Gitarrenbauerin auf Wanderschaft Wie Franzi die Geheimnisse ihrer Berufskollegen ergründet

Auf Wanderschaft braucht es keinen Nachnamen: Franzi ist Gitarrenbauerin und seit 2019 unterwegs. Vor kurzem machte sie Station bei Hermann Gräfe in Lendershausen im Landkreis Haßberge. Hier stellte sie sich der Herausforderung "Sieben auf einen Streich".

Gitarrenbauerin prüft den Klang des Holzes
Den Klang des Holzes testet Gitarrenbauerin Franzi durch Klopfen über die Oberfläche. Während ihrer Walz hat sie einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt – handwerklich und persönlich. - © Nadine Heß

Hermann Gräfes Werkstatt findet man nicht an einer belebten Hauptstraße. Sie versteckt sich fast, im Hinterhof eines alten Bauerngehöfts im Ortskern von Lendershausen. Hinter dem schweren Eisentor geht es noch einmal quer über das Gelände und dann einige Stufen zu einer Holztür hinauf. Hinter ihr verbirgt sich ein kleines Refugium. Voller Holz in allen Farben und Formen, voller Werkzeuge und Klang. Es ist kein Ort, den man mal schnell auf der Durchreise besucht. Es ist ein Ort zum Ankommen.

Das strahlt auch Franzi aus, die in ihrer schwarzen Kordkluft mittendrin an einer Werkbank steht und mit prüfendem Blick Furnierstreifen für den Korpus einer Gitarre aussucht. Hier angekommen ist sie als fremde freireisende Gitarrenbauerin und einfach als Franzi, denn während der Reise hat sie ihren Nachnamen abgelegt.

Einfach Franzi

Einen Nachnamen braucht Franzi hier auch nicht. Schon gar nicht für Hermann, den Werkstattinhaber, und seinen Gesellen Ron, mit denen sie in den letzten Wochen zusammengearbeitet hat. Mit ihnen verbindet sie die Passion für individuelle Gitarren, die hier mit Liebe zum Detail handgefertigt hergestellt werden. Ich mag die familiäre Atmosphäre hier, sagt die 28-Jährige zwischen zwei Arbeitsschritten und blickt auf ihre beiden Kollegen. Hermann Gräfe, der seine Werkstatt bereits seit 1995 in dem kleinen Ort im Landkreis Haßberge betreibt, hat sie gerne willkommen geheißen. Sie ist die erste Wandergesellin bei mir. Ich wollte, dass sie maximal von ihrer Zeit bei uns profitiert, erzählt er.

.): Ron Zenk, Hermann Gräfe, Franzi
Familie auf Zeit (v. l.): Ron Zenk, Geselle, Hermann Gräfe, Inhaber der Gitarrenbauwerkstatt in Lendershausen bei Hofheim in Unterfranken, und Wandergesellin Franzi. Schon bald gehen alle drei wieder eigene Wege. - © Nadine Heß

Für Franzi hat er sich deshalb ein besonderes Projekt ausgedacht. Der Titel: Sieben auf einen Streich, eine Kleinserie mit sieben unterschiedlichen Gitarrenmodellen, teils aus heimischen Hölzern, teils angelehnt an die Bauweisen bekannter Instrumente. Auch an den Kursen, die er in seiner Werkstatt für interessierte Privatleute gibt, hat er die Wandergesellin teilhaben lassen. Zu erleben, wie ich Wissen weitergeben und anderen helfen kann, ihr eigenes Instrument zu bauen, war wirklich spannend, freut sie sich. Für Franzi sind das alles Erfahrungen wie ein wertvoller Schatz. Seit 2019 ist sie bereits unterwegs, hat dabei Werkstätten im gesamten deutschsprachigen Raum erkundet. Jede ist anders, denn jeder Gitarrenbauer geht seine Aufgaben anders an, kann sie berichten. Und so hat Franzi auf ihrer Walz inzwischen zahlreiche Geheimnisse von Berufskollegen ergründet und ihr eigenes Profil als Gitarrenbauerin – und Handwerkerin – geschärft.

Wanderfreunde

Gewonnen hat sie auch tiefe Freundschaften. Mit Ron Zenk zum Beispiel, der noch als Geselle in der Werkstatt arbeitet, hat sie sogar eine Wohngemeinschaft gegründet – und ihn mit ihrem Reisefieber angesteckt. Auch er will als Gitarrenbauer auf Wanderschaft durch die Werkstätten ziehen, im Frühjahr soll es losgehen. Ich möchte die Freiheit erleben und Erfahrungen sammeln, menschlich wie beruflich, sagt der 22-Jährige voller Vorfreude. Wie Franzi wird er dafür an Werkstatttüren im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus klopfen.

Trotzdem ist es eine familiäre Reise, denn anders als beispielsweise im Bau- oder Nahrungsmittelhandwerk sind Gitarrenbauwerkstätten rar gesäht. Der nächste Halt ergibt sich meist durch die Weiterempfehlung einer Kollegin oder eines Kollegen. Sicher wird auch Franzi die Werkstatt von Hermann Gräfe weiterempfehlen. Denn hier war sie für drei Monate angekommen und wird es bleiben, auch wenn sie nun weiterziehen wird.