Meisterstücke Wenzel Düsentechnik: Düsen nach Maß und für alle Fälle

Mit Erfahrung, Schnelligkeit und Flexibilität produziert Wenzel Düsentechnik in Bad Urach-Wittlingen Düsen nach Maß. Die Sonderanfertigungen richten sich dabei ganz nach den Anforderungen der Kunden. Und auch in der Geschäftsführung geht das Unternehmerpaar moderne Wege.

Sandra und Thomas Wenzel leiten den Familienbetrieb Wenzel Düsentechnik gemeinsam. In der Geschäftsführung gehen sie moderne Wege, so haben sie beispielsweise in ihrem Betrieb erfolgreich die Vier-Tage-Woche eingeführt. - © Steffen Schanz

Kaum ein Industriezweig kommt ohne sie aus. Von der Lebensmittelproduktion, über Kosmetik und Pharma bis hin zu Bergbau und Abfallwirtschaft: Düsen sorgen dafür, dass eine Chips­tüte Volumen hat und Lippenstifte sauber auf ihrem Applikator sitzen. Dass Mineralwasser entgast und Schlachthähnchen entkeimt werden oder dass Flugzeugtoiletten vor Ablagerungen geschützt sind. Düsen reinigen Silos mit einem Durchmesser von zwölf Metern genauso wie die Eismaschine in einem Fast-Food-Restaurant.

Sie gehören zu den kleinen Teilen, die oft als letztes eingebaut werden, und können doch eine ganze Anlage lahmlegen, falls sie aus irgendeinem Grund nicht funktionieren. Wenn dann schnelle und individuelle Lösungen gebraucht werden, ist das ein Fall für Wenzel Düsentechnik in Bad Urach-Wittlingen.

Der Handwerksbetrieb ist spezialisiert auf Maßanfertigungen. "Unser Vorteil ist, dass wir aufgrund unserer branchenübergreifenden Applikationskompetenz schnell und unkompliziert Lösungen für Sprühprobleme anbieten können", sagt Geschäftsführer Thomas Wenzel. "Deshalb kommen wir oft ins Spiel, wenn Düsen in einem Prozess nicht richtig funktionieren."

Tüfteln und einfach ausprobieren

Bei einer Maßanfertigung überlegen die Spezialisten zunächst, "ob wir eine Düse auf Lager haben, von der wir glauben, dass die funktionieren könnte und wie wir die vorhandene Infrastruktur nutzen können, um den zugrunde liegenden Prozess zu realisieren." Dann beginnen Thomas Wenzel und sein Team zu tüfteln und probieren einfach aus. "Wir legen die Düsen in der Theorie in Kombination mit unserer langjährigen Erfahrung aus. Am Prüfstand zeigt sich das Ergebnis und über Versuche erhält die Düse ihren Feinschliff. Solange bis die geforderte Performance für den Prozess voll erfüllt ist", sagt der Feinwerkmechanikermeister.

So wie bei diesem aktuellen Projekt: "Im Frühjahr haben wir in Stockholm mit einer Partnerfirma, die den Versuch vor Ort begleitet hat, als europaweit Einzige an einem Brandschutzversuch für Tunnel­löschdüsen teilgenommen." Brandschutz ist neben Reinigung das zweite große Einsatzgebiet von Düsen. Die Herausforderung war, den Brandschutz in Tunneln auf Elektrofahrzeuge anzupassen, die ja aufgrund der starken thermischen Entwicklung anders gelöscht werden müssen als Verbrenner. Statt feiner Tropfen gehe man deshalb dazu über, mit viel Wasser einen Brand- oder Glutbereich abschnittsweise einzudämmen.

Diese Flachstrahldüsen aus Edelstahl werden in der industriellen Lebensmittelproduktion eingesetzt.
Diese Flachstrahldüsen aus Edelstahl werden in der industriellen Lebensmittelproduktion eingesetzt. - © Steffen Schanz

Kunde bekommt die Düse, die er benötigt

Für diesen Test entwickelte das Team einige Musterdüsen und baute mit Gerüsten einen Tunnel nach. "Wir haben bei der Stadt nachgefragt, ob wir uns zwei Löschfahrzeuge ausleihen dürfen", erzählt Wenzel, der sich wie fast alle seine Mitarbeiter bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert. Die Bitte wurde gewährt und "wir haben die zwei Löschfahrzeuge hier hingestellt, die Düsen angeschlossen und geschaut, ob es funktioniert." Nach drei Tagen war klar, dass Wenzel Düsentechnik die Lösung gefunden hatte. "Wir haben es tatsächlich geschafft, innerhalb kürzester Zeit nicht nur – wie gefordert – das Feuer einzudämmen, sondern es gleich komplett abzulöschen."

Ein unkonventioneller Weg, den Mitbewerber aus der Industrie so vermutlich nicht gehen können. "Uns ist wichtig, dass jeder Kunde immer genau die Düse bekommt, die er benötigt." Darin liege die Stärke seines Unternehmens mit zehn Mitarbeitern und einem Auszubildenden. "Natürlich gibt es eine große Breite an Standarddüsen von industriellen Herstellern, die in Fernost produzieren", sagt der 44-Jährige. "Damit brauchen wir aber gar nicht konkurrieren. Das ist nicht unser Markt."

Made in Germany

Jede einzelne Düse von Wenzel Düsentechnik wird komplett in der Werkhalle in Bad Urach-Wittlingen hergestellt – ganz "Made in Germany". Edelstahl bezieht das Unternehmen ausschließlich aus der EU. "Unsere Düsen werden auch oft in Anlagen mit kritischen Prozessen eingesetzt. Hier muss die Funktionsfähigkeit der Düsen unter jeglichen Umweltbedingungen gewährleistet sein", sagt Wenzel.

So vielfältig wie ihre Einsatzbereiche sind Düsen auch selbst. Sie unterscheiden sich zum einen in Größe, Material und Ausführung, können mit ein, zwei oder mehr Komponenten sprühen. Und zum anderen in ihrem Sprühbild: "Düsen sprühen unterschiedlich, was die Intensität, Höhe oder Weite angeht." Die Düse etwa, die Mineralwasser entgast – denn wenn es aus der Tiefe gepumpt wird, enthält es meist ungewollte Bestandteile, die erst herausgelöst werden müssen –, produziert so feine Tropfen, dass sie auch Abgase bei der Glasherstellung kühlen kann.

Wenzel Düsentechnik liefert in die ganze Welt. Selbst bei komplizierten Anforderungen gibt es aber keine Verständigungsprobleme. "Heute stellen wir Kunden natürlich individuelle 3D-Daten und Zeichnungen zur Verfügung die dann in On­line-Meetings besprochen und angepasst werden." Und so werden Düsen von der Schwäbischen Alb auch im Bergbau in Indonesien eingesetzt.

2018 übernahmen Thomas Wenzel und seine Frau Sandra das Familienunternehmen in der zweiten Generation. Der Betriebswirt im Handwerk und die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte haben viel darüber nachgedacht, wie sie das Unternehmen in die Zukunft führen möchten. Die offene Kommunikation auf Augenhöhe mit ihren Mitarbeitern liegt ihnen am Herzen.

Reinigung ist neben Brandschutz eines der Haupteinsatzgebiete von Düsentechnik. Thomas Wenzel zeigt hier eine Tankreinigungs- oder auch Silowaschdüse.
Reinigung ist neben Brandschutz eines der Haupteinsatzgebiete von Düsentechnik. Thomas Wenzel zeigt hier eine Tankreinigungs- oder auch Silowaschdüse. - © Steffen Schanz

Den Wert der Arbeit kennen

"Wir halten unsere Zahlen nicht geheim. Wir kommunizieren sie, weil wir ein Team sind und alle in einem Boot sitzen", findet Wenzel. Es sei gut, wenn Mitarbeiter den Wert ihrer Arbeit, aber auch die Kosten für Material und Werkzeug kennen und wissen, was sie mit ihrem täglichen Einsatz erwirtschaften. In regelmäßigen Besprechungen informieren sie ihr Team über die Auftragslage, laufende Projekte und Kundenfeedback.

Das sei aber keine Einbahnstraße. Auch die Mitarbeiter geben Rückmeldung, "wenn zum Beispiel bei einem neuen Produkt der Ablauf in der Fertigung nicht richtig funktioniert." So können Prozesse angepasst und optimiert, Fehler schnell behoben werden. Das sei nicht nur gut für den Betrieb, sondern eben auch für die Mitarbeiter. "Wer sich wohlfühlt, kommt gern zur Arbeit und das merkt man dann wieder bei der Effizienz", sagt Sandra Wenzel, "es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen."

Das gilt auch für die Vier-Tage-­Woche, die Wenzel Düsentechnik lange vor dem deutschlandweiten Hype eingeführt hat: 38 Stunden pro Woche bei gleichem Gehalt. "Mein Mann hatte die Idee schon länger", erzählt Sandra Wenzel, "wir haben ja auch eine Familie gegründet und es ist doch einfach toll, wenn Mama oder Papa einen Tag mehr zu Hause sein können, ohne dass es Probleme bei der Arbeit gibt."

Mit diesem freiwilligen Angebot für mehr Flexibilität hoffen die beiden, insbesondere auch für Frauen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Und apropos Geben und Nehmen: Nicht nur, dass es durch die Vier-Tage-­Woche keine Umsatzeinbußen gab, "wir haben fast keinen Krankenstand mehr."