Gute Konjunktur lässt Zahlen auf niedrigsten Mai-Wert seit 19 Jahren schrumpfen Weniger als drei Millionen Arbeitslose

Mit dem stabilen Aufschwung ist die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg bekanntgab, waren im Mai 2,960 Millionen Menschen offiziell auf Arbeitssuche und damit 118.000 weniger als im April. Das ist der niedrigste Mai-Wert sei 1992.

Weniger als drei Millionen Arbeitslose

Nürnberg/Berlin (dapd). Mit dem stabilen Aufschwung ist die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg bekanntgab, waren im Mai 2,960 Millionen Menschen offiziell auf Arbeitssuche und damit 118.000 weniger als im April. Das ist der niedrigste Mai-Wert sei 1992.

Bundesagentur und Bundesregierung lobten die Entwicklung als Ansporn für ihre Bemühungen, die Arbeitslosigkeit weiter zu senken. Opposition und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) warnten indes vor einer Spaltung des Arbeitsmarktes.

"Das ist, das muss man klar sagen, ein Erfolg, eine Bestätigung, eine Ermutigung für die Politik, für die Menschen, die sich Mühe geben, in Arbeit zu kommen, und sicher auch für den Auftrag der BA, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen", fasste der Vorstandsvorsitzende der Behörde, Frank-Jürgen Weise, die Mai-Daten zusammen.

Nach BA-internen Hochrechnungen nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs von März 2010 bis März 2011 um 692.000 auf 28,09 Millionen zu, wobei 440.000 neue Vollzeit- und 249.000 neue Teilzeitstellen entstanden. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg laut Statistischem Bundesamt im April im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 40,68 Millionen Menschen.

Beschäftigung entsteht nach Angaben des BA-Chefs derzeit in fast allen Branchen. Jobs abgebaut werden dagegen weiterhin in Bereich der sonstigen Dienstleistungen.

Vom Abbau der Arbeitslosigkeit konnten im Mai die Bezieher von Arbeitslosengeld I mit einem Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent deutlich stärker profitieren als die Hartz-IV-Empfänger (minus 4 Prozent). Gleichzeitig ging aber die Zahl der Leistungsempfänger aus beiden Rechtskreisen, die länger als zwölf Monate ohne Job sind und damit als langzeitarbeitslos gelten, um 59.000 auf 889.000 zurück, wie BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt vorrechnete. Das sei eine "schöne Entwicklung", betonte er.

Die offiziell gemeldete Arbeitslosenzahl spiegelt die Geschehnisse auf dem Arbeitsmarkt aber nicht umfassend wider: Tatsächlich waren im Mai knapp 4,2 Millionen Menschen ohne festen Job, wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker sagte. Zu dieser sogenannten Unterbeschäftigung zählen neben den als arbeitslos ausgewiesenen Menschen auch solche, die in Arbeitsmaßnahmen wie Ein-Euro-Jobs und Weiterbildungsprogrammen untergebracht sind sowie Kranke, Selbstständige und Arbeitslose über 58 Jahren, die seit mehr als einem Jahr kein Jobangebot mehr bekommen haben.

Mit Blick auf das Gesamtjahr ist der BA-Vorstand zuversichtlich, die Drei-Millionen-Marke - wenn überhaupt - erst wieder im Dezember zu überschreiten. Zwar dürfte die Arbeitslosigkeit mit Beginn der Sommerferien schon im Juli und August wieder steigen. Das sollte aber nicht ausreichen, um über drei Millionen zu kommen, sagte Weise. Für das Gesamtjahr sei mit "aller Wahrscheinlichkeit" eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 2,9 Millionen drin.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bezeichnete den deutschen Arbeitsmarkt in Berlin als "kerngesund". Weniger als drei Millionen Arbeitslose seien erfreulich, aber auch Ansporn, jetzt mit den Bemühungen nicht nachzulassen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, die Entwicklungen am Arbeitsmarkt seien ein Beleg dafür, dass der Aufschwung die Menschen erreiche. Angesichts der nach wie vor hohen Einstellungsbereitschaft der Unternehmen erwarte er auch im "nunmehr etwas ruhigeren Konjunkturverlauf" noch einige positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt.

Kritik kam von SPD, den Grünen und dem DGB. "Wir kritisieren vor allem, dass Ministerin von der Leyen genau in dem Moment, wo man für die Langzeitarbeitslosen mehr tun müsste, die Programme kürzt", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil warnte: "Nach wie vor besteht die Gefahr eines gespaltenen Arbeitsmarktes mit verfestigter Langzeitarbeitslosigkeit auf der einen und partiellem Fachkräftemangel auf der anderen Seite."

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte die Bundesregierung auf, nicht billigend in Kauf zu nehmen, dass der Aufschwung an vielen Beschäftigten und Arbeitslosen spurlos vorübergehe. "Der Aufschwung wird nur dann nachhaltig, wenn sichere Arbeitsplätze entstehen und nicht massenhaft prekäre Jobs", sagte Buntenbach, die derzeit auch stellvertretende Vorsitzende des BA-Verwaltungsrates ist.

dapd