Smartphone-Nacken und SMS-Daumen sind ärztliche Diagnosen, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. Heute überraschen sie keinen Mediziner mehr. Der ewige Begleiter bringt dem Menschen viele Vorteile, doch wer allzu viel aufs Gerät starrt, riskiert diese Schäden.
Barbara Oberst

Als Apple-Gründer Steve Jobs im Januar 2007 das erste iPhone präsentierte, gab es Smartphones zwar schon länger. Aber erst die iPhones lösten eine Revolution im Nutzerverhalten aus – mit Folgen für das Arbeitsleben und die Freizeit, aber auch für die Gesundheit der Menschen.
Neue Krankheiten durch Smartphones
- Smartphone-Nacken: So heißen Verspannungen und vorzeitige Abnutzungen der Halswirbelsäule durch ständiges Beugen über das Smartphone. In dieser Haltung entstehen Zugkräfte von bis zu 30 Kilogramm für den Nacken. Weitere Infos hierzu unter www.schmerz-im-nacken.de.
- SMS-Daumen: Auch schmerzende Daumengelenke überraschen Ärzte nicht mehr. Die besondere Form der Sehnenscheidenentzündung kann dann auftreten, wenn kleinste Bewegungen wie das Tippen mit dem Daumen häufig und schnell wiederholt werden.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat in einer Publikation Informationen zur physischen Beanspruchung bei der Nutzung von Smart Mobile Devices zusammengetragen, zu finden unter www.baua.de. - Krebsrisiko: Trotz zahlreicher Studien ist umstritten, ob Handystrahlen krebserregend sein können oder nicht. In Italien haben aber im April erstmals Arbeitsrichter einem an einem Hirntumor Erkrankten Recht gegeben. Seine Krankheit, durch die er an einem Ohr das Hörvermögen verloren hat, sei auf die beruflich bedingten Handytelefonate zurückzuführen.
- Psychische Erkrankungen: Smartphones und Handys wirken sich auf die Psyche ihrer Nutzer aus. Es gibt verschiedene Formen von Smartphone-Sucht, Stressreaktionen aufgrund von ständiger Erreichbarkeit und Neurosen, weil der Nutzer glaubt, sein Smartphone klingle, obwohl das nicht der Fall ist (Phantom-Klingel-, Phantom-Vibrations-Syndrom).
Apps helfen bei Therapien
Mehr als 100.000 Gesundheits-Apps gibt es derzeit in Deutschland, ständig kommen neue hinzu. Selbst Krankenkassen bieten eigene Apps für eine schnellere medizinische Beratung. Bisher haben allerdings die wenigsten Angebote auf dem Markt einen diagnostischen oder therapeutischen Anspruch, urteilt das Bundesgesundheitsministerium.
Trotzdem gebe es Anzeichen, dass manche Tools dabei helfen, sich konsequenter zu bewegen oder sich besser zu ernähren. Das zeigt eine Studie, die vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wurde. Auch Therapien würden mit Hilfe mancher App besser eingehalten, stellen die Wissenschaftler in "Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA“ fest (hier abzurufen). Diese Effekte wollen sich immer häufiger auch Betreiber von betrieblichem Gesundheitsmanagement zu Nutze machen.
Die Kosten für digitale Unterstützung können Anwender künftig bei ihren Krankenkassen einreichen. Im E-Health-Gesetz hat der Gesetzgeber festgelegt, dass digitale Anwendungen, die die Versorgung verbessern, erstattet werden.
Ein Problem sehen die Wissenschaftler noch im Datenschutz. Oft hielten sich Anbieter nicht an die rechtlichen Anforderungen. Derzeit entwickelt die EU einen "Code of Conduct“, der sich zu einer Selbstverpflichtung der Hersteller von Gesundheits-Apps in Bezug auf Qualität und Datenschutz entwickeln soll.