Ihr Rap-Video hat auf Instagram über 1,4 Millionen Aufrufe und 100.000 Likes gesammelt: Zimmerer Lasse und BWL-Student Sebastian zeigen, wie viral Handwerk heute gehen kann.
Mit ihrem Rap-Clip "Steine klopfen" haben Lasse Peper aus München – im Netz bekannt als "derholz.kopf" – und sein Freund Sebastian Bahnemann es geschafft, das Thema Zimmererei direkt in die Social-Media-Timelines zu katapultieren – und zwar mit einem Rap, der gleichzeitig witzig, handwerksnah und ohrwurmtauglich ist. Die Idee dazu kam von Lasse, der schon länger überlegte, einen Handwerks-Account aufzubauen. Über Wochen entstand eine lose Ideensammlung. Der entscheidende Moment kam, als Lasse vorschlug, aus dem Rap-Song "Shababs Botten" von Rapper Pashanim ein Cover namens "Steine klopfen" zu machen.
Im Video beschreibt Lasse Aspekte des Zimmereralltags: "Zimmermänner, gut gebräunt. Drehen Schrauben, keine Joints. Frist wird nicht versäumt. Und all unsere Kunden, sie freut’s."
"Zimmermann-Rap vor GTA 6"
Die Community auf Instagram liebt es – und zwar ausnahmslos. Unter dem Video stehen Kommentare wie: "Wegen dir wollen wir auf Zimmermann umschulen." Ein anderer schreibt schlicht: "Zimmermann-Rap vor GTA 6". Jemand anderes fragt direkt: "Habt ihr offene Stellen für Ausbildung?" Und sogar für Aufträge melden sich plötzlich Leute, auch wenn sie die Berufe manchmal verwechseln: "Wenn ich mal einen Schreiner brauche, seid ihr die Nummer 1 auf der Schnellwahl-Taste." Dazu ein kurzer, aber treffsicherer Kommentar: "Dickes Brett gebohrt." Selbst Pashanim, Rapper des Originals "Shababs Botten", meldete sich und fand die Zimmerer-Version richtig gut.
Lasse vorne, Sebastian am Mikro – ein Duo, das funktioniert
Lasse ist das Gesicht des Accounts "derholz.kopf", Sebastian rappt die Texte und arbeitet im Hintergrund an Videoschnitt und an der kreativen Umsetzung. Obwohl Sebastian aktuell noch bis Februar im peruanischen Lima lebt, läuft die Zusammenarbeit problemlos. Viel Material haben die beiden vorproduziert – etwa in Schweden oder während Besuchen in München – und den Rest erledigen sie digital. Die Rollenverteilung ist klar, aber gleichzeitig fließend: Lasse bringt die handwerklichen Fachbegriffe, Situationen und Ideen ein. Gemeinsam feilen sie an den Texten, während Sebastian sich ans Mikrofon setzt und das Ganze visualisiert.
Ein Projekt, das Handwerk sichtbar macht
Lasse hat selbst erfahren, dass viele junge Menschen gar nicht wissen, was ein Zimmerer macht. Auf seinem Social-Media-Account hat er kleine Umfragen gestartet und mit Jugendlichen gesprochen – mit dem Ergebnis, dass viele nicht einmal grob einschätzen können, wie der Beruf aussieht, was es mit seiner Kluft auf sich hat oder was das Handwerk überhaupt alles bereithält. Genau deswegen setzen Lasse und Sebastian auf Humor, Klartext und echte Einblicke.
BWL-Student Sebastian sagt dazu, dass es im Netz quasi keinen erfolgreichen Handwerks-Rap gibt und dass die Art, wie sie das Handwerk darstellen, noch unterrepräsentiert ist. Durch das Projekt habe sich auch seine eigene Sicht auf das Handwerk verändert. Früher habe er nicht viel Berührung mit der Branche gehabt und merke jetzt, wie sich Vorurteile aufgelöst und Sichtweisen verändert hätten. Er findet, es sei wichtig, das Thema so darzustellen, wie sie es tun – nahbar, witzig, handwerksecht – und es damit jungen Leuten näherzubringen. Lasse ergänzt, dass dieses Projekt zeige, wie cool und interessant Handwerker eigentlich sind – und dass es nicht stimmt, dass es im Handwerk nur um "Lärm und Dreck" gehe.
Warum Lasse überhaupt Zimmerer wurde
Die Begeisterung für den Zimmererberuf wurde früh geprägt, vor allem durch seine Mutter, die ihn in seiner Entscheidung unterstützt und zu einer Ausbildung im Handwerk motivierte. Lasse schätzt die Vielseitigkeit seines Berufs: Holz als Werkstoff, das Zusammenspiel verschiedener Gewerke, die Möglichkeit, Probleme lösungsorientiert zu lösen, und das sichtbare Ergebnis der Arbeit. Er sagt: "Zimmerer können ein ganzes Haus aus Holz bauen. Das kann vielleicht kein anderes Gewerk so von sich behaupten."
Ein Jahr Auslandserfahrung in Kanada habe seine Perspektive weiter geschärft. Dort erkannte er, dass deutsches Handwerk sehr geschätzt wird. Die Erfahrung zeigte ihm, dass Handwerker weltweit gebraucht werden, und bestätigte seinen Stolz auf die eigene Ausbildung.
Eine gute Beziehung zum Chef – und viel Freiraum für Kreativität
Dass das Social-Media-Projekt so laufen kann, liegt auch an der Rückendeckung seines Chefs. Lasse hat klare Absprachen: Solange die Inhalte professionell bleiben, darf er drehen. Das ermöglicht Kreativität ohne Stress. Sebastian betont zudem, wie wertvoll echte Kulissen sind – Sägewerke, Werkstätten, die klassische Zimmermannskluft. All das transportiere ein authentisches Handwerksgefühl und mache den Rap glaubwürdig.
Handwerk im Rap – und was als Nächstes kommt
Die beiden arbeiten bereits an neuen Liedern. Das Konzept bleibt: Cover bekannter Deutschrap-Songs, übertragen auf Zimmermannskunst. Sebastian erklärt, dass sich Handwerk überraschend gut in Raptexten verarbeiten lässt. Die beiden merken dabei immer wieder, wie viel Stoff der Handwerksalltag für neue Parodien bietet und wie gut die Mischung aus Humor und echtem Berufswissen funktioniert. Kürzlich haben sie einen weiteren Song veröffentlicht – eine Parodie auf "AHNMA", ein Song der Hip-Hop-Musikgruppe "Beginner". Zentrale Botschaft: Jeder macht Uni heutzutage. Wir packen Handwerk wieder auf die Karte.
