Jahrelang empfahl Architekt Hans-Ulrich Günther seinen Kunden Wärmepumpen. Jetzt hat er sein eigenes Haus umgerüstet. Die Bilanz nach einem Jahr fällt positiv aus.

Hans-Ulrich Günther ist Architekt in Ammerbuch. In den Gebäuden seiner Kunden hat er vielfach Wärmepumpen empfohlen. Im Herbst 2024 ging er das Projekt im eigenen Haus an. Zusammen mit dem Heizungsbauer Rolf Schöll von der Firma Schöll GmbH aus Tübingen ersetzte er die Gastherme durch eine Wärmepumpe. Die ersten Ergebnisse liegen vor: Günther spart rund 2.700 Euro pro Jahr bei seinen Energiekosten ein. Diese Einsparung bezieht sich auf seinen gesamten Energiebedarf – also Heizung, Haushaltsstrom und Mobilität.
Bis zu 91 Prozent Treibhausgase einsparen
Das Heizen verbraucht in Deutschland rund ein Viertel der gesamten Energie. Der Umstieg auf klimafreundliche Heiztechniken gilt als zentral für die Energiewende. Wärmepumpen können im Vergleich zur Gasheizung und je nach Szenario bis zu 91 Prozent der Treibhausgase einsparen. Das zeigt eine Studie der RWTH Aachen, die im Fachjournal Cell Reports Sustainability veröffentlicht wurde.
Für die Berechnung analysierte das Forschungsteam den kompletten Lebenszyklus der Wärmepumpe von der Herstellung bis zur Nutzung. Sogar bei einem schlecht gedämmten Haus mit dem deutschen Strommix von 2019 liegt die Kohlendioxid-Einsparung bei 48 Prozent. Mittlerweile schneiden moderne Wärmepumpen noch besser ab. Die Forschenden halten es für realistisch, dass in den kommenden 20 Jahren mehr als die Hälfte der Wohngebäude in Deutschland mit Wärmepumpen ausgestattet werden könnte.
Entscheidung nach Kostenrechnung gefallen
Günther hat sein Wohnhaus in Ammerbuch im Jahr 2000 nach klimagerechten und energiesparenden Kriterien entworfen. Es war mit einer Gastherme ausgestattet. "Mit der war ja noch alles in Ordnung, aber nachdem ich mir die Umstellung meines kompletten Energiebedarfs für Haushalt, Elektromobilität, Gebäudeheizung und -kühlung auf regenerativen Strom durchgerechnet hatte, war die Entscheidung auf Wärmepumpe umrüsten zu lassen sehr schnell gefallen", berichtet Günther. Heute setzt er auf Photovoltaik plus regenerativen Strom vom Anbieter.
Von verschiedenen Heizungsbauern im Umfeld holte er sich vier Angebote ein. Die Spanne lag zwischen 40.000 und 68.000 Euro. Er entschied sich für die Firma Schöll Heizungsbau aus Tübingen. Der Meisterbetrieb arbeitet seit der Firmengründung 1933 mit dem Großhändler Reisser in Böblingen zusammen.
Kellerraum für Technik gefunden
Auf dem Weg zur Realisierung einer neuen Heizungsanlage werden individuelle Faktoren berücksichtigt. "Nur so ergibt sich die optimale Lösung. Wir sehen uns als Anlaufstelle für effiziente Heizsysteme und lassen unsere Kunden bei der Entscheidung nicht allein. Wir unterstützen Schritt für Schritt und beraten bestmöglich auf die individuelle Wohnsituation zugeschnitten", erläutert Heizungsfachmann Rolf Schöll.
"Wir lassen unsere Kunden bei der Entscheidung nicht allein."
Heizungsbauer Rolf Schöll
Bei Günther in Ammerbuch befand sich die Gastherme in einer Dachheizzentrale, die für die Wärmepumpe zu klein war. Die erste Idee, das neue Heizsystem auf dem Dach zu installieren, wurde schnell verworfen – nicht praktikabel aus statischen und optischen Gründen. Ein Raum im Keller bot sich für die technische Ausstattung an. "Dieser Kunde ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir die Energiewende schaffen. Er hat sich nicht nur eine schöne neue Heizung einbauen lassen, sondern im gesamten Gebäude bereits rechtzeitig den Grundstein gelegt. Mit der Wärmepumpe hat er nun clevere Energieanpassungen vorgenommen", sagt Schöll.
Fachleute für den Erfolg ausschlaggebend
Dass sich Hauseigentümer an erfahrene und gut fortgebildete Heizungsspezialisten wenden, ist nicht selbstverständlich. Schöll bedauert: "Viele Leute suchen Alternativen zu den Fachmonteuren – der Markt bietet auch Installateure, die in Jogginghose daherkommen und kaum Deutsch sprechen. Wir als Fachbetrieb werden dann nach drei Jahren gerufen, um nachzubessern oder erhebliche Folgen wie zum Beispiel Wasserschäden zu beheben."
"Der Markt bietet auch Installateure, die in Jogginghose daherkommen."
Heizungsbauer Rolf Schöll
Manche Kunden denken realitätsfern und erwarten eine neue Heizung für 10.000 Euro. Diese Erfahrung machen Handwerker immer wieder. "Dabei sind die Fachleute für den Erfolg ausschlaggebend", betont Schöll.
Förderung von bis zu 70 Prozent möglich
Im Herbst 2024 wurden Kostenvoranschläge eingeholt, Planung und Details abgestimmt. Günther stellte Förderanträge bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit dem Umbauprojekt wurde begonnen. Anfang Januar 2025 konnte das neue System in Betrieb gehen.
"Ich trage einen Eigenanteil von 21.000 Euro und habe einen hohen KfW-Zuschuss erhalten, wobei ich Fördergelder in dieser Höhe für fragwürdig halte. Das ist doch wie bei der Herstellung von E-Autos: Für die Phase der Umstellung sind hohe Investitionen erforderlich, die nicht dauerhaft durch Steuergelder finanziert werden sollten", sagt Günther.
Die KfW fördert den Einbau von Wärmepumpen im Programm 458 mit bis zu 70 Prozent Zuschuss. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent für alle Eigentümer. Der Klimageschwindigkeits-Bonus addiert 20 Prozent beim Austausch einer fossilen Heizung bis Ende 2028. Der Einkommensbonus gewährt 30 Prozent zusätzlich für selbstnutzende Eigentümer mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro. Der Effizienzbonus zahlt 5 Prozent für natürliche Kältemittel oder Erdwärme-Nutzung.
Antragsprozess vereinfacht
Die Förderanträge bei der KfW hat Günther selbst gestellt. Allerdings benötigt man zwingend die Unterstützung des ausführenden Handwerkbetriebs oder eines Energieberaters. Konkret: eine Bestätigung zum Antrag (BzA) und eine Bestätigung nach Durchführung (BnD).
Dass sich viele Menschen scheuen, in den Antragsprozess einzusteigen, kann Günther nachvollziehen. Er hält die meisten Bedenken aber für unbegründet, wenn man sich einmal mit der Materie beschäftigt hat. "Den Förderantrag für meine Wallbox habe ich in fünf Minuten online auf dem KfW-Portal erledigt – Kostenvoranschlag hochladen und fertig. Die Genehmigung gab es prompt", berichtet Günther.
"Als die Anträge noch über die Bafa liefen war es anfangs schwierig und nicht gerade lustig."
Heizungsbauer Rolf Schöll
Schöll ergänzt: "Als die Anträge noch über die Bafa liefen war es anfangs schwierig und nicht gerade lustig. Das war für viele Leute sicherlich eine Hemmschwelle." Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) war bis 2024 für die Heizungsförderung zuständig. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verbessert. Die Anträge für die Fördermaßnahmen wurden vereinfacht, manches automatisiert.
Kritik an Darstellung des Heizungsgesetzes
Wie in Deutschland die Energiewende vorangebracht wird, sieht Günther kritisch. "Viele Menschen sind in Panik verfallen. Dabei war das Heizungsgesetz doch lediglich die logische Fortschreibung der EnEV. Ab 2014 wurde darin ein regenerativer Anteil am Energieverbrauch von 5 Prozent verbindlich eingeführt und dieser dann schrittweise auf zuletzt 65 Prozent erhöht. Ein Jahr zuvor wurde übrigens in Dänemark die Verwendung fossiler Brennstoffe für Heizungen verboten. Doch das Thema wurde hierzulande falsch dargestellt – nicht nur in den Medien, auch in so mancher Broschüre der Verbände wurde da laut gepoltert", kritisiert Günther.
"Viele Menschen sind in Panik verfallen."
Architekt Hans-Ulrich Günther
Tatsächlich verbot Dänemark seit Januar 2013 den Einbau von Öl- und Gasheizungen in Neubauten. Seit 2016 ist auch der Austausch alter Ölheizungen gegen neue verboten, zumindest wenn es Fernwärme oder Erdgas als Alternative gibt. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) wurde in Deutschland 2002 eingeführt und mehrfach verschärft. Sie ist 2020 im Gebäudeenergiegesetz (GEG) aufgegangen.
Lobbyinteressen erschweren Umstellung
Günther sieht Widerstand gegen die Wärmepumpe. "Die Wärmepumpe wurde und wird schlecht geredet und das bei der so oft geforderten Technologieoffenheit – wie passt das zusammen? Den Grund dafür sehe ich in erster Linie in den Lobbyinteressen der Energiewirtschaft", sagt Günther. Er nennt Beispiele: Warum darf eine Kilowattstunde Strom an Ladestationen für Elektroautos bis zu 90 Cent kosten? Wer sorgt dafür, dass die Elektromobilität nicht konkurrenzfähiger wird?
"Wir könnten schon viel weiter sein."
Architekt Hans-Ulrich Günther
Günther rechnet vor: "Es gibt 15,5 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland und jedes hat eine Steckdose. Hier kann man sein E-Auto in den meisten Fällen laden und fährt dann vier bis fünf Mal preiswerter als mit einem vergleichbaren Diesel. Wir könnten schon viel weiter sein."
Erste Wärmepumpe 2006 eingebaut
Bereits 2006 hat Günther bei einem seiner Bauvorhaben die erste Wärmepumpe eingebaut. "Anfangs war ich eher skeptisch, doch schon die erste in Betrieb gegangene Wärmepumpe überzeugte mich vollständig", erinnert sich Günther.
In seinem eigenen Haus hat er nun eine Wärmepumpe von LG mit einem Leistungsvolumen von 12 Kilowatt verbaut. Das Gerät hat sich durch den geringen Emissionswert und die hohe Geräuscharmut als beste Wahl herausgestellt. Der Heizungspuffer läuft optimal. Über das Touch Display lässt sich das Energiemanagement einfach bedienen.
Einsparung von 2.700 Euro pro Jahr
Günthers Niedrigenergiehaus mit den großen Glasfronten kommt in den Monaten zwischen März und Oktober ohne Heizung aus. Erste positive Ergebnisse bezüglich seiner Energiekosten liegen vor. Für seinen gesamten Energiebedarf hat er eine Einsparung in Höhe von 2.500 bis 2.700 Euro im Jahr berechnet – im Vergleich zu seinem früheren Energiemix.
Früher verbrauchte er 15.000 Kilowattstunden Gas pro Jahr für die Heizung, fuhr einen Diesel mit 7,8 Liter pro 100 Kilometer und verbrauchte rund 2.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr im Haushalt. Heute deckt er Heizung und Kühlung mit der Wärmepumpe, fährt 15.000 Kilometer pro Jahr elektrisch und bezieht Strom für den gesamten Haushalt aus regenerativen Quellen.
Realität statt Hype
Die technische Entwicklung hat sich weiterentwickelt. Mit der Wärmepumpentechnik steht eine sparsame Option zur Verfügung. "In der heutigen Zeit amortisiert sich eine neue energiesparende Heizung sehr schnell. Und sie ist wesentlich effizienter als bisher", sagt Heizungsbauer Schöll.
Nach Schätzungen von Fachleuten sind viele Heizungen in Deutschland veraltet. "Also muss ohnehin eine neue Heizung her – es geht um die Realität, nicht um einen Hype. Warum so viele auf die Wärmepumpe schimpfen, kann ich nicht nachvollziehen. Die Menschen sollten einsehen, dass das ein gutes System ist", sagt Schöll.
"Die Menschen sollten einsehen, dass das ein gutes System ist."
Heizungsbauer Rolf Schöll
Im Tübinger Umfeld erlebt der Heizungsfachmann unterschiedliches Kundenklientel – von konservativen Werten bis linksautonome Einstellungen. "Wir beraten und begleiten Menschen, die sich weltoffen zeigen und andere, die nicht änderungsbereit sind. Der Austausch und die Gespräche sind sehr interessant. Denn es gibt keine schlechte Meinung – nur andere Standpunkte. Als Handwerker kann ich mich darauf einlassen und versuchen, etwas zu bewegen", sagt Schöll.
Veränderungsbereitschaft gefordert
Günther sieht die Entwicklung nüchterner. "Ich bin manchmal fassungslos, wie veränderungsunwillig die Deutschen sind. Zu viele Leute sind im Kopf noch nicht bereit, haben ein hohes Beharrungsvermögen“, kritisiert Günther.
"Es wird für meinen Geschmack viel zu lange dauern."
Architekt Hans-Ulrich Günther
Ob die Wärmepumpe ihren Weg in die Haushalte finden wird? Günther prognostiziert: "Die umweltfreundliche, regenerative Energie, die E-Mobilität und die umweltfreundliche Wärmepumpe werden sich durchsetzen – aber es wird für meinen Geschmack noch viel zu lange dauern." str