Warten kann so schön sein: Im ungewöhnlichen Projekt Bus:Stop verschönern internationale Architekten gemeinsam mit regionalen Handwerkern im Bregenzerwald ihre „Wartehüsle“ - die Bushaltstellen der regionalen Landlinie.
Mirabell Schmidt

Ein Bushäuschen ohne Dach, ein "Haltestellenturm", ein Wartehäuschen, das aussieht wie ein gefaltetes Blatt Papier? Das ist das Ergebnis eines ungewöhnlichen Projektes im Bregenzerwald in Österreich – Bus:Stop. Internationale Architekten bauen in Zusammenarbeit mit Handwerkern aus Krumbach sieben Bushaltestellen für den Landbus. Seit dem Frühjahr laufen die Planungen, jetzt steht das erste "Wartehüsle".
Architekten aus sieben Ländern durften sich an jeweils einem Bushäuschen kreativ austoben. Sie bekamen lokale Partner – Architekten und Handwerker – zur Seite gestellt, die nun ihre Entwürfe in die Realität umsetzen. Die Idee dahinter: Verschiedene Architekturansätze mit der Vorarlberger Tradition, Baukultur und den Fertigkeiten der Handwerksbetriebe zusammenzuführen. "Architektur und Handwerk arbeiten hier auf Augenhöhe"“, sagt Schreinermeister Markus Faißt, der am jetzt fertiggestellten Wartehäuschen mitarbeitete. "Eins ist ohne das andere nicht zu denken."
Architekten besichtigten vorab die Region
Die Entwürfe für das erste Bushäuschen stammen vom chilenischen Architekten Smiljan Radic. Architekt Bernado Bader kümmerte sich vor Ort um die Umsetzung. Neben Faißt wirkten ein Glaser, ein Metallbauer und der Baumeister am Bau mit.
Bevor die Architekten ihre Entwürfe einreichten, reisten sie in den Bregenzerwald, um sich ein Bild von Landschaft und Tradition zu machen. Ihre Bezahlung: Ein einwöchiger Urlaub in der Region. Dietmar Steiner, Kurator des Projektes und Direktor des Architekturzentrums Wien, nutzte seine Kontakte, überließ es aber den Krumbachern, die Architekten zu überzeugen. "Sie haben mitgemacht, weil es ein verrücktes Projekt ist und keine Selbstdarstellung zulässt", sagt Steiner.
Bus:Stop Haltestelle Sou FujimotoRund 30 Handwerker am Projekt beteiligt
Viele der Gäste haben sich bei ihrem Entwurf für den Werkstoff Holz entschieden. Die Bushaltestelle vom spanischen Architekturbüro Ensamble Studio etwa sieht aus wie geschichtete unbehandelte Eichenbretter in Trockenlagern von Holzwerkstätten. Am ausgefallensten ist die Bushaltestelle des japanischen Architekten Sou Fujimoto. Sie besteht aus unzähligen dünnen Stahl- und Holzstangen und – für Wartende vielleicht ärgerlich – sie hat kein Dach. Dafür gibt es eine Treppe rauf in den ersten Stock.
Bis zum Frühjahr sollen alle sieben "Wartehüsle" gebaut und aufgestellt werden. Insgesamt werden wohl rund 30 Handwerker an den Bushaltestellen mitarbeiten. "Für uns sind das keine gut bezahlten Aufträge, aber alle tragen irgendwie etwas dazu bei", sagt Faißt.
Initiator des Projekts ist der Verein Kultur Krumbach. Sponsoren unterstützen den Bau der Haltestellen.
Teilnehmende Architekten
Alexander Brodsky, Russland
Jan de Vylder, Inge Vinck, Jo Taillieu (dvvt), Belgien
Anton Garcia-Abril, Débora Mesa (Ensamble Studio), Spanien
Sou Fujimoto, Japan
Wang Shu, Lu Wenju (Amateur Architecture Studio), China
Sami Rintala, Dagur Eggertsson (Rintala Eggertsson Architects), Norwegen
Smiljan Radic, Chile
