Zeichner Ralf Böhme gewinnt einen Karikaturenwettbewerb zum Thema Handwerk und KI. Eine Auswahl der weiteren Einreichungen in der Bildergalerie.

Wenn ein Handwerker sich auf den Daumen haut und die Smartwatch trocken kommentiert: "Sie haben Ihr Ziel verfehlt!" – dann ist das nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch preisverdächtig. Mit genau dieser Karikatur hat Ralf Böhme, besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Rabe", den ersten Platz beim bundesweiten Karikaturenwettbewerb "Das ist der Hammer! Handwerk trifft KI" gewonnen.
Die Handwerkskammer Dresden und die Galerie Komische Meister Dresden hatten zu dem Wettbewerb aufgerufen, der sich mit der Frage beschäftigt: Was passiert, wenn traditionelles Handwerk auf moderne Künstliche Intelligenz trifft? Die Resonanz war beachtlich: Rund 400 Karikaturen von 60 Künstlern aus ganz Deutschland wurden eingereicht.
Von Roboter-Gesellen und digitalen Hammern
"Künstliche Intelligenz ist längst im Handwerk angekommen. Ob durch KI-gestützte Chatbots, die Kundenanfragen automatisiert beantworten, oder durch KI-Tools, die die Projektplanung optimieren – die Technologie bietet eine enorme Effizienzsteigerung und entlastet bei Routineaufgaben. Die KI wird quasi zu einem weiteren Werkzeug", sagte Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, bei der Eröffnung der Karikaturenausstellung in Dresden.
Steffen Range, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung und Jurymitglied, lobte die gestalterische Qualität der siegreichen Einreichung: "Rabe zeigt in seiner Karikatur die Absurdität übertriebener Technologieeinsätze. Der Zeichenstil ist simpel, aber effektiv. Die klare Linienführung und die minimalistische Farbgebung lenken den Fokus auf die Handlung. Humorvoll, gekonnt gezeichnet mit einer klaren, verständlichen Botschaft."
Galerist Mario Süßenguth, der gemeinsam mit Peter Ufer die Galerie Komische Meister Dresden betreibt, hatte bei der Ausschreibung des Wettbewerbs gefragt: "Was passiert mit Hammer, Säge und Maurerkelle, wenn Künstliche Intelligenz ins Spiel kommt?" Sein Kollege Ufer ergänzte: "Wird der eifrige Geselle durch einen Roboter ersetzt? Oder ist die künstliche Intelligenz vielleicht auch nur ein schlauer Geselle des Handwerksmeisters und löst das Nachwuchsproblem?"
Ein Rabe mit scharfem Blick
Der 68-jährige Preisträger aus Bad Liebenstein in Thüringen hat in seiner langen Karriere rund 40.000 Zeichnungen erschaffen. Seit 1990 zeichnet er täglich Karikaturen für die Südthüringer Zeitung und seit 20 Jahren monatlich für das Feuerwehr-Magazin.
"Die Idee für das Motiv kam mir ganz spontan", erklärt Böhme zu seiner Siegerkarikatur. "Smartwatches sind gefühlt bei jeder Aktivität im Einsatz, zudem sollte man sich nicht immer auf die KI verlassen."
Seine Karriere begann bereits in der Schule, inspiriert von den Digedags aus den Mosaik-Heften – zum Leidwesen seiner Lehrer, deren Schulhefte er mit eigenen Figuren bevölkerte. Heute kombiniert Rabe klassische Zeichentechniken mit digitalen Werkzeugen und sitzt an einem Schreibtisch, der wie ein "Beatles-Schrein" gestaltet ist – der Künstler verehrt die Band seit seiner Jugend.
Drei Preisträger
Die drei besten Karikaturen wurden im Rahmen der Eröffnung mit einem Preisgeld von insgesamt 3.000 Euro gewürdigt. Neben Ralf Böhme wurden Bernd Eisert aus Dornstadt (zweiter Platz) und Michael Holtschulte aus Essen (dritter Platz) ausgezeichnet. Besucher haben über den gesamten Ausstellungszeitraum die Möglichkeit, für ihre Lieblingskarikatur abzustimmen – der Publikumssieger wird Mitte Dezember verkündet.
Rabe hat mit seiner "Hammer-App" jedenfalls ins Schwarze getroffen – oder sollte man sagen: Diesmal nicht auf den Daumen. dhz