Viele Menschen klagen über Rückenschmerzen. Schuld kann auch das Autofahren sein. Doch wer aufmerksam ist, kann vorbeugen
Von Sabine Hildebrandt-Woeckel

Wer richtig sitzt, bleibt länger gesund
Kennen Sie die Feinheiten Ihres Autositzes? Vermutlich nicht. Wer heute ein Auto kauft, befasst sich in erster Linie mit Motorstärke, Benzinverbrauch und vielleicht noch mit Umweltfreundlichkeit. Welche Qualitäten der Sitz hat, ist dagegen zumeist Nebensache. Viele Autofahrer wissen nicht einmal genau, welches Fabrikat sie überhaupt im Auto haben und wo beziehungsweise wie sich der Sitz im Detail verstellen lässt.
Dabei ist gerade der Sitz oder noch genauer das Sitzen im Auto von entscheidender Bedeutung. Wer hier nachlässig ist, muss mit gravierenden Gesundheitsschäden rechnen. Autofahren gilt als einer der Hauptverursacher nachhaltiger Rückenprobleme. Ebenso können chronische Kopfschmerzen oder Durchblutungsstörungen entstehen. Und schlimmer noch: Eine falsche Haltung erhöht auch das Sicherheitsrisiko. „Denn nur wer richtig sitzt, kann im Ernstfall optimal reagieren“, betont Frank Volk vom TÜV Süd. Der TÜV Süd befasst sich seit Langem mit der Problematik und führt auch immer wieder Beratungen zum Thema durch.
Schon die Autohersteller richten nach Meinung der Experten nicht genügend Augenmerk auf die optimale Sitzhaltung. Vor allem, dass die Menschen älter werden und mehr Zeit im Auto verbringen als früher, kommt bei vielen erst langsam an. Immerhin: Es findet ein Umdenken statt. Inzwischen weiß man, dass nicht nur der Sitz selbst, sondern auch die Schwingungen des Fahrens Schäden verursachen. Die Hersteller versuchen daher, Sitze zu entwickeln, die diese Schwingungen dämpfen, beispielsweise durch spezielle Federmatten oder Schaumstoffe - vieles ist jedoch noch in der Testphase.
Bislang haben erst Opel und Mercedes Sitze im Sortiment, die mit dem Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) ausgezeichnet sind. BMW ist gerade dabei, einen Prototypen zu entwickeln, der sich genau an die individuelle Anatomie eines Fahrers anpasst.
Allerdings: Auch der beste Sitz nützt nichts, wenn er nicht richtig bedient wird. „Und dies ist leider weit häufiger der Fall, als man glauben sollte“, erläutert Nicole Battenfeld von der Techniker Krankenkasse (TK). Gemeinsam mit dem TÜV organisierte die TK in Baden-Württemberg eine Beratungsaktion, an der 500 Autofahrer teilnahmen. Mit fatalem Ergebnis: „Drei von vier Autofahrern sitzen falsch.“ Männer zumeist zu weit hinten, Frauen dagegen oft zu weit vorne.
Kopfstütze und Sitz bei jedem Fahrerwechsel neu einstellen
Dabei ist es gar nicht so schwer, die richtige Sitzhaltung zu finden, wie Sabine Götz vom AvD (Automobilclub von Deutschland) betont. Entscheidend ist, den Sitz und vor allem auch die Kopfstütze bei jedem Fahrerwechsel neu einzustellen. Dabei ganz wichtig: Nur wenn die Mitte der Kopfstütze auf Augenhöhe ist, schützt sie auch optimal bei einem Unfall. Für den Sitz selbst gilt: Er muss so positioniert sein, dass weder die Arme noch die Beine beim Fahren ganz durchgedrückt sind. Der Abstand zum Lenkrad beträgt idealerweise 25 bis 30 cm. Die Rückenlehne sollte so senkrecht stehen, dass Po und Schulter anliegen.
Wer dann noch regelmäßig Pausen einlegt und diese für Lockerungsübungen nutzt, „tut zumindest das“, was möglich ist, wie Expertin Götz betont. Vollkommen ausschließen lassen sich leichte Verspannungen bei langen Fahrten nicht, ernsthafte Schäden aber schon.