"Übung macht den Meister" – ein Sprichwort, das auch in der Ausbildung oft zitiert wird. Warum Übungen so wichtig sind, um Berufserfahrung zu sammeln, und wie sie effektiv gestaltet werden können, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune.

Eine frühe Erwähnung dieses Sprichworts findet sich in der Autobiografie "Henrich Stillings Wanderschaft" von Johann Heinrich Jung. Es bedeutet, dass man sich durch Übung verbessern kann. Es weist auch darauf hin, wie wichtig Ausdauer und Beharrlichkeit bei Übungen sind, wenn Lehrlinge auf diesem Weg die geforderte Berufserfahrung sammeln sollen.
Warum führt Übung zu Berufserfahrung?
Sucht man nach ähnlichen Worten zu "üben", wird schnell klar, warum Übung zum Erwerb von Berufserfahrung führt. Die betreffenden Personen werden sich mit der Zeit etwas aneignen, antrainieren, beibringen, einprägen oder eintrainieren, aber auch erarbeiten, probieren oder wiederholen.
Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz
Nach dem Berufsbildungsgesetz ist die Ausbildung der Lehrlinge das Hauptziel. Die Meisterin oder der Meister müssen dafür sorgen, dass die zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit notwendigen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden. Das geschieht in geordneten Ausbildungsgängen und auf Grundlage der Ausbildungsordnungen zu den verschiedenen Berufen. Um das Ziel der beruflichen Handlungsfähigkeit zu erreichen, haben sie auch den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrung zu ermöglichen. Welche Möglichkeit bietet sich an?
Übungen als Werkzeug in der Ausbildung
Durch die Unterweisung werden nicht nur Lernziele erreicht und damit Neues vermittelt. Auch bereits Gelerntes muss sich festigen. Damit wird nach und nach Berufserfahrung erworben. Ein geeignetes Werkzeug sind Übungen, die zu einem gewandten Vorgehen bei einer Tätigkeit führen.
Die ersten Übungen werden frühzeitig in den Verlauf der Lehrzeit eingebaut. Unter Umständen können sich die Lehrlinge selbst passende Anwendungen suchen und dann die Übertragung der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten erproben. So kann Gelerntes bei anderen Tätigkeiten angewendet werden.
Fehler vermeiden durch gezielte Anleitung
Dabei sollten die Ausbilderin oder der Ausbilder Fehler korrigieren, damit diese sich nicht einprägen. Durch Üben werden Tätigkeiten wiederholt angewendet. So wird auch aus theoretischem Wissen eine erforderliche und stabile Fertigkeit. Die Lehrlinge verinnerlichen den Stoff. Sie merken schnell, wie gut sie den Lehrstoff verstanden haben und wo sie noch mehr Übung benötigen, um Berufserfahrung zu sammeln.
Was ist noch zu beachten?
- Die Übungen werden immer an die Anforderungen der Lernziele angepasst.
- Wenn es im Lehrbetrieb mehrere Lehrlinge gibt, bleiben Übende ein Teil der Gruppe und können durch andere unterstützt werden.
- Für eine Übung wird kein gesonderter Ausbildungsplatz oder Raum benötigt.
- Für die Ausbildungsverantwortlichen bieten Übungen beste Möglichkeiten, trockene Themen durch anschauliche Beispiele verständlich zu machen.
- Manchmal sind Worte nur begrenzte Mittel. Erfahrungen durch Übungen sammeln bietet Möglichkeiten, um Erfahrungen aus dem Lernverlauf auch auf andere Fachgebiete im Betrieb zu übertragen.
- Durch Übungen ist überprüfbar, ob das Lernziel aus dem betrieblichen Ausbildungsplan vollständig erreicht wurde.
- Übungen bieten Anknüpfungspunkte für die nächsten Lernziele und können darauf vorbereiten.
Dreierlei zum Schluss
Übung ist für die Lehrlinge nicht ohne entsprechende Anstrengungen und eine gewisse Leidensfähigkeit möglich. Durch Übungen werden jedoch auch Ergebnisse für den Lehrbetrieb erzielt. Fehler werden reduziert, Prozesse effizienter und die Lehrlinge sicherer in ihrem Handeln.