Die einen fliegen ans letzte Ende der Welt, um mit exotischen Fotos auf Instagram & Co. zu glänzen. Andere wie Mara, Vanessa und Julian posten Bilder vom wilden Handwerker-Leben zwischen Baustelle und Werkstatt. Die drei haben drei verschiedene Berufe, aber ein gemeinsames Ziel: Das Handwerk unter Jugendlichen beliebter zu machen.

"Das Handwerk braucht einfach mehr Anerkennung. Deswegen mache ich echten Content, der nicht gestellt ist", sagt Mara Pischl aus Nürnberg. Die gelernte Bauschreinerin hat schon während der Ausbildung damit angefangen, genauso informative wie unterhaltsame Videos ins Netz zu stellen. In einem Post erklärt Mara ihren Followern, wie Gartentore am besten montiert oder Rollogurte am einfachsten ausgetauscht werden.
Viel Humor und Selbstironie
In anderen Beiträgen nimmt die junge Bauschreinerin durchaus selbstironisch das Handwerk auf die Schippe und erstellt zum Beispiel eine persönliche Hitliste der besten Baustellensprüche wie auf Platz 1: "Wenn’s knallt – noch ein Meter." Oder auf Platz 2: "Kaffee beim Kunden? Immer blond und süß."
Überspitzung herkömmlicher Klischees
In der augenzwinkernden Überspitzung der herkömmlichen Klischees scheint überhaupt eines der Erfolgsgeheimnisse der fränkischen Handwerk-Influencer zu liegen. In einem Video zeigt Mara zum
Beispiel mit einer gehörigen Portion Selbstironie, wie sie die elegant manikürten Fingernägel als Schraubendreher und Silikonspachtel auch auf der Baustelle prima verwenden kann. Besonders den weiblichen Fans will die Influencerin damit mehr Lust auf handwerkliche Berufe machen.
Gruß vom Festival
Gegen mehr Kolleginnen im Handwerk hätte Julian Dittrich wahrscheinlich nichts einzuwenden. Der Elektrotechnikmeister aus Herzogenaurach zeigt seinen Fans im Internet am liebsten, wie ganze Festivals mit Glasfaserleitungen und Netzwerkkabeln fachmännisch versorgt oder Wechselrichter von Solaranlagen professionell getauscht werden können. Auch die Meisterfeier in der Frankenhalle hat der stolze Handwerker mit der Kamera dokumentiert. Manchmal fehle ihm zwischen der wachsenden Arbeit aber die Zeit zum Filmen, gibt der erfolgreiche Handwerker offen zu.
Dagegen versucht sich Vanessa Pfister aus Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt bewusst die Zeit zu nehmen, um im Netz vom süßen Leben als Handwerkerin zu schwärmen. Neben praktischen Tipps beispielsweise für das richtige Anbringen von großen Spiegeln im Homegym gewährt Vanessa auf ihren Kanälen den knapp 2.000 Followern auch Einblicke in den Alltag einer modernen Handwerkerin.

Blöde Kommentare
Selbst aus ihrem Herzen macht Vanessa dabei keine Mördergrube. "Bin ehrlich, habe gerade echt lange überlegt, ob ich das Bild überhaupt hochlade", hat die Glaserin unter ein Partyfoto in Discoklamotten gepostet. Mit blöden Kommentaren habe Vanessa schnell gelernt umzugehen, sagt die Glaserin selbstbewusst.
Auch Mara hat allen Grund stolz zu sein. Die Beiträge der Bauschreinerin unter Hashtags wie "Handwerk rockt" schauen sich mittlerweile über 20.000 Abonnenten regelmäßig an. Jetzt hat Mara neben Instagram & Co. unter dem Titel "Baustellen-Beichten" auch noch einen Podcast gestartet, um noch mehr junge Menschen für einen Beruf jenseits von Bürotristesse und Computerlangeweile begeistern zu können.
Hauptberuflich Handwerker
Hauptberufliche Influencer wollen alle drei aber trotzdem nicht werden. "Handwerk hat immer noch goldenen Boden – besonders wenn man die Chancen im Internet richtig nutzt", sind sich die selbstbewussten Fürsprecher der ehrlichen Handwerkskunst aus Mittelfranken sicher.
Unterstützung aus den Handwerkskammern

Die fränkischen Handwerkskammern unterstützen die Influencer nicht ohne Grund. "In unserer heutigen digitalen Welt sind Influencer-Kooperationen zu einem unverzichtbaren Instrument geworden, um authentisch und direkt mit jungen Menschen in Kontakt zu treten. Besonders in unserer Kampagne ,Macher gesucht‘ legen wir großen Wert auf Authentizität und Nahbarkeit", erklärt Sarah Becker von der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth und verweist auf das Erfolgsgeheimnis.
Echte Profils statt Schauspieler
"Unsere Handwerker-Influencer sind keine Schauspieler, sondern echte Profis im Handwerk, die ihre Leidenschaft und ihr Können tagtäglich auf ihren Social-Media-Kanälen zeigen. Sie verkörpern das moderne Handwerk und schaffen es, die Generation Z genau dort zu erreichen, wo sie sich aufhält – in den sozialen Medien. Für uns sind diese Botschafterinnen und Botschafter somit die beste Nachwuchswerbung!", freut sich Becker als Projektleiterin der erfolgreichen Nachwuchskampagne "Macher gesucht!".