Preisbremsen für Strom und Gas, das 9-Euro-Ticket oder die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel – Maßnahmen, um die Preissteigerungen etwas abzufangen, haben den Staat bisher rund 240 Milliarden Euro gekostet. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt nun, wer davon profitiert hat.

Anhand verschiedener statistischer Auswertungen, Zahlen zu Musterhaushalten und den Preissteigerungen, die das Statistische Bundesamt monatlich meldet, haben die Wirtschaftsforscher des IW Köln ermittelt, wie sich die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Inflation bei den einzelnen Bürgern zeigen. Wie hoch waren die Belastungen tatsächlich in den Jahren 2022 und 2023 bisher – und wie wirkungsvoll die staatlichen Hilfen? Wer konnte davon wirklich profitieren? Diese und andere Fragen sowie deren Antworten hat das Institut nun anhand einer Studie beantwortet.
Maßnahmen gegen die Inflation wirken vor allem bei Geringverdienern
Als zentrale Ergebnisse melden die Wirtschaftsforscher einen Erfolg. "Insgesamt hat der Staat sein Ziel erreicht und einen Großteil der Mehrbelastungen ausgeglichen", heißt es in einer aktuellen Mitteilung zur Auswertung der Studie. Besonders Menschen mit geringem Einkommen hätten von den staatlichen Entlastungen profitiert. Aber eben nicht nur. Denn gleichzeitig meldet das IW, dass auch diejenigen von den Ausgleichsmaßnahmen profitiert hätten, die nicht wirklich Hilfe gebraucht hätten. Das seien etwa Singles gewesen mit einem überdurchschnittlichen Jahreseinkommen von 75.000 Euro. Das IW fordert den Staat deshalb auf, derartige Maßnahmen noch zielgenauer abzustimmen.
Lücke nach den Maßnahmen gegen die Inflation bei Gutverdienern am größten
Insgesamt zeigt die Studie folgende Zahlen bzw. unterschiedliche Entlastungen:
- Bei einer vierköpfigen Familie mit einem Jahresbrutto von 40.000 Euro lagen die Belastungen durch die Preisanstiege in diesem und dem vergangenen Jahr bei einem Plus von 5.388 Euro, die sie mehr bezahlen mussten. Das war relativ zum Nettoeinkommen 7,6 Prozent mehr im Jahr 2022 und 6,8 Prozent mehr im Jahr 2023. Die Entlastungen, die sich vor allem durch die Erhöhungen des Wohngelds und des Kinderzuschlags zeigten, lagen zusammengenommen bei 3.155 Euro für die betreffende Familie.
- Etwas weniger konnten kinderlose Normalverdiener von den staatlichen Hilfen profitieren. Laut IW Köln zahlte ein Single mit einem Einkommen von 45.000 Euro durch die Preisanstiege 2022 und 2023 insgesamt 3.360 Euro mehr. Die Belastungen liegen relativ zum Nettoeinkommen bei 6,2 Prozent und 5,4 Prozent in den beiden Jahren. Vom Staat gab es 808 Euro Entlastungen.
Die Berechnungen zeigen, dass bei den Familien mit einem geringen Einkommen nach den Entlastungen eine Lücke von 2.233Euro bleibt. Diese Preissteigerungen bleiben also dennoch spürbar. Bei den Singles ist es eine Lücke von 2.552Euro. Die größte Lücke bleibt bei Gutverdienern: Bei Singles mit einem Einkommen von 75.000 Euro bleibt nach staatlicher Entlastung eine Lücke von 2.861 Euro. Bei Familien mit 120.000 Euro Jahreseinkommen bleibt eine Lücke von rund 6.000 Euro.
Des Weiteren weist das IW auf die steuerfreie Einmalzahlung von 3.000 Euro, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zugutekommen lassen konnten. Nimmt man diese in den Berechnungen hinzu, zeigen sich weitere Entlastungen deutlich bzw. der positive Effekt, den diese Leitung gehabt hat.