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Lehrlinge fertigen Messer bei Handwerksmeister Werkstoffprüfer lernen beim Schmied

Gunter Strauß bringt Lehrlingen bei, wie verschiedene Stahlsorten zu einem Messer geformt werden. Dabei sollen die angehenden Werkstoffprüfer etwas über Wärmebehandlung lernen.

Über die Eigenschaften von Metallen wissen die Azubis aus dem zweiten Lehrjahr am Berufsschulzentrum „Julius Weisbach“ im sächsischen Freiberg schon einiges. Wie sich Stahl bearbeiten lässt, das konnten sie jetzt in der Werkstatt von Gunter Strauß selbst ausprobieren. Unter Anleitung des erfahrenen Schmiedemeisters durften jeweils fünf Lehrlinge in zwei Durchgängen ihr eigenes Messer schmieden.

Leicht wurde es ihnen nicht gemacht. Schmiedemeister Gunter Strauß vermittelte den Jugendlichen die Technik der Herstellung eines Damastmessers, wenn auch nur in einer sehr einfachen Form. „Wir haben die Messer aus drei Lagen gefertigt, innen ein Kohlenstoffstahl für eine harte und scharfe Schneide, außen jeweils St 37, also ein gewöhnlicher Baustahl“, erklärt Gunter Strauß.

Vergüten im Elektrobackofen

Bevor die Klinge mit einem Griff aus Edelholz zum Messer montiert wurde, mussten die Lehrlinge feuerschweißen, schmieden, härten und vergüten. Dabei stand ihnen nicht nur der Rat des Meisters zur Verfügung, sondern auch das Doppelschmiedefeuer, der Lufthammer und zwei Ambosse in seiner Werkstatt. Vergütet wurde die gehärtete Klinge in einem Elektro-Backofen. „Das funktioniert hervorragend“, meint Strauß.

Die Idee für den Ausflug ins Handwerk hatte Berufsschullehrer Jens Lommatzsch. Immerhin lasse sich das Thema Wärmebehandlung kaum besser vermitteln als durch praktische Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Stahlsorten. „Außerdem motiviert ein solcher Ausflug beim Lernen“, glaubt Lommatzsch, der Schmiedemeister Strauß aus seinem Heimatort Voigtsdorf kennt, reichlich 20 Kilometer von Freiberg entfernt.

Dorfschmiede in elfter Generation

Schmiedemeister Gunter Strauß

In Voigtsdorf führt Gunter Strauß die Dorfschmiede in elfter Generation. 1715 als Huf- und Waffenschmiede gegründet, war die Schmiede immer im Familienbesitz, berichtet Strauß. Er selbst hat sie 1976 von seinem Vater Gotthold übernommen und zwei Jahre später seinen Meisterbrief gemacht.

Mit Messer aus Damaszenerstahl beschäftigt sich Strauß nur aus Liebhaberei. Sein Geld verdient er mit klassischem Metallbau, verarbeitet Aluminium und Edelstahl zu Treppen und Geländern. Auch einige Industriebetriebe der Region gehören zu seinem Kundenkreis.

Die Arbeit mit den angehenden Werkstoffprüfern, die ihr späteres Berufsleben hauptsächlich im Labor verbringen werden, hat dem Schmiedemeister genauso viel Spaß gemacht wie den Jugendlichen selbst. Schließlich glüht der 62-Jährige noch immer für seinen Beruf. „Ich gehe jeden Tag mit Leidenschaft in die Werkstatt. Deshalb mag ich meinen Sohn auch nicht drängen, um die lange Tradition dieser Schmiede fortzuführen“, sagt Strauß. Aber es beruhigt ihn doch, dass Sohn Florian seinen Meisterbrief schon in der Tasche hat, auch wenn er momentan noch nicht in der väterlichen Schmiede am Feuer steht.

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