Sicherheitsupdates für Microsoft Betriebssystem Windows 10: Es bleibt noch Zeit für einen Wechsel

Microsoft wollte die technische Unterstützung für Windows 10 ursprünglich im Herbst 2025 einstellen. Doch Sicherheitsupdates können verlängert werden – für viele Lizenznehmer sogar kostenlos. Der Support gilt allerdings nicht für Microsofts Bürosoftware.

Im Oktober 2026 kann Windows 10 zum Sicherheitsrisiko werden. - © ifeelstock/stock.adobe.com

Bereits vor knapp vier Jahren wurde das Betriebssystem Windows 11 eingeführt. Doch weiterhin bevorzugen viele Nutzer den inzwischen zehn Jahre alten Vorgänger Windows 10.

Das alte Betriebssystem kommt laut Zahlen von StatCounter GlobalStats derzeit immer noch auf einen beachtlichen Marktanteil von knapp 60 Prozent bei Windows-Nutzern in Deutschland. Damit wird die alte Version deutlich häufiger verwendet als das neuere Windows 11 (38,5 Prozent). Auch in vielen Handwerksbetrieben dürfte die Software noch nicht auf dem neuesten Stand sein.

Frist bis Oktober 2026 verlängert

Microsoft hatte allerdings angekündigt, den offiziellen Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 einzustellen. Davon wären auch Sicherheitsupdates betroffen. Allerdings gibt es nun eine Fristverlängerung. Der Konzern teilte mit, dass kostenlose Sicherheitsupdates für Nutzer aus dem Europäischen Wirtschaftsraum doch erst am 14. Oktober 2026 eingestellt werden. Voraussetzung: Nutzer müssen sich mit einem Microsoft-Konto anmelden und angemeldet bleiben. Bislang war das "Extended Security Update"-Programm (ESU) nur als kostenpflichtige Option bekannt.

Die Kontovariante wurde Ende September überraschend nachgeschoben. Ein Einrichtungsassistent wird Microsoft zufolge ab Anfang Oktober in den Benachrichtigungen sowie in den Einstellungen von Windows 10 verfügbar sein.

Das gilt für Handwerksbetriebe

Die Verlängerung gilt in erster Linie für Verbraucher. Aber auch Handwerksbetriebe können grundsätzlich von den kostenlosen Sicherheitsupdates profitieren. Microsoft unterscheidet in den Lizenzbedingungen (EULA) nicht strikt nach "privater" oder "gewerblicher" Nutzung – es gibt also kein ausdrückliches Verbot, Windows 10 Home auch in einem Unternehmen zu nutzen.

Handwerksbetrieben, auch Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmern, ist von der Nutzung dieser Windows-10-Lizenz dennoch abzuraten. Die Anwendung für Firmenzwecke ist deutlich eingeschränkt. In größeren Umgebungen wird es schwer, Rechner mit Home-Versionen zentral zu administrieren oder abzusichern. Auch können IT-Richtlinien bestimmte Funktionen voraussetzen (z. B. Verschlüsselung, Domänenanbindung). Mit Windows 10 Home kann es dann sein, dass Anforderungen nicht erfüllt werden. Windows Home bindet Nutzer zudem stark an ein Microsoft-Konto. Dabei können Datenverarbeitungen auf US-Servern stattfinden, was – je nach Art der Geschäftsdaten – DSGVO-relevant werden kann. Für eine Nutzung im geschäftlichen Kontext ist es deshalb ratsam, die Unternehmenslizenz zu erwerben.

Grundsätzlich gilt:

  • Privatlizenz (Retail/OEM):
    Lizenznehmer dürfen diese grundsätzlich auch in ihrem Betrieb nutzen, solange die Lizenzbedingungen eingehalten werden (z. B. keine parallele Nutzung durch mehrere Personen oder Virtualisierung außerhalb der Lizenzbedingungen). Es gibt von Microsoft keine Regel, die Privatnutzer und Selbstständige strikt trennt.
  • Unternehmenslizenzen (z. B. Windows Pro, Enterprise, Volumenlizenzen):
    Diese sind speziell für Firmen und Organisationen entwickelt; sie bieten Zusatzfunktionen wie zentrale Verwaltung, erweiterte Features oder mehrjährige Supportoptionen.

Für Handwerksbetriebe, die eine Unternehmenslizenz von Windows 10 nutzen, bleibt das ESU-Programm nach derzeitigem Stand weiterhin kostenpflichtig. Sie können die Sicherheitsupdates für Windows 10 allerdings gegen Gebühr bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen.

Support sollte sich an Gerätenutzung orientieren

Verbände hoffen, dass die EU bis dahin klare Vorschriften für den Supportzeitraum von digitalen Geräten beschließen wird. Diese kann die EU-Kommission über den "Cyber Resilience Act" regeln, der Mindeststandards für Hersteller wie Microsoft vorgibt.

Michaela Schröder, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik des Verbraucherzentrale Bundesverbands, sieht das Problem nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben: "Dass Microsoft nun den Sicherheitssupport für Windows 10 um ein Jahr verlängert, ist zwar zu begrüßen, verschiebt das Problem aber auch nur aufs nächste Jahr. Im Oktober 2026 stehen dann viele Nutzerinnen und Nutzer wieder vor derselben Herausforderung."

Schröder weist darauf hin, dass Windows 10 unsicher wird. "Der Laptop funktioniert zwar noch, doch unterstützt das neuere Betriebssystem Windows 11 nicht. Für viele bedeutet das: Geld für einen Neukauf ausgeben." Benötigt würden verlässliche Systeme, die über viele Jahre hinweg aktuell bleiben. Das vermeide das Wegwerfen von an sich funktionierender Technik und schone den Geldbeutel der Menschen. "Wie lange ein Betriebssystem sicher und funktionsfähig ist, sollte nicht vom guten Willen der Unternehmen abhängen. Der Sicherheitssupport für Betriebssysteme muss sich an der Nutzungsdauer der Endgeräte orientieren."

Leichtes Spiel für Hacker bei Windows 10

Der Einschätzung schließt sich Sebastian Klöß, Bereichsleiter für Consumer Technology beim Digitalverband ­Bitkom, an: "Das Ende des Supports bedeutet, dass Microsoft keine Sicherheitsupdates mehr bereitstellen wird. Fehler werden nicht mehr behoben, Sicherheitslücken bleiben offen, und Kompatibilitätsprobleme mit neuer Hardware oder Software können auftreten.

Damit könnten die Systeme nicht nur anfälliger für Störungen werden, sondern auch sensible Daten von Mitarbeitern oder Kunden für Hacker einfacher zugänglich sein. "Der Handlungsdruck für Betriebe ist damit jetzt sehr hoch", betont ­Klöß. "Windows 10 war ein treuer Begleiter, aber es ist Zeit für den nächsten Schritt. Wer den Wechsel hinauszögert, riskiert Sicherheitslücken und Inkompatibilitäten. Sicherheit ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Unternehmen und Privatanwender müssen sich bewusst machen, dass veraltete Software keine Zukunft hat", so Klöß weiter.

Betriebe, die reagieren möchten, haben mehrere Optionen. Für die meisten empfiehlt der Experte ein Update auf Windows 11. Dies sei oftmals der einfachste und schnellste Weg, weil die Umstellung in der Regel mit relativ wenig Aufwand verbunden sei. Auch die mit dem Wechsel verbundenen Kosten stellten in den meisten Fällen keine zu große Hürde dar. "Diese sind oft geringer als die Kosten für einen Sicherheitsvorfall durch eine veraltete Software."

Nach dem Update: Hardware kann im Mülleimer landen

Anders kann dies jedoch aussehen, wenn die genutzte IT-Infrastruktur nicht kompatibel mit Windows 11 ist. In diesem Fall können auch erhebliche Kosten für neue Hardware anfallen. Ein Schritt, an dem Betriebe nach Ansicht von Klöß aber früher oder später ohnehin nicht vorbeikommen. "Es bringt nichts, nur das Betriebssystem zu wechseln, wenn der Rest der Umgebung veraltet ist." Andererseits kann er das Dilemma mancher Unternehmer nachvollziehen: "Ihr Gerät funktioniert einwandfrei, erfüllt aber nicht die Anforderungen von Windows 11. Hier entsteht auch eine Umweltbelastung, weil noch nutzbare Hardware ausgetauscht werden muss."

Erleichtert werde der Umstieg jedoch auch, indem der Windows-10-Nachfolger weitgehend selbsterklärend für Anwender der alten Version sei. "Schulungen sind meist nicht nötig, weil das neue Windows dem Vorgänger nicht nur optisch ähnelt, sondern die meisten Funktionen ebenfalls praktisch identisch sind."

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) weist auf die Belastungen hin. "Weltweit können etwa 40 Prozent der Computer nicht auf Windows 11 aktualisiert werden, wodurch auf einen Schlag bis zu 700 Millionen Kilo Elektroschrott anfallen könnten. Der Aufschub von einem Jahr ist bloße Augenwischerei", sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Nutzern sollte eine sichere Nutzung von Betriebssystemen durch kostenlose Updates für mindestens 15 Jahre garantiert werden. "Solche Vorgaben braucht es nicht nur für Computer, sondern für alle Elektrogeräte, die von einer Software abhängig sind."

Office 2016 und 2019: Hier läuft die Zeit schon jetzt ab

Neben Windows 10 betrifft das Support-Ende auch die Office-Versionen 2016 und 2019. Hier hat Microsoft bislang keine Verlängerung der Sicherheitsupdates bis 2026 angekündigt. Damit gilt als Stichtag weiterhin der 14. Oktober 2025. "Viele nutzen alte Word- oder Excel-Versionen noch täglich, aber man muss sich bewusst sein, dass es keine neuen Features oder Sicherheitsupdates mehr geben wird."

Ein Wechsel in die Cloud-Welt der neuen Office-Versionen 365 ist aus Sicht des Experten ohne viel Aufwand möglich, und Datenschutzbedenken seien unbegründet. Für ihn überwiegen klar die Vorteile: "Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist die Cloud oft die beste Lösung, weil sie sich nicht um die Wartung der IT kümmern müssen. Cloud-Lösungen sind flexibler und skalierbarer als lokale Installationen. Wer sich dem verschließt, macht sich das Leben unnötig schwer." Auch die Sicherheit in der Cloud sei heute oft besser als auf lokalen Servern – wenn man sie richtig nutze. Ein zusätzlicher Anreiz könnten auch die KI-Funktionen sein, die Microsoft in sein neues Office integriert.

Betriebe, die sich anstatt des Abo-Modells hingegen für den einmaligen Kauf von Office 2024 entscheiden, müssen ein paar Abstriche in Kauf nehmen. Dies betrifft den bestehenden Funktionsumfang, den Zugriff auf künftige Features und auch fehlende Upgrades auf neue Hauptversionen. Wer keinen großen Wert auf Extras wie KI legt, kann sich nach Einschätzung von Klöß aber auch nach alternativer Bürosoftware umsehen. "Open-Source-Lösungen sind für viele Einsatzzwecke konkurrenzfähig und frei zugänglich."