Nach seinem Aufenthalt in Kabul ist Bundesaußenminister Guido Westerwelle weiter nach Nordafghanistan gereist. Anlass des Blitzbesuchs am Freitag war die anstehende Übergabe der Stadt Masar-i-Scharif in die Obhut der Afghanen. Ab Samstag werden die regionalen Behörden selbst für die Sicherheit der Provinzhauptstadt verantwortlich sein, in deren Nähe das größte deutsche Feldlager steht.
Westerwelle in Masar-i-Scharif
Masar-i-Scharif (dapd). Nach seinem Aufenthalt in Kabul ist Bundesaußenminister Guido Westerwelle weiter nach Nordafghanistan gereist. Anlass des Blitzbesuchs am Freitag war die anstehende Übergabe der Stadt Masar-i-Scharif in die Obhut der Afghanen. Ab Samstag werden die regionalen Behörden selbst für die Sicherheit der Provinzhauptstadt verantwortlich sein, in deren Nähe das größte deutsche Feldlager steht.
Westerwelle sagte, die Übergabe der Sicherheitsverantwortung auch im deutschen Zuständigkeitsbereich in Norden mache deutlich, dass es trotz mancher Rückschläge auch Fortschritte gebe. Landesweit haben die Afghanen im Juli die Verantwortung in sieben Gebieten inne. Bis Ende 2014 sollen die Afghanen das Kommando im ganzen Land übernommen haben und die internationalen Kampftruppen abgezogen werden.
Der Minister räumte angesichts der nach wie vor unsicheren Lage ein, er spreche nicht von Sicherheit, dass alles gelingt. "Ich bin nur überzeugt davon, dass dies der beste Weg ist, den wir gehen können."
Angst vor einem Bürgerkrieg
ISAF-Sprecher Carsten Jacobson merkte am Abend zuvor in Kabul an, dass der Norden inzwischen deutlich ruhiger geworden sei. Auch im Vergleich mit anderen Landesteilen gebe es deutlich weniger gewaltsame Zwischenfälle.
Den Zeitplan für die Kommandoübergabe an die afghanischen Streitkräfte und Polizisten bezeichnete er als "realistisch". In den nächsten eineinhalb Jahren würden zwar 33.000 US-Soldaten abgezogen. Gleichzeitig würden aber 70.000 afghanische Sicherheitskräfte ausgebildet.
Dennoch sei die Angst der Afghanen vorhanden, dass das Land mit dem Abzug der internationalen Truppen wieder im Bürgerkrieg ende. Deshalb dürfe Afghanistan auch nach 2014 nicht alleine gelassen werden, warnte er.
Am Morgen wollte Westerwelle zunächst mit deutschen Soldaten zusammenkommen und später den Gouverneur der Provinz, Mohammad Atta, zum Gespräch treffen. Am Freitagabend wurde er wieder in Berlin zurückerwartet.
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