BG Bau setzt auf KI-Unfallprognosen Wenn die Betriebsprüfer auf Empfehlung der KI kommen

Die Berufsgenossenschaft Bau will Künstliche Intelligenz nutzen, um Risiken in Betrieben zu erkennen. Was das für Betriebe bedeutet.

Ein verunglückter Bauarbeiter liegt am Boden, sein Kollege rennt zu ihm.
Am Bau verunglückten im 2022 Jahr fast 100.000 Menschen. ­Statistisch erlitten damit pro 1.000 Vollarbeiter 45 einen Unfall bei der Arbeit. 97 Personen verloren ihr ­Leben. - © Photographee.eu - stock-adobe.com

Wenn 400 Personen mehr als 580.000 Betriebe und 60.000 private Baustellen beaufsichtigen sollen, ist klar: Die Aufsichtspersonen müssen sehr genau wählen, welche Betriebe sie besichtigen. Künftig soll Künstliche Intelligenz diese Wahl vereinfachen.

Auf der Digitalkonferenz re:publica hat die Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) ihre Pläne präsentiert. Die KI soll die Daten aus früheren Betriebsprüfungen und das Unfallgeschehen auf Baustellen automatisiert und anonymisiert auswerten. Hierzu nutzt sie digitalisierte Informationen. Diese hat die BG im Rahmen ihres gesetzlichen Präventionsauftrags von ihren Mitgliedern erhoben.

Effizientere Aufsicht durch künstliche Intelligenz

In einem zweiten Schritt erstellt die KI Prognosen, wo mit einem Unfall zu rechnen ist. "Ziel ist es, die Aufsichtstätigkeit durch die Berufsgenossenschaft Bau noch zielgerichteter und effizienter durchzuführen und den Aufsichtspersonen eine konkrete Unterstützung bei ihrer Arbeit zu biete", sagt Michael Kirsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der BG.

Für Unternehmer werde sich durch den Einsatz der KI nichts ändern. Wenn die Aufsichtsperson aufgrund der Empfehlung der KI eine Betriebsbesichtigung plane, so würde sie dafür wie bisher auch einen Termin mit dem Unternehmer machen. Vor Ort vereinbaren dann BG-Mitarbeiter und Unternehmer Maßnahmen, um einen effektiven Arbeitsschutz sicherzustellen.

Kein Nachteil für Betriebe durch Einsatz von KI

Eine Gefahr, dass immer die gleichen Betriebe ins Visier genommen werden könnten, sieht die BG nicht. "Während des gesamten Lebenszyklus des KI-Modells, von der Konzeption über die Entwicklung bis hin zum Betrieb und Weiterentwicklung der Lösung, wird sichergestellt, dass die unterschiedlichsten Verzerrungsfaktoren – auch Bias genannt – vermieden werden", so die BG Bau. Dadurch werde sichergestellt, dass keine Gruppen diskriminiert würden.

Auch auf die Beitragshöhe werde die Prognose des KI-Systems keine Auswirkungen haben. Die Beiträge zur BG basierten vielmehr auf Faktoren wie zum Beispiel dem Bruttoarbeitsentgelt der Beschäftigten oder dem Beitragsfuß, der jedes Jahr neu festgesetzt wird.

Schwerpunkt der Besichtigungen liegt auf Kleinbetrieben

Im vergangenen Jahr haben die 400 Aufsichtspersonen der BG Bau knapp 255.000 Besichtigungen und Beratungen in Betrieben durchgeführt. Dabei lag der Anteil der Kleinbetriebe mit maximal neun Vollbeschäftigten bei über 62 Prozent.
Gefördert wird das KI-Forschungsprojekt durch die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.