Kolumne Wenn der Aufschwung kommt: Ist Ihr Team dann noch da?

Die Politik soll es richten – doch zugleich treffen manche Handwerksbetriebe Entscheidungen, die ihnen noch teuer zu stehen kommen könnten. Wer heute den Rotstift ansetzt, sollte wissen, welche Rechnung er sich damit für morgen schreibt. Steinmetzmeisterin und DHZ-Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg stellt eine unbequeme Frage: Sparen viele Betriebe gerade an der falschen Stelle?

Werkzeug kann man jederzeit nachkaufen. Fachkräfte nicht. - © VRD - stock.adobe.com

Der aktuelle Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zeichnet ein ernüchterndes Bild. Die Investitionen sind auf einem historischen Tiefstand, die Kosten steigen und vom erhofften wirtschaftlichen Aufschwung ist in vielen Handwerksbetrieben noch nichts angekommen. Dass der ZDH deshalb Entlastungen bei Energie, Lohnzusatzkosten und Bürokratie fordert, ist absolut richtig. Allerdings fehlt mir in dieser Debatte ein ganz anderer Punkt: Was passiert eigentlich innerhalb der Betriebe, während alle auf bessere Zeiten warten? 

Gespart wird ausgerechnet an der Zukunft

Wenn das Geld knapper wird, muss gespart werden. Das weiß ich aus meiner Zeit als Handwerksunternehmerin nur zu gut. Doch ich beobachte immer wieder, dass der Rotstift ausgerechnet dort angesetzt wird, wo die Zukunft des Betriebs liegt. Die Weiterbildung wird gestrichen, der Ausbildungsplatz bleibt dieses Jahr unbesetzt und für Mitarbeitergespräche ist gerade keine Zeit. Führung und Personalentwicklung werden auf die Zeit verschoben, in der die Auftragslage hoffentlich wieder besser ist.

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Betriebswirtschaftlich mag manches davon kurzfristig nachvollziehbar sein. Langfristig aber kann genau das verdammt teuer werden. Denn was passiert, wenn der Aufschwung tatsächlich kommt? Wer arbeitet dann die zusätzlichen Aufträge ab? Der Auszubildende, den Sie heute nicht einstellen, wird es jedenfalls nicht sein. Und der Geselle, der sich in schwierigen Zeiten nicht mehr gesehen gefühlt hat und deshalb gegangen ist, kommt vermutlich auch nicht einfach zurück. 

9 Jahre ohne Stellenanzeige

Ich habe meinen eigenen Steinmetzbetrieb neun Jahre lang geführt und in dieser Zeit keine einzige Stellenanzeige geschrieben. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben unseren Betrieb weiterempfohlen und so für neue Kollegen gesorgt. Das war kein Zufall und schon gar kein Glück. Das war das Ergebnis einer Unternehmenskultur, in die ich kontinuierlich investiert habe. Natürlich kostet das Zeit, Aufmerksamkeit und manchmal auch Geld. Aber eine solche Kultur lässt sich nicht erst aufbauen, wenn die Auftragsbücher wieder voll sind.

Die Politik setzt den Rahmen, den Rest machen Sie

Ich erwarte von der Politik, dass sie endlich verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen schafft. Gleichzeitig erwarte ich von Unternehmern, dass sie ihre eigene Verantwortung nicht aus den Augen verlieren. Kein Sondervermögen der Welt ersetzt eine klare Vorstellung davon, wo der eigene Betrieb in fünf Jahren stehen soll – und mit welchem Team. Die Politik kann den Rahmen setzen. Was Sie daraus machen, liegt bei Ihnen. 

Deshalb würde ich an Ihrer Stelle gerade jetzt sehr genau hinschauen, wo Sie sparen. Denn nicht jede eingesparte Ausgabe ist am Ende eine Ersparnis. Manchmal ist sie eine Rechnung, die erst in zwei Jahren auf Ihrem Schreibtisch landet. 

Und dann könnte der Aufschwung tatsächlich da sein. Nur die Menschen, mit denen Sie ihn nutzen wollen, sind vielleicht nicht mehr da.

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.