Altersvorsorge Wie hoch wird die Rente? – Versorgungslücke im Alter ist schwer abzuschätzen

Die Altersarmut in Deutschland wächst. Anfang 2008 waren rund 390.000 Menschen über 65 auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen, 20.000 mehr als im Jahr zuvor. Eine Ursache dieser Entwicklung ist das seit Jahren kaum angehobene Rentenniveau.

Wie hoch wird die Rente? – Versorgungslücke im Alter ist schwer abzuschätzen

So stiegen die Renten zwischen 2000 und 2008 im Durchschnitt nur um gut 0,8 Prozent pro Jahr. Die Verbraucherpreise kletterten demgegenüber Jahr für Jahr um rund 1,6 Prozent.

Wer heute Beiträge zur Rentenversicherung zahlt, macht sich also nicht grundlos Sorgen um seine Altersversorgung. Auch die Deutsche Rentenversicherung betont, dass eine zusätzliche Absicherung, beispielsweise durch Einzahlung in Riester- und Betriebsrenten, wichtiger wird. So stammen nach Angaben der Versicherung derzeit rund 85 Prozent der Einkünfte von Rentnern aus der gesetzlichen Rente, langfristig dürften es nur noch 70 Prozent sein.

Begrenzte Aussagekraft

Mit welcher Rente heutige Beitragszahler rechnen können, zeigt die jährlich verschickte Renteninformation. Deren Aussagekraft ist allerdings begrenzt. Denn bei der Berechnung der Rentenanwartschaft wird davon ausgegangen, dass der Versicherte bis zum Rentenalter durch seine Beiträge ebenso viele Entgeltpunkte sammelt wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Zudem schätzt die Versicherung die Entwicklung des Rentenwerts, also die jährliche Rentenerhöhung.

Wirklich gesichert sind nur die Angaben zur vollen Erwerbsminderungsrente und zur bislang erreichten Rentenanwartschaft, da sich beide Werte aus den bereits eingezahlten Versicherungsbeiträgen ergeben. Die Rentenanwartschaft entspricht der monatlichen Bruttorente, die ein Versicherter mit 67 Jahren erhielte, wenn er ab sofort keine weiteren Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen würde und es auch keine gesetzlichen Rentenerhöhungen mehr gäbe. Eine Kürzung der Rentenanwartschaft ist ausgeschlossen.

Die meisten Versicherten stellen nach dem Blick in die Renteninformation fest, dass ihre Altersrente auch im günstigsten Fall deutlich unter ihrem aktuellen Nettoeinkommen liegen wird. Diese Differenz entspricht aber nicht zwangsläufig der häufig von Versicherungs- und Bankberatern beschworenen "Versorgungslücke". Denn die laufenden Ausgaben sind im Alter eher niedriger, beispielsweise weil Fahrtkosen zur Arbeit entfallen.

Eine neutrale Beratung zum Thema Altersvorsorge bieten beispielsweise viele Volkshochschulen im Rahmen des Projekts "Altersvorsorge macht Schule". Der 90-minütige Einstiegskurs ist kostenlos, der Intensivkurs dauert zwischen zehn und zwölf Stunden und kostet 20 Euro.

Die laufende Umstellung auf die nachgelagerte Rentenbesteuerung macht den Einstieg in die private Vorsorge übrigens leichter. Wer die Steuerbefreiung seiner Rentenversicherungsbeiträge für das Alter anlegt, sorgt vor, ohne sich heute einschränken zu müssen.

Hendrik Roggenkamp/ddp