"Hey, wir könnten doch auch mal im Winter grillen!" Gute Idee, findet Fleischer und Grill-Experte Stefan Pistol und gibt Tipps, wie das Grillen bei Schnee und Minusgraden zum Erfolg wird.
Max Frehner

Eine Winterpause gibt es für Fleischermeister Stefan Pistol nicht. "Ich grille das ganze Jahr über", verrät der 30-Jährige. Mit seinem Unternehmen Prime BBQ in Neu Roggentin bei Rostock habe Pistol seine Passion zum Beruf gemacht. In seinem Barbecue-Ladengeschäft verkauft er regionale Fleischspezialitäten, als Seminarleiter vermittelt er Wissen über das Grillen und als Caterer steht er auch regelmäßig selbst am Rost. Sein Geschäftsmodell ist preisgekrönt. Dieses Jahr hat Pistol den Publikums-Preis beim Unternehmerhelden Award 2017 gewonnen.
Für den Grillexperten sind die kalten Monate kein Hindernis, sondern ein kulinarischer Leckerbissen. "Ich freue mich auf den Winter", sagt er begeistert und schwärmt von Grillgut, das für ihn dann Saison hat, wenn andere ihren Grill bereits eingemottet haben. Das sind seine Tipps fürs Wintergrillen.
Wintergrillen: Das richtige Grillgut
Das gesamte Jahr dasselbe Fleisch? Nicht, wenn Pistol vor dem Grill steht. "Im Winter grillt man ganz andere Sachen als im Sommer", lautet seine Devise. Beim Wintergrillen haben daher vor allem Wild und Geflügel einen festen Platz auf seinem Rost. "Gerne die richtig deftigen Sachen", meint er und rät zu Wildrücken, Wildknacker oder Entenbrust. Das passe auch gut zu Weihnachten und Winter, meint Pistol.
Außerdem empfiehlt er, Pulled-Pork auch mal vom Wildschwein zu probieren. Der Nachteil bei diesem Gericht: Von der Vorbereitung bis zum Genuss verstreichen einige Stunden. Für die schnelle Grillküche sind eher andere Spezialitäten geeignet. "Rücken und Filet vom Wild können auch kurz gebraten werden", gibt der Grill-Profi als Tipp. Wer keine Zeit verlieren möchte, solle das Grillgut zusätzlich in dünne Scheiben schneiden. Als Marinade zum Wild empfiehlt er eine Kombination aus Holunder-Balsamico, Ahornsirup und Soja-Sauce. "Alles in gleichen Teilen vermischt ergibt eine tolle winterliche Marinade", so der Fleischermeister.
Auch Vegetariern legt Pistol ein wenig Experimentierfreude ans Herz: "Gekochte Rote Beete räuchern und dann gewürfelt oder in Scheiben mit Thymian servieren." Wem das nicht zusagt, der könne aber auch herbstliche Kost wie Kürbis probieren.
Und was ist mit den Beilagen? Um den frostigen Temperaturen beim Wintergrillen zu trotzen, empfiehlt Pistol vor allem warme Beilagen. "Bratkartoffeln gehen immer", so sein Rat. Auf der Getränkeliste dürften die Klassiker Glühwein und Punsch keinesfalls fehlen. Zudem würden auch Starkbiere gut zum Wintergrillen passen.
Wintergrillen: Der richtige Grill
Ein Grilltyp fällt für Pistol kategorisch aus der Liste: Der Elektrogrill. "Da bin ich raus, das ist nicht meins", stellt er klar. Sein Favorit beim Wintergrillen ist stattdessen der Gasgrill. "Der hält auch bei Wind und Kälte seine Leistung", weiß er aus eigener Erfahrung. Und genau das sei die Schwierigkeit beim Wintergrillen. Damit das Grillgut richtig gart, benötige es eine kontinuierlich hohe Temperatur. Vor allem der Wind mache hier zu schaffen. Ein Grill, der diesen Umständen gewachsen ist, sei neben dem Gasgrill auch der Keramikgrill.
Manch einer mag jedoch auch beim Wintergrillen nicht auf das rauchige Aroma verzichten, welches nur beim Grillen über Holzkohle erzielt wird. In diesem Fall rät der Experte von Billigware ab. "Gerade im Winter sollte man hochwertige Holzkohle verwenden, die lange genug durchhält", erklärt er und nennt Kokoskohle als Beispiel.
Wichtig sei bei allen Grilltypen, dass das Grillgut durch eine Abdeckung geschützt ist. Einzige Ausnahme: Die Feuerschale. Diese muss offen befeuert werden. Das sorge nicht nur für schönes Ambiente, sondern zusätzlich für warme Füße. "Die Feuerschale eignet sich übrigens auch gut, um Lachs zu machen", verrät er eine weitere Möglichkeit, um die Feuerstelle zu nutzen.
Wintergrillen: Das richtige Drumherum
"Am liebsten grille ich, wenn so richtig Schnee liegt", schwärmt Pistol. Von den kalten Temperaturen lasse er sich dabei nicht abschrecken. "Man muss nur warm angezogen sein und schauen, dass man windgeschützt steht", meint der Fleischermeister. "Die Kälte ist meist nicht so entscheidend", erklärt er. Dennoch rät er zu einer zusätzlichen Wärmequelle. Dies könne eine Feuerschale oder auch ein Heizpilz sein. Wenn dann noch ein Glühwein zur Hand sei, stehe dem winterlichen Grillvergnügen nichts mehr im Wege.
Der Gasgrill-Lecktest: Spülmittel als Geheimtipp
Pistol´s Favorit beim Wintergrillen ist der Gasgrill. Wie im Sommer gilt auch im Winter: "Safety first". Von daher sollte der Gasgrill - beispielsweise nach einer kurzen Verschnaufspause im windigen Herbst - zur Sicherheit auf undichte Stellen geprüft werden. Hierbei können Wintergriller auf ein gängiges Haushaltsmittel zurückgreifen: Spülmittel.
So funktioniert der Gasgrill-Lecktest mit Spülmittel :
Vorbereitung:
- Gasgrill im Freien aufstellen
- Brennende Gegenstände in der näheren Umgebung vermeiden - nicht rauchen!
- Wasser und Spülmittel im Verhältnis 50:50 mischen
- Gasführende Teile mit dem Gemisch einpinseln. Gasschläuche, Ventile und sonsitge Verbindungen müssen komplett bedeckt sein
- Gaszufuhr starten
- Bilden sich Bläschen, deutet dies auf eine undichte Stelle hin
