Statistisches Bundesamt Weniger als drei Millionen Arbeitslose

Die Wirtschafts- und Finanzkrise wirkt sich vorerst nicht auf den deutschen Arbeitsmarkt aus. Erstmals seit 16 Jahren sank im Oktober die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen unter die Marke von drei Millionen.

Weniger als drei Millionen Arbeitslose

"Der Oktober hat ein von vielen Menschen erhofftes Signal für den Arbeitsmarkt gebracht", sagte der Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise. Insgesamt waren 2,997 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 84.000 weniger als im Vormonat und 437.000 weniger als im Oktober 2007. Die Quote sank gegenüber September um 0,2 Prozentpunkte auf jetzt 7,2 Prozent.

Weise zeigte sich zuversichtlich, dass die Zahl der Arbeitslosen auch im November unter der Drei-Millionen-Marke liegen werde. Erst im Dezember und im Frühjahr 2009 erwarte er wieder einen Anstieg auf über drei Millionen. "Noch sind wir von der Entwicklung der Konjunktur nicht betroffen, mittelfristig ist dies aber zu erwarten", sagte der BA-Chef. Der Anstieg werde jedoch nicht in dem Maße ausfallen wie bei früheren Abschwungphasen. Dazu trügen Mini- und Teilzeitjobs sowie geförderte Selbständigkeit bei. Weise rechnet im Schnitt des Jahres mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 30.000.

Handwerker gesucht

Nach Angaben von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker ging die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Prozent zurück auf jetzt noch rund eine Million. Laut BA-Statistik waren speziell Handwerker und kaufmännische Berufe gesucht. Große Nachfrage nach Arbeitskräften verzeichneten auch die Logistikbranche, die Gastronomie sowie der Bereich Gesundheit und Soziales.

Die niedrigste Arbeitslosenquote erreichte im Oktober erneut Bayern mit 3,6 Prozent, vor Baden-Württemberg mit 3,9 Prozent. Schlusslichter in der Statistik sind Berlin mit 13 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 12,5 Prozent. Darin spiegelt sich auch der deutliche Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland wider. Während in den alten Bundesländern im Oktober 1,989 Millionen Menschen ohne Arbeit waren, was einer Quote von 6,0 Prozent entspricht, verzeichneten die neuen Bundesländer 1,007 Millionen Arbeitslose. Dies ist eine Arbeitslosenquote von 11,8 Prozent.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem "trotzigen Signal der Zuversicht" angesichts aktueller Börsenmeldungen. Die Entwicklung zeige, dass die Arbeitsmarktreformen richtig waren. "Wir haben den Arbeitsmarkt wetterfest gemacht", sagte Scholz. Es gehe nun darum, ihn "sturmsicher" zu machen. Scholz appellierte an die Unternehmen, an ihren Beschäftigten festzuhalten. Arbeitnehmer werden sich merken, wer zu ihnen steht.

Ralph Bauer/ddp