Interview mit Oliver Gürtler Windows-Chef: "XP ist unsicher und riskant"

Windows XP ist ein Auslaufmodell und längst nicht mehr sicher. Windows-Deutschland-Chef Oliver Gürtler erklärt im Interview, wo die Risiken liegen und wie Handwerksbetriebe den Umstieg auf ein neues Betriebssystem am besten bewältigen können.

Steffen Guthardt

Windows XP wird zum Einfallstor für Schadprogramme. Betriebe sollten jetzt wechseln. - © Jens Kalaene/dpa/picture alliance

DHZ: Herr Gürtler, wie lange können Betriebe Windows XP noch bedenkenlos nutzen?

Gürtler: Windows XP ist bereits seit einiger Zeit ein Auslaufmodell, der mehrmals verlängerte Support durch Microsoft läuft am 8. April 2014 endgültig aus. Das bedeutet für alle Nutzer, dass es für Windows XP in einem halben Jahr keine Sicherheitsupdates, Aktualisierungen und keinen technischen Support mehr geben wird. Unternehmen, die nach dem 8. April 2014 weiterhin auf Windows XP setzen, nehmen erhebliche Sicherheitsrisiken in Kauf. Daher empfehlen wir Betrieben einen raschen Umstieg auf eine modernere Windows-Vision.

Oliver Gürtler leitet bei Microsoft Deutschland den Geschäftsbereich Windows. - © Microsoft
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DHZ: Reicht ein guter Virenscanner zur Absicherung von Windows XP nicht aus?

Gürtler: Windows XP basiert auf veralteten Sicherheitsarchitekturen, die nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Unter Windows XP gab es z.B. kein User Account Control (UAC). Das bedeutet, dass keine eingeschränkten Benutzerkonten angelegt werden konnten. Diese wurde erstmals mit Windows Vista eingeführt. Das führte in der Praxis dazu, dass die meisten Durchschnitts- Anwender als Administratoren angemeldet waren. Somit erhielt jegliche Schadsoftware Zugriff auf das gesamte System. BitLocker wurde erst mit Vista eingeführt und schützt persönliche Daten vor lokalen Angriffen, z.B. bei Verlust oder Diebstahl des Rechners. Um einen möglichst umfassenden Schutz zu garantieren und vor Sicherheitslücken vorzubeugen, reicht also ein Virenscanner nicht aus, das Betriebssystem selber muss immer auf dem neuesten Stand sein. Nur so kann auch gewährleistet werden, dass immer die neuesten Patches zur Verfügung stehen.

DHZ: Welche sind die größten Sicherheitsrisiken, denen sich Betriebe bei einem Umstiegsverzicht aussetzen?

Gürtler: Durch die bereits angesprochenen, veralteten Sicherheitsarchitekturen von Windows XP sind Angriffe von Viren, Spyware und Malware nahezu vorprogrammiert. Das kann wiederum zum Verlust aller persönlichen und geschäftlichen Dokumente führen. Betriebe riskieren damit nicht nur die Sicherheit ihrer eigenen Daten sondern auch die ihrer Kunden und Partner. Windows XP ist nicht nur das unsicherste aller Microsoft Betriebssysteme, seine Nutzung wird auch immer risikoreicher. Ein aktueller Sicherheitsbericht hat gezeigt, dass Windows XP Rechner im Vergleich zur 64-Bit Version von Windows 8 mehr als 56-mal häufiger Opfer von Malware und schädlicher Software sind, Tendenz steigend.

DHZ: Der Wechsel ist aber doch sicher aufwendig für Betriebe?

Gürtler: Um Unternehmen beim Wechsel von Windows XP auf eine modernere Windows-Version zu helfen, bietet Microsoft auf www.windows.de diverse Online-Tools, Trainings und Materialien an, um veraltete Windows Versionen reibungslos abzulösen. In den nächsten sechs Monaten vollziehen insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen einen Wechsel, denn hier werden Migrationsprozesse häufig kurzfristig geplant und umgesetzt. Eben jene Unternehmen profitieren beispielsweise durch die „Get2Modern Kampagne“, mit der Microsoft gezielt kleinere und mittelständische Betriebe mit unterschiedlichsten Angeboten für Windows und Office unterstützt.

Seite 2: Warum sich ein direkter Wechsel auf Windows 8 lohnt.

DHZ: Was kostet der Umstieg auf Windows 8 zum Beispiel einen Handwerksbetrieb mit zehn Mitarbeitern?

Gürtler: Der Umstieg ist oftmals wesentlich günstiger als gedacht. Für viele kleinere und mittelständische Unternehmen ist eine größere Investition in die Hardware gar nicht unmittelbar notwendig – je nachdem über welche Rechnerleistung die Betriebe verfügen, kann hier einfach Windows XP durch eine modernere Windows-Version ersetzt werden. Am einfachsten klappt der Umstieg, wenn der Betrieb ohnehin vorhat, seine Rechner auszutauschen oder zu modernisieren, denn mit der neuen Hardware werden meist auch Vollversionen des neuesten Betriebssystems mitgeliefert.

DHZ: Gibt es Alternativen für Betriebe, die sich nicht mit Windows 8 anfreunden können?

Gürtler: Aus unserer Sicht sollten Unternehmen mit einem Betriebssystem arbeiten, das moderne Arbeitstrends unterstützt und zukunftsfähig ist. Bei der Entwicklung von Windows 8.1 haben wir uns genau überlegt, welche modernen Anforderungen heute an Betriebe gestellt werden und welche Voraussetzungen ein Betriebssystem dafür haben sollte. Mit der generellen Verfügbarkeit von Windows 8.1 am 18. Oktober 2013 führen wir daher zahlreiche neue Funktionen ein, um Unternehmenskunden fit für die Zukunft zu machen: Ob Mobile Computing, IT-Verwaltung und Sicherheit – Windows 8.1 ermöglicht Betrieben, auf den neuesten Stand der Technik zu sein. Aus diesem Grund sehen wir keine Alternative zu Windows 8 bzw. Windows 8.1.

DHZ: Gibt es neben dem Sicherheitsaspekt weitere Vorteile?

Gürtler: Unternehmen, die auf veraltete Betriebssysteme setzen, riskieren nicht nur die Sicherheit ihrer Daten, sie haben auch mit höheren Ausgaben zu rechnen. Steigende IT-Kosten für die Wartung sowie verlorene produktive Arbeitszeit aufgrund vermehrter Malware-Angriffe, verstärkter Support-Anfragen und häufig notwendiger Reboots führen zu deutlich höheren Betriebskosten. Laut einer IDC Studie steigen die kombinierten IT-Arbeitskosten und Benutzerproduktivitätskosten pro PC vom zweiten bis zum fünften Jahr um ganze 73 Prozent. Ein weiterer, kritischer Punkt für Betriebe mit XP-Rechnern ist zudem die Tatsache, dass auch Drittanbieter von Software-Anwendungen den Support kontinuierlich einstellen oder diesen nur noch kostenpflichtig anbieten. Neue Programme werden für Windows XP gar nicht erst geschrieben. Viele wichtige Anwendungen, beispielsweise zur Personalplanung oder Produktsteuerung, werden nur noch für die neueren Windows-Versionen programmiert. Zudem stellen Hardware-Hersteller keine Treiber mehr für Windows XP zur Verfügung, so dass Windows XP-Rechner beispielsweise keine modernen Druckermodelle mehr erkennen.

DHZ: Wie lange werden Betriebe Windows 8 ohne Risiko nutzen können?

Gürtler: Der erweiterte Support von Microsoft für Windows 8 läuft am 10. Januar 2023 aus. Bis zu diesem Stichtag wird es automatische Fixes, Updates und technischen Support für das Betriebssystem geben.