Azubi -

Ausbildungsbegleitende Hilfen Wie Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert werden

Immer mehr Geflüchtete absolvieren eine Ausbildung. Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, über die steigende Zahl von Flüchtlingen in einer Ausbildung, das Engagement des Handwerks und welche Herausforderungen weiterhin bestehen.

DHZ: Herr Terzenbach, wie hat die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt bisher geklappt?

Daniel Terzenbach: In den letzten Jahren haben wirklich viele Flüchtlinge eine Arbeit gefunden. Die Zahlen sind sogar höher, als man laut internationaler Migrationsstudie erwarten konnte. Und das, obwohl die Voraussetzungen nicht einfach waren. Denn die Sprach- und Schriftbarrieren sind durch die vielen Arabisch sprechenden Flüchtlinge hoch. Es ist schwieriger als in den Neunzigern, als Menschen aus den Balkanländern zu uns geflüchtet sind.

DHZ: Wie viele dieser Flüchtlinge absolvieren nach ihren Daten eine Ausbildung?

Terzenbach: Bei den Azubis gibt es eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Wir hatten Mitte 2019 knapp 43.000 Auszubildende aus den acht Hauptasylländern – ein Plus von 15.000 zu 2018. Ich freue mich besonders über das Engagement des Handwerks. 2019 hatten wir hier 19.000 Geflüchtete in Ausbildung. Vor allem in Handwerksbetrieben erlebe ich bei Betriebsbesuchen, wie es in der Praxis klappt, dass berufliche und gesellschaftliche Integration Hand in Hand gehen. Da zeigt der Ausbilder dem Jugendlichen nicht nur die richtigen Handgriffe oder komplizierte Sicherheitshinweise, sondern auch wo und mit wem man kicken gehen kann.

DHZ: Wie fällt Ihre Bilanz für das angelaufene Ausbildungsjahr aus? Wie hoch sind die Bewerberzahlen?

Terzenbach: Wir haben dieses Jahr über alle Branchen hinweg ähnliche Bewerberzahlen bei den jungen Flüchtlingen wie im Vorjahr – etwa 38.000. Und immerhin 35 Prozent davon haben direkt eine betriebliche Ausbildung angefangen – das ist angesichts von Sprachbarrieren und fehlenden Unterlagen zu Schulabschlüssen ziemlich bemerkenswert. Jetzt gilt es noch, das Sprachniveau zu verbessern, am besten direkt in den Integrationskursen – wir brauchen mindestens ein B1-Niveau in Schrift und Sprache.

DHZ: Was sind die größten Hürden für Geflüchtete vor und während der Ausbildung?

Terzenbach: Oft müssen wir den jungen Flüchtlingen erst das Ausbildungssystem in Deutschland erklären – und warum eine Ausbildung wichtig ist. Flüchtlinge wollen meist Geld verdienen – und ungelernt gibt es auf dem Bau mehr Geld als Azubi. Da ist viel Überzeugungsarbeit nötig. Außerdem das Dauerthema: Sprache in Wort und Schrift – ohne die klappt keine Prüfung. Und zu guter Letzt dürfen wir nicht vergessen, dass Betriebe oft einen höheren Betreuungsaufwand haben, wenn sie einen geflüchteten jungen Menschen einstellen.

DHZ: Inwiefern können Einstiegsqualifizierungen helfen? Und welches Ziel wird damit verfolgt?

Terzenbach: Eine Einstiegsqualifizierung als ein Praktikum vor der Ausbildung ist eine Brücke in die "echte" Ausbildung. Insgesamt schaffen 60 Prozent aller Teilnehmer so den Einstieg. Die Zeit dient dem Ausbau von Sprache, fachlicher Kompetenzen und dem Kennenlernen des betrieblichen Alltags.

DHZ: Wie unterstützt die Bundesagentur für Arbeit sonst noch die Integration von Geflüchteten in die duale Ausbildung? Reichen die Mittel gerade bei ausbildungsbegleitenden Hilfen und assistierter Ausbildung aus?

Terzenbach: Sowohl die ausbildungsbegleitenden Hilfen – insbesondere die Nachhilfe für die Berufsschule – als auch die assistierte Ausbildung sind mittlerweile gut etabliert. Keine sinnvolle Förderung wird an fehlendem Geld scheitern. Wir freuen uns, dass gerade die assistierte Ausbildung jetzt auch in immer mehr Betrieben bekannt ist.

DHZ: Es gibt auch Befürchtungen. Geht die Förderung von Geflüchteten zulasten schwächerer einheimischer Auszubildender?

 Terzenbach: Ganz klar: nein. Für all unsere Kunden stehen genug Fördermittel zur Verfügung – egal wo sie herkommen.

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