IHM 2014: Bauhandwerk zieht Bilanz Weniger Geld für Gebäudesanierung

Deutschland muss stärker in die Verkehrsinfrastruktur und den barrierefreien Wohnungsbau investieren. Zudem bestehe ein riesiges Potenzial für mehr energetische Gebäudesanierungen. Die Bauwirtschaft zieht Bilanz und zeigt sich enttäuscht, dass der neue Haushaltsentwurf weniger Geld für Gebäudesanierungen vorsieht.

Ulrich Steudel

Statt der avisierten zwei Milliarden Euro stehen im aktuellen Haushaltsentwurf nur 1,8 Milliarden. - © Foto: khorixas/Fotolia

Mit einem kräftigen Endspurt haben die Unternehmen der deutschen Bauwirtschaft ihre Umsatzprognose für 2013 trotz des schlechten Wetters im vergangenen Jahr sogar noch übertroffen. Ende Dezember stand ein Wachstum von 2,1 Prozent zu Buche. Für 2014 rechnet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) mit einem Umsatz von knapp 220 Milliarden Euro – eine Steigerung von 2,8 Prozent.

Im Jahresdurchschnitt werden knapp 2,5 Millionen Beschäftigte im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sowie im Bereich Energie- und Gebäudetechnik arbeiten, was einem Personalzuwachs von 0,5 Prozent entspricht. BVB-Vorsitzender Karl-Heinz Schneider sieht ein vielseitiges und umfangreiches Aufgabenportfolie, das die Baubetriebe in diesem Jahr abzuarbeiten haben:

1. Energiewende

90 Prozent der Wohngebäude wurden vor dem Jahr 2000 errichtet und entsprechen damit nur niedrigen energetischen Standards. Daraus resultiert ein riesiges Potenzial für die energetische Gebäudesanierung. Leider sei die steuerliche Förderung nach dem Tauziehen zwischen Bundesregierung und Bundesrat inzwischen gänzlich aus der politischen Diskussion verschwunden, bedauerte Schneider.

Gleichzeitig begrüßte der Dachdeckermeister aus Thüringen während der Internationalen Handwerksmesse in München, dass das Kfw-Programm zur energetischen Gebäudesanierung aufgestockt werden soll. Allerdings stehen im Haushaltsentwurf von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nur 1,8 statt der avisierten zwei Milliarden Euro.

2. Demografische Entwicklung

Wenn nur für die Menschen mit Bewegungseinschränkungen entsprechender Wohnraum zur Verfügung gestellt werden soll, müsse nach einer aktuellen Studie das Angebot um das Vier- bis Fünffache ausgeweitet werden. Dies entspreche einem zusätzlichen Bedarf von rund 2,5 Millionen barrierefreien oder -reduzierten Wohnungen.

"Das ergibt ein Investitionsvolumen von 39 Milliarden Euro", sagte Schneider. Bis 2020 wird erwartet, dass der Bedarf an barrierefreien oder barrierearmen Wohnungen auf rund drei Millionen ansteigen wird.

3. Infrastruktur

Der Zustand der Verkehrsinfrastruktur stößt an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Schneider verwies auf den aktuellen Verkehrsinvestitionsbericht, wonach vor allem ältere Großbrücken, die zwischen 1960 und 1980 gebaut wurden, durch die Zunahme des Schwerlastverkehrs an die Grenzen ihrer Tragfähigkeit stoßen. Die Rheinbrücke der A1 bei Leverkusen musste im vergangenen Jahr aus diesem Grund bereits gesperrt werden. "Was wird aus dem Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn das zur Regel wird", fragte Schneider.

Das Bauhandwerk geht also trotz einiger Probleme guten Mutes in die neue Saison. Witterungstechnisch betrachtet sei das Jahr bisher ein Segen gewesen, so Schneider. Gute Zeichen also, wenn die Betriebe selbst nach einer langanhaltenden Frostperiode und extremen Dauerniederschlägen wie im vergangenen Jahr ihre Prognosen übertreffen.