Bei der Weikl Unternehmensgruppe unterstützt ein maßgeschneiderter KI-Bot die Auszubildenden beim Berichtsheft und der Prüfungsvorbereitung. Ausbildungsleiter Martin Bielmeier programmierte den Assistenten selbst und spart dadurch "etwa die Hälfte der Vorbereitungszeit". Über das Potenzial und die Grenzen von KI in der Ausbildung.

Berichtshefte zu führen, zählt nicht zu den Lieblingsaufgaben von Auszubildenden. Zu zeitaufwendig, zu bürokratisch, und häufig gehen die Ansichten von Azubi und Ausbilder auseinander, wie ein ordentliches Berichtsheft aussehen sollte.
Die Weikl Unternehmensgruppe in Bodenmais hat hier gegengesteuert. Ein Bot leitet die Auszubildenden beim Führen des Berichtshefts an, programmiert von Ausbildungsleiter Martin Bielmeier. "Das ist weniger kompliziert, als man sich vorstellt", sagt der gelernte Elektroniker, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Beim Netzwerk Q 4.0 hatte er eine Weiterbildung belegt und in kurzer Zeit gelernt, mittels ChatGPT einen eigenen, auf das niederbayerische Unternehmen gemünzten KI-Assistenten zu erstellen.
Entlastung für Ausbilder mit KI
Ramona Schneider hat Bielmeier und andere Unternehmer in diesem Workshop betreut. "Gerade im Handwerk, wo Ausbildungsbetriebe oft wenig Zeit und Personal für pädagogische Begleitung haben, bieten solche Tools eine wertvolle Entlastung", ist sie überzeugt. Die KI-Assistenten ließen sich individuell anpassen und direkt im betrieblichen Alltag einsetzen.
Mittlerweile hat sich Bielmeiers KI-Weiterbildung vielfach bewährt. "Ich nutze das tatsächlich sowohl für mich, für die Vorbereitung als auch für meine Auszubildenden als unterstützende Maßnahme." Jeden Freitag holt der Ausbilder die Azubis in die firmeneigene Ausbildungswerkstatt, um Theorie und Praxis zu vertiefen. Pro Jahrgang betreut er zwischen drei und sechs jungen Leuten in dem 180 Mitarbeiter zählenden Betrieb.
Neue Ideen von der KI
Die KI hilft ihm, Aufgaben für die Azubis zu erstellen und sie bringt ihn immer wieder auf neue Ideen, andere Lernmethoden und Herangehensweisen. "Ich spare mir damit etwa die Hälfte der Vorbereitungszeit und qualitativ wird das Ganze sogar besser", freut sich der 30-Jährige. Die Azubis bemerkten dabei keinen Unterschied, ist seine Erfahrung. Zu seiner eigenen Überraschung hätten seine Auszubildenden privat bisher wenig Erfahrungen mit KI.
In ihrer Ausbildung nutzen sie die von Bielmeier programmierten Bots aber inzwischen konsequent. Die KI hilft ihnen, Inhalte zu wiederholen, Themen aufzubereiten und Prüfungen vorzubereiten. Dabei nimmt der Bot den jungen Leuten nicht die komplette Arbeit ab. "Beim Berichtsheft haben wir es beispielsweise so gestaltet, dass er explizit nachfragt, was an welchem Tag gemacht wurde", verdeutlicht Bielmeier.
Er merke schon, ob sich Azubis selbst Gedanken gemacht haben oder nur die Ideen von der KI übernehmen. Doch das täten nur rund zehn Prozent der Jugendlichen, der Rest nutze die KI als Unterstützung.
Bot unterstützt beim Führen des Berichtshefts und gibt Lernbegleitung
Neben den Anwendungen, wie sie Weikl nutzt, also Führen des Berichtshefts, als Lernbegleitung und zur Prüfungsvorbereitung, sieht Ramona Schlesier weitere mögliche Einsatzbereiche: Auszubildende können mithilfe der KI schwierige Kundengespräche üben und sich bei Stress oder Unsicherheiten zunächst an den KI-Assistenten wenden. "So wird Ausbildung nicht nur effizienter, sondern auch attraktiver für junge Menschen", sagt Schlesier.
Einen weiteren Vorteil sieht Bielmeier in der Ausbildung von jungen Leuten mit Flucht- oder Migrationshintergrund: "Wir haben einen Auszubildenden aus der Ukraine. Der kann seinen Text auf Ukrainisch eingeben und dann übersetzen lassen." Das helfe gerade anfangs, wenn solche Azubis die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschten.
Allerdings: Damit sie bis spätestens zu ihren Prüfungen das erforderliche Deutschniveau erreichen, gibt ihnen Bielmeier in der Weikl-Lehrlingsakademie so viel Unterstützung wie möglich – denn dann muss es ohne KI gehen.
KI-Nutzung im Handwerk
Bisher nutzt nur rund ein Drittel der Handwerksbetriebe künstliche Intelligenz, vorwiegend Sprachassistenten und Chatbots, Übersetzungssoftware sowie Bild- und Videobearbeitung. Das zeigt die repräsentative Studie "KI-Index Handwerk.NRW", für die gut 820 Handwerksbetriebe aus Nordrhein-Westfalen Auskunft zu ihren Erfahrungen mit KI gegeben haben. Bisher fehlen vielen Befragten sowohl die Informationen als auch das Personal, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die notwendige digitale Infrastruktur dagegen ist vorhanden.
Der Wunsch nach Unterstützung im Umgang mit KI ist groß. Gleichzeitig wächst die Zahl der Projekte und Bildungsangebote kontinuierlich, auf Ebene der Handwerkskammern ebenso wie außerhalb.
Das Netzwerk Q4.0 beispielsweise hat sich auf Ausbildungsthemen spezialisiert. Das Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft, der Bildungswerke der Wirtschaft und anderer Bildungsinstitutionen wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Ziel ist, Ausbildern in Zeiten der Digitalisierung moderne Fach- und Sozialkompetenzen zu vermitteln. Damit sollen sie Inhalte und Prozesse der Ausbildung in ihrem Unternehmen entsprechend den aktuellen Entwicklungen des digitalen Wandels gestalten können.
40 Prozent der Teilnehmer des vergangenen Jahres kamen aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Weitere Workshops bietet das Netzwerk Q 4.0 am 31.7. und am 17.10.