Europäische Handwerkskonferenz Weniger Bürokratie, verständliche Gesetze

Das Handwerk fordert Entlastungen und bessere Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen in Europa. Auf der "Zukunft Handwerk" verabschiedeten europäische Handwerksverbände eine gemeinsame Erklärung.

Die Europäische Handwerkskonferenz fand im Rahmen des Kongresses "Zukunft Handwerk" statt. - © GHM

Das europäische Handwerk steht vor großen Herausforderungen und richtet klare Forderungen an die Politik: Weniger Bürokratie, verständliche Gesetze und verlässliche Rahmenbedingungen seien entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu sichern. Auf der Europäischen Handwerkskonferenz, die parallel zum Kongress Zukunft Handwerk in München stattfand, verlangten Vertreter des Handwerks aus ganz Europa konkrete Schritte zur Entlastung der mehr als 25 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Europa.

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), brachte die Dringlichkeit auf den Punkt: "Wir brauchen lesbare Gesetze und einen Rechtsrahmen, der für Betriebe machbar ist." Er kritisierte, dass Wirtschaftspolitik oft mit Industriepolitik gleichgesetzt werde: "Das ist ein Fehler." Bereits zuvor hatte Dittrich in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk" eine Unwucht in Europa beklagt: "Wir machen aber die ganze Zeit Normen für große Konzerne und würgen damit die Wirtschaft ab." Die EU werde von vielen Handwerkern als "Normenproduktionsmaschine" wahrgenommen, so Dittrich in München. Dittrich betonte zudem die Bedeutung Europas als Friedens- und Wirtschaftsprojekt: "Europa ist unverzichtbar für uns alle."

Fachkräftemangel und Nachhaltigkeit im Fokus

Die Konferenz widmete sich zentralen Themen wie Fachkräftesicherung, Innovation und Nachhaltigkeit. Besonders der Fachkräftemangel wurde als drängendes Problem identifiziert. Rund 60 Prozent der KMU in Europa haben Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die europäischen Handwerksverbände fordern daher eine Stärkung der dualen Ausbildung sowie eine höhere Wertschätzung handwerklicher Berufe in der Gesellschaft. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf einfacheren Zuwanderungsregeln für Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern und der Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit sieht das Handwerk sich als Vorreiter, fordert jedoch realistische Vorgaben. "Nachhaltige Geschäftsmodelle gehören zum Kern des Handwerks", hieß es in der gemeinsamen Erklärung europäischer Handwerksverbände. Um diese weiterzuentwickeln, seien gezielte Fördermaßnahmen notwendig – etwa für klimafreundliche Technologien oder den Zugang zu nachhaltigen Rohstoffen.

Bürokratieabbau als Kernforderung

Ein zentrales Anliegen war der Abbau bürokratischer Hürden. Véronique Willems vom Dachverband SME United kritisierte: "Die Vielzahl an Vorschriften macht es kleinen Betrieben nahezu unmöglich, alle Anforderungen zu erfüllen." Hubert Gams von der Europäischen Kommission plädierte dafür, Regeln zu vereinfachen und stärker auf die Bedürfnisse kleiner Betriebe einzugehen. Die Verbände forderten eine Reduzierung von bürokratischen Berichtspflichten um ein Drittel sowie eine direkte Einbindung von KMU-Vertretern in Gesetzgebungsprozesse.

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Enrico Letta warnte in einer Rede vor einer zunehmenden Abhängigkeit Europas von China und von den USA: "Wir sind eine Kolonie der amerikanischen Finanzwelt." Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von Wettbewerbsfähigkeit für Europas Sicherheit: "Ohne Wettbewerbsfähigkeit gibt es keine Sicherheit."

Gemeinsame Erklärung

Die Konferenz endete mit einer gemeinsamen Erklärung der europäischen Handwerksverbände. Darin fordern sie eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen. KMU machen 99,8 Prozent aller europäischen Unternehmen aus und tragen maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei. Die Verbände unterstrichen die Rolle des Handwerks als Innovationsmotor und sozialen Integrationsfaktor.

Jörg Dittrich fasste den Geist der Konferenz zusammen: "Europa ist für uns alle unverzichtbar – das müssen wir immer wieder betonen." Die Ergebnisse sollen nun in zukünftige politische Strategien einfließen und als Grundlage für weitere Diskussionen dienen.