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Auslandsversicherungen Geschäftsreisen ins Ausland: Wie Arbeitnehmer versichert sind

Sollen Mitarbeiter im Ausland arbeiten, müssen Arbeitgeber den Einsatz gut planen, ebenso Selbstständige. Dazu gehört auch ein ausreichender Versicherungsschutz für Angestellte. Die gesetzliche Unfallversicherung bleibt in vielen Fällen bestehen. Was Sie dabei beachten müssen.

Beschäftigte, die vom eigenen Unternehmen ins Ausland geschickt werden, sind grundsätzlich bei allen unternehmensbezogenen Tätigkeiten und allen damit zusammenhängenden Wegen gesetzlich unfallversichert. Darauf weist die gesetzliche Unfallversicherung VBG hin.

Wer beruflich bedingt in einem Katastrophen-, Krisen- oder Kriegsgebiet eingesetzt wird und deshalb besonderen Gefahren ausgesetzt ist, denen er sich nicht entziehen kann, kann darüber hinaus auch außerhalb der Arbeitszeit versichert sein.

Reise ins Ausland: So bleibt der Versicherungsschutz erhalten

Voraussetzung für den Versicherungsschutz ist neben einem bestehenden inländischen Arbeitsverhältnis, dass der Auslandsaufenthalt von vornherein zeitlich befristet ist. Dann handelt es sich um eine sogenannte Entsendung. Weitere Bedingung ist, dass der Mitarbeiter nicht ins Ausland soll, um einen anderen Mitarbeiter abzulösen, dessen befristeter Zeitraum abläuft. In der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum darf die voraussichtliche Dauer des Auslandsaufenthaltes 24 Monate nicht überschreiten. Diese Regelungen gelten auch für Selbstständige, die im Ausland einer ähnlichen Tätigkeit nachgehen wie in Deutschland.

Auch mit einigen Ländern außerhalb der EU bestehen Abkommen, die einen Versicherungsschutz durch die gesetzliche Unfallversicherung möglich machen. Reisen Mitarbeiter für einen vorübergehenden Zeitraum aus beruflichen Gründen in diese Länder, besteht der Versicherungsschutz fort. Je nach Land sehen die Abkommen einen maximalen Aufenthalt zwischen 12 und 60 Monaten vor.

Zwischenstaatliche Abkommen: So lange dürfen Sie im Ausland arbeiten

  12 Monate 24 Monate 36 Monate 60 Monate Ohne konkrete zeitliche Begrenzung Verlängerungsmöglichkeiten in Monaten Ausnahmevereinbarung möglich
EU-EWR-Mitgliedstaaten und Schweiz   X         X
               
Bosnien-Herzegowina         X   X
Brasilien   X          
Israel         X   X
Québec       X      
Kosovo         X   X
Marokko     X     36 X
Mazedonien   X         X
Montenegro         X   X
Serbien         X   X
Türkei         X   X
Tunesien X         12 X
Alle übrigen Staaten         X    

Quelle: dguv

In Ländern, mit denen kein Abkommen besteht, kann der gesetzliche Versicherungsschutz weiterhin gelten. In diesen Ländern gibt es keine feste maximale Zeitgrenze für die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland. Der berufliche Aufenthalt kann mehrere Jahre andauern, ohne dass der Versicherungsschutz verloren geht. Zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer muss allerdings vor Reiseantritt die Dauer der Auslandstätigkeit festgehalten worden sein.

Auch Mitarbeiter, die speziell für die Auslandstätigkeit eingestellt wurden, haben unter Umständen einen Anspruch auf die Unfallversicherung. Waren sie beispielsweise unmittelbar vor der Entsendung mindestens einen Monat bei einem anderen Arbeitgeber angestellt oder haben Arbeitslosengeld bezogen, besteht der gesetzliche Versicherungsschutz möglicherweise fort.

Arbeitgeber sollten vor der Abreise einige Fragen klären. Beispielsweise, ob eine ausreichende Erste Hilfe sichergestellt ist. Auch die Mitarbeiter sollten geschult werden, damit sie wissen, was bei einem Unfall zu tun ist. Zudem sollte die deutsche diplomatische Vertretung von den Arbeiten unterrichtet werden. Mit dem ausländischen Auftraggeber sollten Arbeitgeber außerdem klären, wer für notwendige Heilbehandlungskosten aufkommt.

Bescheinigungen schon bei kurzen Auslandsreisen nötig

In einigen Ländern wie Frankreich oder Österreich müssen die Beschäftigten außerdem eine Versicherungsbescheinigung mit sich führen. Innerhalb der EU ist das die Versicherungsbescheinigung A 1. Auch für andere Staaten gibt es solche Bescheinigungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse oder der gesetzlichen Rentenversicherungen ausgestellt werden.

Diese Bescheinigungen brauchen Sie im Ausland

  Versicherungsbescheinigung Anspruchsbescheinigung Gegebenenfalls spezielle Anspruchsbescheinigung der Unfallversicherung
EU-/EWR-Mitgliedstaaten sowie die Schweiz A 1 EHIC DA 1
Bosnien-Herzegowina BH-1 BH-6  
Brasilien BR/DE 101    
Israel ISR/D 101    
Québec Q 101   Q/D 123
Kosovo Ju 1 Ju 6 Ju 110 a
Marokko MA/D 101   MA/D 123
Mazedonien RM/D 101 EHIC RM/D 123
Montenegro Ju 1 Ju 6 Ju 110 a
Serbien SRB 101 DE SRB 106 DE SRB 123 DE
Türkei T/A 1 T/A 11 T/A 23
Tunesien TN/A 1 TN/A 11 TN/A 23

Quelle: dguv

Schon ab einer eintägigen Reise ins Ausland kann es nötig sein, die Bescheinigung für eine Entsendung zu beantragen. Die Bescheinigung sollte auch bei kurzen und kurzfristigen Reisen mitgeführt werden. Darauf weist Stefan Boltz, Pressesprecher der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, hin. Die Umsetzung in der Praxis sei bei kurzfristigen Auslandsaufenthalten schwierig und manchmal nicht zu gewährleisten. Möglich sei jedoch auch eine nachträgliche Beantragung, auch wenn sich ein Arbeitsunfall bereits ereignet hat.

Mit Berufsgenossenschaft Versicherungsschutz klären 

Für längere unbefristete Auslandseinsätze oder für Mitarbeiter, die ausschließlich für einen Auslandseinsatz eingestellt werden, kann eine gesonderte Auslandsunfallversicherung abgeschlossen werden. Aus diesem Grund sollten Arbeitgeber und Beschäftigte vor einem längeren beruflichen Auslandsaufenthalt direkt mit ihrer zuständigen Berufsgenossenschaft den Versicherungsschutz klären. jk

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