Unternehmensführung -

Bei Anruf Werbung Wie man mit unerwünschten Werbeanrufen umgeht

Cold Calls sind ein Ärgernis. Sie kosten wertvolle Zeit und Nerven. Wie Unternehmen sich dagegen schützen können – und was man den ungebetenen Anrufern sagen sollte.

"Bin ich hier mit dem Chef der Firma Müller verbunden?", fragt der Anrufer – und wird die Frage bejaht, legt er los: Wahlweise soll ein Geldanlageprodukt, eine Versicherung oder auch der Eintrag in ein Branchenverzeichnis verkauft werden, und zwar sofort. Solche sogenannten Cold Calls sind ein Problem für Unternehmen wie auch Verbraucher, kosten sie doch wertvolle Zeit – und verursachen zudem Ärger, wenn man einen besonders penetranten Verkäufer an der Strippe hat. "Die Anrufer sind psychologisch geschult und versuchen mit allen rhetorischen Mitteln, das von ihnen gewünschte Ziel mit diesem Anruf zu erreichen", warnt Thomas Hollweck, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Verbraucherrecht aus Berlin. Werbebotschaften zu vermitteln, Verträge zu unterbreiten oder Adressdaten oder Bankverbindungen zu erfahren – das sind die Ziele der nervigen Anrufer.

Darf man mich anrufen?

Bevor ein Unternehmen oder ein beauftragtes Callcenter einen Verbraucher zu Werbezwecken anrufen darf, braucht es die ausdrückliche Erlaubnis dazu. Das legt das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb fest. Verstöße können laut Angaben der Bundesnetzagentur mit Bußgeldern von bis zu 300.000 Euro geahndet werden. Ist die angerufene Person allerdings ein Unternehmer, ist die Regelung weniger eindeutig: Dann gilt eine "mutmaßliche Einwilligung", erläutert Hollweck. Das bedeutet, dass der Angerufene nicht ausdrücklich seine Genehmigung für einen Werbeanruf erteilen muss. Es gilt stattdessen die Vermutung, dass der Geschäftsmann mit bestimmten Werbeanrufen von vorneherein einverstanden ist.

"Es müssen aber immer konkrete Anhaltspunkte für die vermutete Einwilligung vorhanden sein", sagt Hollweck. "Eine allgemeine Vermutung, dass der Unternehmer ein Interesse an dem Werbeanruf haben könnte, gibt es nicht." Eine solche Vermutung ist beispielsweise dann gegeben, wenn der Anrufende und der Angerufene bereits in einer Geschäftsbeziehung miteinander stehen. Daher muss jede Situation auf ihren konkreten Einzelfall hin geprüft werden, bevor weitere Schritte gegen den ungebetenen Anrufer eingeleitet werden können.

Wie kann ich mich schützen?

Wenn von keiner mutmaßliche Einwilligung ausgegangen werden kann, ist man auch als Unternehmer durchaus dazu berechtigt, den Anrufenden bei der Bundesnetzagentur anzuzeigen. „Der Anrufer trägt das Risiko, dass keine Einwilligung für den Werbeanruf vorliegt, und er ist auch in der Pflicht den Beweis zu erbringen, dass eine solche vorlag“, sagt Hollweck. Häufen sich die Fälle, wird die Bundesnetzagentur ein Bußgeld gegen das Unternehmen oder Callcenter verhängen.

Häufig reicht es aber auch schon aus, dem Anrufer mit der Anzeige bei der Bundesnetzagentur zu drohen. Die Chancen, dann aus dem Computer des Callcenters gelöscht zu werden, und zukünftig keine nervtötenden Anrufer mehr an der Strippe zu haben, sind groß. Zumal dem Anrufer auf diese Weise deutlich gemacht wird, dass er unter dieser Nummer keinen Erfolg haben wird.

Was sage ich am Telefon?

Einfach auflegen sollte man nicht, wenn man einen Cold Call entgegengenommen hat. "Tun Sie das, so werden Sie erneut angerufen", sagt Rechtsanwalt Hollweck. Denn der Callcenter-Mitarbeiter speichert die Nummer einfach ab und legt sie auf Wiedervorlage. Nach einer gewissen Zeit erscheint die Telefonnummer erneut auf seinem Bildschirm und er ruft noch einmal an. Daher ist es sinnvoller, sich auf ein kurzes Gespräch einzulassen, in dem man allerdings den aktiven Part übernimmt, so Hollweck. "Lassen Sie sich nicht von dem Anrufer in die Enge treiben, sondern seien Sie die Person, die das Gespräch führt."

Wie heißen Sie? Von wo aus rufen Sie an? In wessen Auftrag rufen Sie an? Wo ist der Sitz Ihres Callcenters und wie heißt es? Und wo haben Sie die Erlaubnis für den Anruf herbekommen? – Mit derartigen Fragen lassen sich die ungebetenen Anrufer in die Enge treiben. Rechtsanwalt Hollweck: "Auf diese Weise kann man dem Anrufenden vermitteln, dass man seine Rechte kennt und dass zu vermuten ist, dass rechtliche Schritte einleitet werden könnten."

Unerwünschte Werbung per Post

Im Gegensatz zu unerlaubten Werbeanrufen unterliegen per Post versendete Werbebriefe geringeren Anforderungsbestimmungen, um innerhalb der legalen Grenze zu bleiben. Denn der Gesetzgeber sieht die Briefwerbung als geringeres Übel als Werbeanrufe an und schützt daher die Betroffenen weitaus geringer – auch wenn die lästige Werbepost Tag für Tag den Briefkasten verstopft.

Mit einem einfachen "Bitte keine Werbung"-Aufkleber auf dem Briefkasten kann man zumindest dafür sorgen, dass Werbeprospekte, die ohne Name und Anschrift verteilt werden, nicht mehr eingeworfen werden dürfen. Gegen persönlich adressierte Werbepost hilft hingegen nur ein schriftlicher Widerspruch direkt an das Unternehmen, das die Werbung verschickt hat. Dann muss das Unternehmen die Adresse aus seiner Datenbank löschen und darf keine weiteren Werbebriefe mehr versenden.

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