Deutsches Handwerk hilft „Wie in einer anderen Zeit“

Kachelofenbauer Michael Maier aus Freiburg und seine drei Meisterkollegen berichten von ihrem Arbeitseinsatz beim Ausbau des Kinderdorfes im rumänischen Radeln. Das Ferienheim wird für traumatisierte und sozial benachteiligte Kinder errichtet. Initiator des Projektes ist die Peter Maffay Stiftung.

Jürgen Galle

Unterstützung unter Kollegen: Werner Lorenz (l.) und Max Maier (2.v.r.) unterstützen Maurermeister Peter Trescher (r.) aus Weimar bei der Arbeit an einem soliden Grill. - © privat

Wir sind wieder zurück aus einer anderen Welt.“ Michael Maier, Obermeister der Kachelofen- und Luftheizungsbauer-Innung Freiburg, ist gemeinsam mit seinen drei Meisterkollegen Ingo Riesterer, Werner Lorenz und Lothar Schwär vor kurzem aus Trans­silvanien zurückgekommen. Maier spricht aber nicht etwa über Grusel­schlösser oder untote Grafen, sondern über die Erfahrungen, die die vier Handwerksmeister bei einem zehn­tägigen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz in einem rumänischen Kinderdorf ­gemacht haben. „Man fühlt sich wie in eine andere Zeit zurückversetzt“, fügt er an.

Einfach am Stück ­durcharbeiten

Ende April sind Maier, seine drei Meisterkollegen und seine Familie in das rund 1.800 Kilometer entfernte Radeln aufgebrochen. In diesem rund 300 Einwohner zählenden Dorf in der zentralrumänischen Region Siebenbürgen hat die Peter Maffay Stiftung vor zwei Jahren ein Erholungsdorf für traumatisierte Kinder eröffnet. Dort haben die Kachelofenbauer aus Freiburg nun unbezahlt ihre Fachkenntnis und ihre Arbeitskraft eingebracht: Sie errichteten und installierten einen Kachelofen in einem ehemaligen Pfarrhaus, das nun als Gemeinschaftsraum des Kinderdorfs genutzt wird. Die von Zulieferbetrieben gespendeten und mit dem LKW angelieferten Baumaterialien verwandelten sich innerhalb weniger Tage in einen wohnlichen Kachelofen.

Bei den Handwerksmeistern kamen fast nostalgische Gefühle auf. „Wir konnten tatsächlich einfach am Stück durcharbeiten“, schmunzelt Werner Lorenz. „Als Chef im eigenen Betrieb ist so etwas normalerweise kaum mehr möglich.“ Weniger angenehm waren allerdings die Gegebenheiten im Dorf Radeln, das das Kinderdorf umgibt. „Dort fehlt es an Infrastruktur – und auch am Willen der Bevölkerung, das zu ändern“, macht Ingo Riesterer deutlich. Nach dem Mauerfall 1989 wanderten die meisten Bewohner – Angehörige der deutschsprachigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen – nach Westeuropa aus und ließen das Dorf zurück. Die heutigen Bewohner wüssten zwar die Unterkünfte zu schätzen, aber sie erhielten sie nicht. „Mit den alten Bewohnern ist hier viel Know-how verloren gegangen“, ergänzt Werner Lorenz. Es gebe keine befestigten Straßen, keine Handwerker, Landwirtschaft werde nur rudimentär betrieben, langfristige Arbeit sei kaum zu finden.

Auch hier setzt sich die Peter Maffay Stiftung ein: Die Gebäude im Dorf werden nacheinander saniert, um mit den Höfen und deren Bewohnern langsam eine neue Dorfstruktur zu schaffen. Ein erstes Zeichen konnten dabei die vier Kachelofenbauer aus Freiburg setzen: Der alte Kachelofen aus dem ehemaligen Pfarrhaus wurde von Lothar Schwär und Werner Lorenz im zukünftigen ­Gemeindesaal wieder aufgebaut und angeschlossen. Damit kommt er dem gesamten Dorf zugute. Vor Ort wurde den Handwerkern aber auch klar, dass der Wiederaufbau des Dorfes viel Zeit in Anspruch nehmen wird. „Man leistet einen kleinen Mosaikstein, aber die eigentliche Veränderung kann nur über Generationen hinweg geschehen“, sind sich die Kachelofenbauermeister sicher.

Maier und Co. unterstützen Kollegen aus Weimar

Zustande gekommen war der Arbeitseinsatz der vier Kachelofenbauermeister über die Aktion „Deutsches Handwerk hilft“ vom Verlag Holzmann Medien, zu dem auch die Deutsche Handwerks Zeitung gehört. Zahlreiche Innungen und Handwerksbetriebe haben durch diese Aktion den Bau und Ausbau des Kinderdorfes in Radeln bereits unterstützt. Die Freiburger trafen daher auch auf einen Kollegen: Maurermeister Peter Trescher aus Weimar war ebenfalls nach Rumänien gekommen und steuerte eine Natursteinmauer und einen soliden Grill für das Kinderdorf bei – tatkräftig unterstützt von Kachelofenbauer-Lehrling Max Maier und den Meistern Lorenz und Schwär.

Kommen die Freiburger noch einmal wieder? „Wir haben natürlich schon darüber nachgedacht“, sagt Maier. „Allerdings ist die Entfernung so weit, dass wir das nicht jährlich machen können.“ Schon allein aus Interesse, wie es im Dorf weitergeht, ist aber in zwei oder drei Jahren ein erneuter Besuch angedacht. „Und dann verbinden wir das natürlich auch wieder mit einem Arbeitseinsatz.“

Über „Deutsches Handwerk hilft“

Mit der Peter Maffay-Stiftung unterstützen die Deutsche Handwerks Zeitung und handwerk magazin den Bau eines Kinderferienheims in Radeln. Das Ferienheim wird für traumatisierte und sozial benachteiligte Kinder errichtet. Initiator des Projektes ist die Peter Maffay Stiftung. Bis zu zwölf Kinder mit Betreuern können dann auf einem ehemaligen Pfarrgelände neben einer Kirchenburg im rumänischen Radeln wohnen. Außerdem soll mithilfe der Stiftung die kommunale Infrastruktur des Dorfes modernisiert werden. Als Vorlage für das im Aufbau befindliche rumänische Feriendorf dient das Peter-Maffay-Ferienheim auf Mallorca.

Geldspenden bitte an die Peter Maffay Stiftung, Konto 7657030 bei der Münchner Bank (BLZ 70190000), Stichwort „Deutsches Handwerk hilft“.