Wenn der Fleischer zum Kunden kommt

Die Branche sichert bei sinkenden Umsätzen ihre Erträge und will durch mobile Verkaufsstellen verlorenes Terrain zurückerobern

Frank Muck

Wenn der Fleischer zum Kunden kommt

Trotz eines Umsatzrückgangs konnten die Fleischer-Fachgeschäfte im vergangenen Jahr ein Ertragsplus erwirtschaften. Grund für das letztlich positive Jahresergebnis waren die gesunkenen Rohstoffpreise. Nach Informationen des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) betrug der Umsatzrückgang eines durchschnittlichen Betriebs knapp ein Prozent.

Die deutlich gesunkenen Schlachtvieh- und Rohstoffpreise sorgten dafür, dass sich die Ertragssituation leicht verbesserte. Im Jahresdurchschnitt erzielte ein mittelgroßes Fachgeschäft mit der Umsatzgröße zwischen 500.000 und 750.000 Euro ein Betriebsergebnis von 13,7 Prozent. Dies entspreche einer Steigerung um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Der Materialeinsatz sank im selben Zeitraum von 45,8 auf 43,4 Prozent. Personalkosten blieben weitgehend konstant.

Große Geschäfte beim
Umsatz im Vorteil

Was die Umsätze angeht, vermittelte der DFV anlässlich der Jahrespressekonferenz ein differenziertes Bild für die unterschiedlichen Betriebsgrößen. Während kleinere Betriebe mehrheitlich Einbußen zu verkraften hatten, konnten größere Betriebe zumeist Zuwächse erzielen. Für größere Geschäfte ab Umsätzen von 750.000 Euro sei es in der Regel einfacher, andere Absatzkanäle aufzutun. Lokale Marktchancen ließen sich kurzfristig besser nutzen.

Der Verband gab aber auch Tipps, wo sich auch für kleinere Geschäfte weiteres Marktpotenzial ergebe. Der mobile Verkauf etwa verzeichne eine sehr positive Entwicklung. In Deutschland gebe es etwa 3.300 Wochenmärkte. Die Betriebe seien dort mit 5.000 Verkaufsmobilen präsent. Dort könnten Sie ihre Stärken wie Frische, Regionalität und Vielfalt ausspielen. Hinzu kommen Fahrzeuge, die im Tourendienst unterwegs seien. Dieser Markt wachse noch. Der Umsatz, der im Fleischerhandwerk mit mobilen Verkaufsstellen erzielt werde, steuere mittelfristig auf die Milliardengrenze zu. Schließlich reiße die Ausdünnung der Nahversorgung und die Verödung der Kernstädte immer größere Versorgungslücken. Von diesem Rückgang seien tendenziell kleinere Nachbarschaftsgeschäfte betroffen, während die Ansiedlung von Einkaufszentren und Discountern außerhalb der Innenstädte weiter voranschreite. Die Versorgung älterer und weniger mobiler Menschen, besonders im ländlichen Raum, sei deswegen ein wachsender Markt. Mobile Verkaufsstellen könnten diese Lücken schließen. „Hier kann das Fleischerhandwerk von Entwicklungen profitieren und Chancen nutzen, die durch den anhaltenden Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel ausgelöst werden“, sagte DFV-Präsident Manfred Rycken.

Mitarbeiterzahlen
weiterhin stabil

Dieser Konzentrationsprozess setzt sich auch bei den Fleischern fort. Der Trend gehe zu immer größeren und leistungsfähigeren Betrieben. Aus 15.770 eigenständigen Meisterbetrieben und 10.753 handwerklichen Filialen ergeben sich derzeit 26.523 Verkaufsstellen. 1.145 Betriebsgründungen stehen somit 1.601 Stilllegungen gegenüber. Allerdings sind davon nur 474 reine Neugründungen. Der Rest ergibt sich aus 671 Unternehmerwechseln bei bestehenden Betrieben. Von den 456 vollständigen Betriebsaufgaben erfolgten mehr als drei Viertel im ersten Halbjahr 2009. Diese seien jedoch nicht auf die fehlende EU-Zulassung für die neuen Hygieneregeln zurückzuführen.

Trotz der geringeren Anzahl der Betriebe halte sich der Rückgang der Beschäftigten in Grenzen. Im vergangenen Jahr sei die Anzahl der Mitarbeiter um 1.500 gefallen. Damit habe sich der Beschäftigtenrückgang weiter abgeschwächt.

Manfred Rycken sprach sich im Übrigen dagegen aus, in einen weiteren Preiswettkampf mit den Discountern zu treten, wie es zum Teil Ketten im Lebensmitteleinzelhandel machten. Er bedauerte die damit einhergehende „Verramschung“ von Lebensmitteln, der sich das Fleischerhandwerk nicht anschließe. Die Preise in der Branche seien im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent gestiegen, was deutlich über der Inflationsrate liege. Qualität und Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe gebe es eben nicht zum Dumpingpreis.