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Moderne Krippenfiguren Wie Holzbildhauer Bannwarth den Durchbruch schaffte

Rudi Bannwarth ist Holzbildhauer mit Leib und Seele. Lange Zeit bestand seine holzbildhauerische Tätigkeit nur aus den beruftypischen Aufträgen. Bis er eine Idee hatte, die ihm zum Durchbruch verhalf.

Einmal aus der Haustür treten, ein paar Schritte über den Hof und schon steht Rudi Bannwarth in seiner kleinen Werkstatt. Trotz der Fenster ist es dunkel, es riecht nach Feuer, auf dem Boden liegen hunderte Holzspäne. Die Werkbänke und Wände sind gesäumt mit Werkzeugen. In Regalen und auf Fensterbänken stehen Engel, Hirtenfiguren und Masken aus Holz. An einer Werkbank ist ein Holzscheit eingespannt, das noch frische Bearbeitungsspuren aufweist. In dieser Umgebung verbringt Holzbildhauer Rudi Bannwarth viele Stunden, um Holzfiguren zu gestalten.

Weiterbildung in Fachschule für Schnitzerei

Mit 15 Jahren begann Bannwarth eine Schreinerlehre in Ettlingen, die ihm später als Basis für die Arbeit als Holzbildhauer diente. Anfang der 1990er-Jahre beschloss der 57-Jährige sich zum Holzbildhauer weiterzubilden. "Der Schreinerberuf ist mir mit der Zeit zu technisch geworden", sagt Bannwarth. Auch heute findet man in seiner Werkstatt wenig moderne Technologie. Für die Weiterbildung besuchte Bannwarth die Fachschule für Schnitzerei in Berchtesgaden. Seine Gesellenzeit verbrachte er bei Josef Fux in Oberammergau, darauf folgte die Meisterschule in Freiburg. Lange Zeit bestand Bannwarths holzbildhauerische Tätigkeit aus den berufstypischen Aufträgen. Er fertigte Holzmasken und Heiligenfiguren, die Privatleute, Kommunen und Vereine in Auftrag gaben. Viel Geld lasse sich damit nicht verdienen, so der Handwerker. "Holzbildhauer ist einfach ein Nischenberuf." Man müsse lieben, was man tut, sich allerdings auch stetig weiterentwickeln. Weil er seinen Beruf so liebt, ist es ihm wichtig, das alte, traditionsreiche Handwerk in die Gegenwart zu holen. Denn seiner Meinung nach verharren Motive und Darstellung zu sehr in der Vergangenheit.

Moderne Darstellung der Krippenszene

Aus diesem Wunsch entstand dann auch die Idee, die Bannwarth zum Durchbruch verhalf: Traditionelle Krippenfiguren modern zu interpretieren. Vor gut acht Jahren beauftragte ihn die Stadt Ettlingen und die Pfarrei Ettlingenweier damit, Krippenfiguren anzufertigen. Für den Holzbildhauer bot sich die Gelegenheit, seine Idee Wirklichkeit werden zu lassen. "Der Pfarrer gab mir einen entscheidenden Impuls, auch der Krippenumgebung einen modernen Rahmen zu verpassen", erinnert sich Bannwarth. Daraus entstand seine erste moderne Krippe "Jesus in der Tankstelle". Der Erfolg stellte sich danach schnell ein. Bannwarth hatte durch seine Idee eine Nische gefunden, sich von anderen Holzbildhauern abzuheben. Viele Museen – gerade im süddeutschen Raum – fragten an, um die "weihnachtliche" Szenerie auszustellen, Bannwarth wurde mit weiteren Krippen beauftragt.

Acht Jahre später hat er bereits vier moderne Inszenierungen gestaltet: Jesus in der Tankstelle, eine Baustellenkrippe, eine Konsum-Krippe und eine Krippenszene im Ruhrgebiet. Bei der Baustellenkrippe verwandelte Bannwarth Maria beispielsweise in eine junge, blonde Frau, die einen knielangen Jeansrock, ein weißes T-Shirt, eine rote Jacke und gelbe Gummistiefel trägt. Auf dem Arm hält sie ein Baby. Joseph stellte der Holzbildhauer als Bauarbeiter mit orangener, dreckiger Arbeitskleidung und Schutzhelm dar. Bei seiner Arbeit lässt sich Bannwarth auch von aktuellen gesellschaftlichen Themen oder Missständen inspirieren. Das ist besonders gut an seiner Konsum-Krippe zu erkennen, mit der er das Geschäft der Weihnachtszeit kritisch hinterfragt. "Ich will, dass die Krippen die Menschen anhalten lassen und sie sich damit beschäftigen", sagt Bannwarth.

Für eine Krippenfigur zwischen 50 und 70 Zentimetern ist der Holzbildhauer rund eine Woche in seiner Werkstatt beschäftigt. Mit Schürze, Kappe und Brille gekleidet, ausgestattet mit einem Klöpfel und einem großen Eisen macht sich der Handwerker an die Arbeit. Zuerst sägt er aus einem Lindenholzstamm ein passendes Stück heraus, spannt es an die Werkbank und beginnt mit den groben Arbeiten. Zwei Tage dauert es, bis er aus einem Holzscheit eine circa 70 Zentimeter große Figur ausgeschlagen hat. Vorlagen fertigt Bannwarth nur noch selten an, durch seine jahrelange Erfahrung weiß er, wie er die menschlichen Formen in das Holz schlagen muss. "Nur bei den Proportionen von Kopf zu Körper lege ich ab und zu den Maßstab an."

Besondere Bemalungstechnik

Nachdem die Form angelegt ist, geht es an die Feinarbeiten. Das Gesicht schleift Bannwarth detailliert aus. Sein Markenzeichen ist, dass die groben Werkzeugspuren und Holzmaserungen am restlichen Körper sichtbar bleiben. "Man soll erkennen, dass hinter der Arbeit ein Mensch steckt", erklärt der Holzbildhauer. Deshalb greift Bannwarth bei der Lasur auch zu Acrylfarben. Die hellen, fast schon pastelligen Töne, lassen die Bearbeitungsspuren und das Holz noch leicht durch die dünne Farbschicht scheinen. Das unterscheidet Bannwarth von traditionellen Bemalungen in der Holzbildhauerei und verleiht seinen Figuren eine moderne Erscheinung. Meistens werden in der Holzbildhauerei deckende, kräftige und glänzende Farben verwendet, die auf einem Kreidegrund aufgetragen werden. Bannwarth erklärt, dass nach dieser Methode schon vor 200 Jahren gearbeitet wurde. Auch er habe am Anfang seine Figuren so lasieren lassen, doch bald entschied er sich dagegen und beschloss, seine Kunstwerke eigenhändig mit Acrylfarben zu bemalen.

Die Arbeit an einer Krippe ist ein allmählicher Prozess, wie Bannwarth erklärt. Da er meistens Krippenfiguren auf Vorleistung anfertigt, müsse er zwischendurch auch "Brotarbeiten", wie aus Holz gefertigte Grabzeichen oder Holzmasken, erledigen. Ist eine Krippe fertig, wird sie oft in Kirchen oder Museen ausgestellt. Neben seiner handwerklichen Arbeit engagiert sich Bannwarth gemeinsam mit Holzbildhauerkollegen dafür, die Wahrnehmung des traditionsreichen Handwerks zu steigern. Dafür organisieren sie beispielsweise Ausstellungen. "Der Beruf bedeutet mir verdammt viel. Das ist mein Leben." Und diese Faszination am Holzbildhauerberuf will Bannwarth weitergeben.






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