Schon mal was von Strandsegeln gehört? Ein in Deutschland eher unbekannter Sport, bei dem sich Segelmacher Sven Kraja besonders gut auskennt. Er gehört sogar zu den besten Strandseglern der Welt. Nun tritt er wieder bei der Europameisterschaft an. Welche Geschichte dahinter steckt.
Jessica Baker

Weltmeister gibt es viele. Aber wer kann schon behaupten, dass er sein Sportgerät auch noch selbst gebaut hat? Handwerker Sven Kraja aus Schleswig an der Schlei ist Weltmeister im Strandsegeln. Bei den Wettbewerben hilft ihm auch sein eigenes Segel. Denn Kraja ist Segelmacher und versorgt Wassersportfans auf der ganzen Welt mit seinen Produkten.
Angefangen hat er als Tischler in einer Werft. Heute ist er selbstständiger Segelmacher und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Schon mit 13 Jahren fing er mit dem Strandsegeln an – ein Sport, bei dem die Teilnehmer mit einem meist dreirädrigen Gefährt über den Strand fahren, wie im Segelboot, nur mit Rädern auf dem Sand. Ein wichtiger Faktor bei diesem Sport ist die Beschaffenheit des Segels. Kraja kennt sich durch seinen Beruf genau damit aus und feilt immer weiter an Material und Form des Tuches, um beim Wettkampf auch der Schnellste zu sein.
"Wir erreichen beim Strandsegeln bei perfekten Bedingungen die dreifache Windgeschwindigkeit. Bei 20 km/h Windstärke also 60 km/h auf dem Strand. Unsere Spitzengeschwindigkeiten liegen bei 120 bis 130 km/h ", erklärt Kraja.
Strandsegeln ist Schulsport in Frankreich
Bei den nationalen und internationalen Meisterschaften stellt er immer wieder unter Beweis, dass er sein Handwerk und den Sport perfekt beherrscht. In Deutschland fährt er regelmäßig Allen davon und auch international zählt er zu den besten seines Fachs. 2013 holte er sich den Weltmeistertitel in der Wettkampfklasse "mini 5.60". Und das, obwohl er nur drei bis vier Mal pro Jahr trainieren kann und Strandsegeln in Deutschland kaum finanziell unterstützt wird.
Andere Länder können viel bessere Teams aufstellen. Die größten Konkurrenten sind laut Kraja die Franzosen. "In Frankreich ist Strandsegeln sogar Schulsport und so beliebt, wie bei uns zum Beispiel Volleyball", sagt der Segelmacher, "Außerdem gibt es an vielen französischen Stränden ideale Bedingungen fürs Strandsegel: Einen großen Tidenhub – also einen großen Unterschied zwischen Ebbe und Flut – und dadurch breite und feste Strände. Die Franzosen sind daher auch viel besser. Pro Wettkampfklasse haben die etwa 100 Sportler zur Auswahl, bei uns sind es nur 20."
Mit einem Linienbus durch die USA
In diesem Jahr treffen sich die besten Strandsegler Europas wieder zur Europameisterschaft. Der Wettbewerb findet vom 10. bis 29. September in Irland und England statt. Kraja hat schon im Vorfeld einen Großteil der Geräte auf einen alten Linienbus verladen. Dieser gehört einem Freund von ihm und wurde vor Jahren von diesem zum Wohnmobil umgebaut. Nun finden 14 Segelwagen, jeweils zwischen 50 und 100 kg, 60 Segel und neun Personen darin Platz.
Der Bus ist seit 2014 sein Aushängeschild. Damals tourte er, anlässlich der Strandsegelweltmeisterschaft in Nevada, mit dem ausgefallenem Fahrzeug durch die USA. Hierdurch wurde seine Firma Frog Sails auch in Übersee bekannt. "Der Bus war eine tolle Marketingidee. Seitdem kennen uns sehr viele Wassersportler in den USA. Als wir unterwegs waren, hatten wir täglich bis zu 7.000 Besucher auf der Internetseite", sagt Kraja.
Kunden sind Wassersportfans aus der ganzen Welt
"Hey Sven, ich hätt´ gern wieder ein neues Segel." Solche Anfragen erhält der 46-Jährige Handwerker seitdem häufig, vor allem über Facebook. Nicht nur von Freizeitsportlern aus den USA, sondern auch aus Portugal, Australien oder Neuseeland. Seine Kunden sind überall dort, wo Wassersportfans zu Hause sind.
Die Aufträge bearbeitet er in seinem Betrieb in Schleswig-Holstein. Dort entwirft und fertigt er, gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Diana Wagner, neben Segeln auch Sonderwünsche, wie zum Beispiel Ladeneinrichtung. Eben alles, was aus Segelstoff hergestellt werden kann. "Die Kundenanfragen kommen in der Regel bis Ende der Saison. Von November bis Februar wird es etwas ruhiger und wir haben genug Zeit, um alle Wünsche umzusetzen." Auch wenn mittlerweile die Konkurrenz aus den Billiglohnländern steigt, sei es vielen Kunden wichtig, Produkte Made in Germany zu erwerben. "Man kann leider mit der Angabe von ein paar Maßen die Segel auch in Sri Lanka bestellen. Die sind dann in zwei Wochen da und kosten weniger als bei einem deutschen Handwerker. Dafür übernehme ich vor Ort das Ausmessen und Anpassen, und berücksichtige Sonderwünsche und individuelle Anforderungen. Außerdem bin ich bei eventuellen Problemen immer ansprechbar. Wenn nötig, Segel ich mit meinen Kunden auch einen Schlag, um die Einstellung eines neuen Segels vorzunehmen ", sagt Kraja.
Aufträge wird er aber nun im September weniger bearbeiten können. Vor der Winterpause steht für Kraja noch die Europameisterschft an. Am 6. September macht sich der Wassersportler auf den Weg nach Irland. Top motiviert. Ob diesmal wieder eine Medaille rausspringt? Kraja ist da, trotz seiner bisherigen Erfolge, eher bescheiden: "Wenn ich es diesmal unter die Top fünf schaffe, wäre das ein toller Erfolg."
