Bauen Ihrer Meinung nach erfüllt werden?

Fritz-Kramer: Wichtig ist vor allem, nicht nur auf geringe Energieverbrauchswerte während der Nutzungsphase eines Gebäudes zu achten, sondern auch die so genannte „graue Energie“ zu berücksichtigen. „Graue Energie“ bezeichnet den Energieaufwand vor und nach der Nutzungsphase eines Produktes. Bei Baufritz wird eben dieser Energieverbrauch durch die Verwendung natürlicher und heimischer Baustoffe sowie der Entsorgungsfreundlichkeit der verbauten Materialien auf ein geringes Pensum reduziert. Außerdem wird unsere gesamte Produktion ausschließlich mit Eigen- und Naturstrom betrieben.

DHZ: Nachhaltiges Bauen hat seinen Preis. Wie gelingt es Ihnen, im Wettbewerb mit konventionellen Anbietern zu bestehen und potenzielle Kunden für Ihre Häuser zu begeistern?

Fritz-Kramer: Unsere Kunden sind sich der Werte, welche in einem Baufritz-Haus stecken, bewusst. Diese Werte und den damit verbunden Mehrpreis zu vermitteln, funktioniert nur mit ehrlicher und offener Kommunikation. Ein Bioapfel z. B. kostet mehr, weil keine konventionellen Spritzmittel verwendet werden und der Boden intensiver bearbeitet werden muss. Genau so verhält es sich mit einem nachhaltig gebauten Öko-Haus. Sie können keine Schäume oder Kleber einsetzen und eine hochwertige Schreinerbindung ist teurer als Ausschäumen. Ein gesundes Wohnklima kann man beim Betreten förmlich fühlen und sogar riechen! Jeder ist eingeladen, sich in unseren Musterhäusern selbst zu überzeugen!

DHZ: Wer das Thema Nachhaltigkeit zur Unternehmensphilosophie erhebt, sollte nicht nur nachhaltige Produkte bieten, sondern sein ganzes Handeln danach ausrichten. Wie wird Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen praktiziert?

Fritz-Kramer: Unsere Philosophie „Gut für Mensch und Natur“ wird im ganzen Unternehmen gelebt. Nichts motiviert Mitarbeiter mehr, als einen ehrlichen Sinn in ihrem Werk zu sehen. Meine Mitarbeiter haben dieses Leitbild so verinnerlicht, dass es sicher unmöglich wäre, Abstriche in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit zu machen.

DHZ: Baufritz hat sich als führendes Unternehmen beim Bau von Holzhäusern etabliert. Welche Herausforderungen stehen vor Ihnen, um diese Position auch in Zukunft zu behaupten?

Fritz-Kramer: Ganz klar, unser Produkt durch stetige Forschung und Entwicklung, neue Innovationen und Verbesserungen weiterzuentwickeln und zu perfektionieren. Und natürlich die Mission, den ökologischen Grundgedanken in den Köpfen aller zu positionieren und zu festigen. Für eine lebenswerte Zukunft für uns und unsere Nachkommen!