Lustig, spannend oder informativ – es gibt viele Möglichkeiten, YouTube für sich zu nutzen. Tipps, wie Handwerkerbetriebe ganz einfach mit YouTube-Videos werben können.
Jessica Baker und Jonas Rosenberger
Als YouTube vor gut zehn Jahren an den Start ging, hätte niemand gedacht, dass sie ein solcher Erfolg wird. Doch die Plattform wuchs stetig und wächst noch immer in beeindruckendem Tempo. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie groß der Stellenwert von Onlinevideos und YouTube heute ist.
- YouTube stieg in zehn Jahren von null auf Platz drei der beliebtesten Webseiten weltweit.
- YouTube ist die zweitbeliebteste Suchmaschine nach Google.
- Eine Milliarde Menschen besuchen die Plattform monatlich.
- Pro Minute werden über 300 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen.
- 95% in der Zielgruppe von 14 und 29 Jahren sehen sich Videos online an.
Damit bietet die Plattform auch jedem Betrieb die Möglichkeit, eine riesige Zielgruppe zu erreichen. Hier das Werbevideo der Zimmerei Dittmar aus Wehrheim in Hessen:
Doch viele Firmen tun sich damit schwer, ein eigenes Video herzustellen. Auch für diese Fälle gibt es auf YouTube passenderweise Hilfe:
How-to-Videos
How-To-Videos (oder "Erklärvideo") bieten sich für viele Handwerksbetriebe an. Sie erklären zum Beispiel, wie ein Produkt funktioniert oder wie etwas hergestellt wird. Wer seinen Kunden Tipps geben möchte und sich entscheidet ein solches Video zu drehen, sollte einige Punkte beachten:
Technik
Wackelfreie Aufnahmen gelingen nur mit Stativ und sind in der Regel zu empfehlen, da sie einen professionelleren und seriöseren Eindruck vermitteln als Videoaufnahmen von Hand. Für eine optimale Tonqualität sollten Sie ein externes Mikrofon verwenden und Raumhall sowie Umgebungsgeräusche möglichst vermeiden. Leuchten Sie zudem den Drehort gut aus. Zeigen Sie die Personen eines Betriebs immer in der zu ihr passenden Umgebung (etwa in der Werkstatt) und achten Sie auch auf die berufsübliche Garderobe . Es bringt Ihnen nichts, wenn der Bäckermeister zum Interview mit Krawatte am Schreibtisch im Büro sitzt.
Szenen
Stellen Sie pro Clip ein spezielles Thema in wenigen Szenen aussagestark dar. Wenn Sie ein Interview einbauen, dann können Sie sich vor dem Dreh einige Stichpunkte notieren. Läuft jedoch die Aufnahme, sollten Sie möglichst frei sprechen. Nur so wirken Sie authentisch. Versuchen Sie laiengerecht zu erklären: Verzichten Sie auf Fachbegriffe und überflüssige Details. Denken Sie daran, dass Ihre Zuschauer womöglich fachfremd sind. Blenden Sie im Abspann unbedingt Ihren Firmenkontakt mit Adresse, Telefon- und/oder Faxnummer und Internetseite ein.
Länge
Zwei bis drei Minuten sind das Maximum . Steigen Sie direkt ein und beschränken Sie sich auf das Wichtigste – das Video soll die individuelle Beratung nicht ersetzen. Falls die drei Minuten wirklich nicht ausreichen: Teilen Sie das Thema in mehrere Videos auf.
Veröffentlichung
Nutzen Sie YouTube und die Startseite Ihrer Homepage. Ein inhaltsstarker Filmtitel erhöht die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen: Verwenden Sie etwa Begriffe, mit denen Laien dieses Thema suchen, zum Beispiel: "Dachstuhl dämmen". Auch den Namen Ihres Unternehmens können Sie hier einbauen.
Imagevideos und Werbevideos
Betriebe jeder Größe können mit ihren Werbevideos eine große Kundengruppe ansprechen. Wie ein erfolgreiches Werbevideo funktioniert, zeigte im vergangenen Jahr Edeka. Der Edeka-Spot "Supergeil" mit Friedrich Liechtenstein war 2014 der Hit aller Werbevideos auf YouTube in Deutschland. Das Video war 2014 das meistgeklickte Werbevideo auf YouTube und wurde tausendfach über Facebook und Twitter geteilt. Selbst in einige Fernsehe-Magazine schaffte es der unkonventionelle Clip, obwohl er in erster Linie nur für das Internet gedacht war. Mittlerweile hat der Clip 13 Millionen Abrufe gesammelt. Edeka hatte hier nur die Produktionskosten zu tragen, die Verbreitung und Aufmerksamkeit kamen von alleine.
Aber auch viele Handwerksbetriebe sind schon mit einem Imagefilm auf YouTube vertreten. Ein Beispiel ist die Konditorei Simon aus Passau:
Es gibt natürlich noch sehr viel mehr. Eine Suche auf YouTube lohnt sich für Sie im Vorfeld auf jeden Fall, denn von seinen Handwerkerkollegen kann man sich am besten abschauen, wie ein gutes Image- oder Werbevideo funktioniert.
Ein Imagefilm muss nicht unbedingt den gesamten Betrieb zeigen, sondern kann auch ein bestimmtes Thema umreißen. Es ist in vielen Fällen sogar besser, nicht alles in einem Film unterbringen zu wollen. Besser ist es, wenn Sie jedem Bereich ein eigenes kurzes Video widmen. Ein Beispiel sind unsere Videos aus der Reihe "Azubis machen Lust aufs Handwerk". Hier der neueste Film: Der Klavierbauer.
Videos in die Internetseite einbinden
Das Einbinden von Videos erfolgt mittels eines Codes , den es auf der entsprechenden Videoplattform gibt.
- Zuerst auf die Startseite von YouTube gehen.
- Den gewünschten Begriff in die Suchleiste schreiben und die Enter-Taste drücken.
- Das Video öffnen, um es abzuspielen.
- Unterhalb des Videos befindet sich der Punkt >> Teilen <<.Klickt man darauf, öffnet sich das Feld mit der Bezeichnung >> Einbetten <<.
- Darunter befindet sich nun der Code, mit dem man das gezeigte Video auf seiner Website einbinden kann. Der Code beginnt mit der Bezeichnung >> iframe <<.
- Alle Einstellungen so, wie es vorgegeben belassen und den Code mit der Bezeichnung iframe in die Zwischenablage des Computers kopieren.
- Den Code auf der entsprechenden Seite oder Unterseite Ihrer Webseite einfügen.
Tipps bei kleinem Budget
- das Budget sollte von Anfang an festgelegt werden. Wer eine Agentur beauftragt, muss diese zu Beginn über die finanziellen Mittel informieren.
- nicht jeder Film braucht teure technische Effekte, besondere Drehorte oder Schauspieler. Luxus und Effizienz sollten gut abgewogen werden.
- wer vergleicht , findet auch das günstigste Angebot. Im Vorfeld können unterschiedliche Agenturen befragt oder auch bei einem Kamerateam Alternativen mit weniger Drehtagen und mehr Eigenleistung eingeholt werden.
- Filmmaterial aus dem Internet hilft Geld zu sparen. Plattformen wie footage.shutterstock.com, istockphoto.com/footage oder gettyimages.de/footages bieten eine große Auswahl an professionell hergestellten Videos. Diese können den eigenen Film aufwerten.
Welche Schnittprogramme gibt es?
- Kostenpflichtige Programme: Nero Video 2014 für Windows, Adobe Premiere Elements 11 für Windows und Mac, Final Cut Pro X für Mac, Sony Vegas für Windows
- Kostenfreie Programme: Windows Live Movie Maker für Windows, Pinnacle Video Spin für Windows, Kdenlive für Linux und Mac
- Online Videobearbeitungsprogramme: File Lab Video Editor (https://www.filelab.com/de/video-editor) und Wevideo Editor (https://www.wevideo.com)
Sollten Sie Ihr Video selbst schneiden wollen, können Sie ein kostenloses Programm verwenden. Für einen einfachen Zusammenschnitt einzelner Aufnahmen reichen diese allemal aus. Allerdings empfiehlt es sich, ein Programm zu verwenden das über einen größeren Umfang an Funktionen verfügt und damit mehr Möglichkeiten bietet. Die Handhabung mancher Gratis-Programme ist in vielen Fällen leider recht mühselig und zeitaufwändig.
Welche rechtlichen Aspekte sollte man beachten?
Eine Videoproduktion birgt viele rechtliche Fallstricke. Die wichtigsten Gesetze, die beachtet werden müssen, sind das Urheberschutzgesetz, das Landesmediengesetz, das Bundesdatenschutzgesetz bzw. das Telekommunikationsgesetz.
Jede Person, die in dem Video zu sehen ist, ob absichtlich oder unabsichtlich, muss eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben, dass das Video veröffentlicht werden darf. Auch der Dreh an bestimmten öffentlichen Orten muss genehmigt werden. Hierzu zählen Einkaufszentren, Bürohäuser und Restaurants, die jeweils das Hausrecht besitzen. Oft muss auch die Stadt oder Kommune informiert werden.
Beim Copyright muss nicht nur an die Musik gedacht werden. Auch Sehenswürdigkeiten, architektonische Gebäude, Marken oder Logos darf man nicht ohne Genehmigung im Video verwenden. Manchmal genügt ein "Copyright-Zeichen", manchmal muss man das Recht auch kaufen.
Musik gibt es mittlerweile auch GEMA-frei im Internet auf den Webseiten von spezialisierten Produktionsfirmen . Wer andere Musik bezieht sollte sich über die GEMA-Gebühren (https://www.gema.de/recht-politik/gesetze/urheberrechtsgesetz.html) informieren.
