Aktienmarkt Wer von der Börsenkrise profitiert

Die Talfahrt an den weltweiten Börsen beunruhigt die Anleger. Der DAX fiel am Montag zeitweise auf ein Elf-Monats-Tief. Die Märkte reagieren nach den Verlusten aus der Vorwoche nervös.

Wer von der Börsenkrise profitiert

Für einige Experten war dies keine Überraschung. "Der Entzug der US-Top-Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor's kann kein Auslöser einer neuerlichen Panik sein", sagte Joachim Goldberg, geschäftsführender Gesellschafter des Frankfurter Analysehauses Cognitrend, der Nachrichtenagentur dapd.

Die Drohung habe seit Wochen im Raum gestanden. Als psychologisch klug gewählt bezeichnete Goldberg zudem den Zeitpunkt der Herabstufung. Durch die Bekanntgabe am Freitag nach US-Börsenschluss hätten die Investoren am Wochenende Zeit gehabt, sich die Gründe für die jüngste Talfahrt durch den Kopf gehen zu lassen.

Zur Beruhigung der Anleger trugen in der börsenfreien Zeit auch die Interventionen der G-7-Staaten und der Europäischen Zentralbank (EZB) bei. Doch aus Sicht der Aktienmärkte hätte es dazu gar nicht kommen müssen. Kernprobleme wie die ungelöste Euro-Krise und der zähe US-Schuldenstreit schwelen seit Wochen. Ein Kursknick sei daher erwartbar gewesen, eine Panik hätte es aber in der Vorwoche nicht geben dürfen, sagte Goldberg weiter.

Absturz-Angst noch nicht vorüber

Billionen Euro wurden in den vergangenen Tagen verbrannt - und wo Verlierer sind, da gibt es auch immer Gewinner. Doch Profiteure der jüngsten Turbulenzen konnte Goldberg nicht ausmachen - auch nicht die zuletzt häufig als Brandstifter gescholtenen Spekulanten, die auf sinkende Kurse wetten. "Was die Menschen verunsichert, sind die großen Volumina, die der Markt im August hereinbekommen hat."

Möglicherweise habe zu Beginn der vergangenen Woche wegen des in seinen Augen günstigen US-Schuldenkompromisses lediglich ein großer Fonds oder ein anderer mächtiger Marktteilnehmer seine Positionen abbauen wollen und Papiere im großen Stil verkauft, schreibt Goldberg in seinem Blog www.blognition.de.

Dieser Schritt habe dann wegen seines großen Volumens einen Dominoeffekt quer durch alle Anlageklassen ausgelöst und zu massenhaften Verkäufen geführt. "Wenn sich einer der Großen rührt, dann folgt meist eine Kettenreaktion."

An einen simplen Dominoeffekt mag der Kommunikationsleiter des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) nicht glauben. Die Welt stehe im Vergleich zu anderen Krisen der letzten Dekaden vor grundlegenderen Problemen, sagte Rolf Drees.

Die Wurzeln seien die in den vergangenen Jahrzehnten angehäuften Staatsschulden und die extremen volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte. Diese Probleme könnten nur mit langfristig wirkenden Veränderungen gelöst werden. Wann die Kurse an den Börsen wieder nach oben gehen werden, lasse sich erfahrungsgemäß nicht präzise vorhersagen. "An der Börse wird weder zum Einstieg noch zum Ausstieg geklingelt."

dapd