Steueranrechnung für Handwerkerleistungen Handwerkerbonus: So füllt er Auftragsbücher

Kunden von Handwerkern, die in ihrem Privathaushalt Handwerkerleistungen in Auftrag geben, können sich bei der Abgabe einer Einkommenssteuererklärung über eine Steueranrechnung von 20 Prozent der abgerechneten Arbeitsleistung, maximal über 1.200 Euro pro Jahr, freuen. Damit diese Steuervergünstigung jedoch beim Kunden ankommt, sind einige Spielregeln und Besonderheiten zu beachten.

Handwerkerbonus für Leistungen, die vor Ort beim Kunden erbracht werden: Der Leistungskatalog wurde im Jahr 2016 erweitert. - © Syda Productions/Fotolia.com

Für welche Leistungen gibt es die Steueranrechnung?

Begünstigt sind Erhaltungs-, Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen eines Handwerkers, die „im“ Privathaushalt des Kunden stattfinden (§ 35a Abs. 3 EStG). Die Steueranrechnung von 20 Prozent gibt es jedoch nur auf die Arbeitsleistung des Handwerkers und die darauf entfallende Umsatzsteuer. Auch die Anfahrtskosten oder Maschinenstunden sind begünstigt. Für den Material- und Wareneinsatz gibt es keine Steueranrechnung.

Beispiel: Sie stellen an einen Kunden die folgende Rechnung. In welcher Höhe kommt eine Steueranrechnung für Handwerkerleistungen in Frage?

Auszug aus der Handwerkerrechnung

3,5 Handwerkerstunden 161,00 Euro
3,5 Helferstunden 146,30 Euro
1 Maschinenstunde 30,00 Euro
Farbe für Fassade 200,00 Euro
Dämmmaterial 470,00 Euro  
Nettosumme 1.007,30 Euro
Umsatzsteuer 19% 191,38 Euro
Bruttorechnungsbetrag 1.198,68 Euro

Ermittlung der Steueranrechnung

Handwerkerstunden 161,00 Euro
Helferstunden 146,30 Euro
Maschinenstunden 30,00 Euro
Zwischensumme 337,30 Euro
19% Umsatzsteuer 64,08 Euro
Begünstigte Handwerkerleistungen 401,38 Euro
Steueranrechnung 80,27 Euro

Welche Mindestvoraussetzungen sind beim Handwerker-Bonus zu beachten?

Die Steueranrechnung hängt insbesondere von folgenden Voraussetzungen ab:

  • Der Kunde muss eine Rechnung bekommen.
  • Die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden.
  • Der Kunde muss eine Einkommensteuererklärung für das Jahr der Zahlung der Handwerkerleistungen beim Finanzamt einreichen.
  • Es muss vor der Steueranrechnung tatsächlich eine Steuerschuld entstanden sein. Die Anrechnung kann maximal so hoch wie die ursprüngliche persönliche Steuerschuld ausfallen.
Praxis-Tipp: Mit der Einkommensteuererklärung müssen die Rechnung und der Kontoauszug nicht eingereicht werden. Nur wenn der Sachbearbeiter im Finanzamt diese Nachweise anfordert, sind sie vorzulegen.

Beispiel: Einem Kunden steht aus Handwerkerleistungen in seinem Haushalt eine Steueranrechnung von 500 Euro zu. Seine persönliche Steuerschuld vor der Anrechnung beträgt a) 1.500 Euro oder b) 300 Euro.

  Variante a Variante b
Persönliche Steuerschuld vor Anrechnung 1.500 Euro 300 Euro
Steueranrechnung -500 Euro -300 Euro
Persönliche Steuerschuld nach Anrechnung 1.000 Euro 0 Euro

Fazit: Ist die Steuerschuld vor Anrechnung niedriger als der Anrechnungsbetrag, kann es durch die Anrechnung niemals zu einer Steuererstattung kommen. Die nicht genutzte Steueranrechnung von 200 Euro ist verloren.

Was bedeutet Handwerkerleistungen "im" Haushalt?

Begünstigt sind nur Handwerkerleistungen, die "im" Haushalt erbracht werden. Nimmt e in Handwerker e in Defektes Teil mit in die Werkstatt und repariert es dort, gibt es die Steueranrechnung nur für die Arbeiten im Haushalt (Anfahrt, Kosten für Aus- und Wiedereinbau). Die Reparaturkosten, für die Arbeiten in der Werkstatt sind nicht begünstigt.

Praxis-Tipp: Bei Handwerkerleistungen, die sich innerhalb der Grundstücksgrenzen und außerhalb abspielen, gibt es die Steueranrechnung nach Ansicht der Finanzverwaltung nur für Leistungen innerhalb der Grundstücksgrenzen ( BMF, Schreiben v. 10.1.2014, Az. IV C 4-S 2296-b/07/0003:004). Ausnahme: Bei Hausanschlusskosten oder Schneeräumarbeiten außerhalb der Grundstücksgrenze liegt auch für die außerhalb der Grundstücksgrenzen verrichteten Arbeiten e in funktionaler Zusammenhang zum Haushalt vor. Die Steuerbegünstigung gibt es deshalb für die gesamten Kosten (BFH, Urteil v. 20.3.2014, Az. VI R 56/12).

Sind Kosten für Neubauten generell von der Steueranrechnung ausgeschlossen?

Zahlungen für Handwerkerleistungen im Zusammenhang mit Neubaumaßnahmen sind generell von der Steueranrechnung ausgeschlossen. Doch ke in Grundsatz ohne Ausnahme. Neubaumaßnahmen sind nur Handwerkerleistungen, die bis zur Fertigstellung einer Immobilie anfallen. Fertigstellung bedeutet so viel wie Bezugsfertigkeit.

Praxis-Tipp: Diese Definition birgt Gestaltungspotential. Erteilt der Kunde mit der Beauftragung des Dachgeschoßausbaus, des Kellers oder des Wintergartens erst nach Bezugsfertigkeit der Immobilie, liegen keine Neubaumaßnahmen vor. Es winkt eine Steueranrechnung.

Gibt es bei der Steueranrechnung Steuersparstrategien?

Neben der erwähnten Strategie zur Vermeidung von Neubaumaßnahmen, gibt es für sehr teure Handwerkerleistungen zum Jahreswechsel eine Steuerstrategie. Das funktioniert folgendermaßen: Der Kunde bezahlt die Handwerkerleistungen in zwei Raten. Eine im ersten Jahr und eine im zweiten Jahr. Dadurch erhöht sich der Anrechnungsbetrag.

Beispiel: Kunde Maier beauftragt Ende 2015 einen Handwerker mit einer Dachsanierung. Kosten 12.000 Euro. Zahlt er die Rechnung nun erst im Januar 2016 bei Endfertigstellung oder überweist er bereits im Dezember 2015 eine Anzahlung von 6.000 Euro und den Restbetrag im Januar 2016, hat das auf die Steueranrechnung folgende Auswirkung:

  Zahlung in einem Betrag im Januar 2016 Zahlung inzwei Raten (Dezember 2015 und Januar 2016)
Steueranrechnung 2014 0 Euro 1.200 Euro
Steueranrechnung 2015 1.200 Euro 1.200 Euro
Gesamte Anrechnung für die Handwerkerleistung 1.200 Euro 2.400 Euro

kös

Dieser Artikel wurde zuletzt am 18.9.2015 aktualisiert.