"Signal gegen die Wegwerfgesellschaft" Wenig getragenen Schuhen ein zweites Leben schenken

Die Aufbereitung und Reparatur von Produkten gehören zur DNA des Handwerks. Orthopädieschuhmacher Sven Laatsch arbeitet gebrauchte Schuhe zum Verkauf für kleines Geld auf. Eine clevere Idee, die nur einen kleinen Haken hat.

Sven Laatsch repariert Schuhe
Nachhaltiger Schuhverkauf: Orthopädieschuhmacher Sven Laatsch arbeitet kaum getragene Schuhe auf und bietet sie für einen geringen Preis in seinem Geschäft in der Marburger Oberstadt wieder zum Verkauf an. So will er Menschen mit wenig Geld unterstützen und ein Signal gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. - © Schuhbengel

Über Nachhaltigkeit reden derzeit viele, aber die wenigsten tun etwas dafür. Für Handwerkerinnen und Handwerker gehört die Aufbereitung und Reparatur von Produkten dagegen zur DNA ihres Berufes. Eine Qualität, die angesichts von stetig wachsenden Müllbergen wieder zunehmend gefragt und Teil der Lösung unserer Umweltprobleme ist. Einerseits wird gerade im Bereich der Bekleidung der Trend, billig zu kaufen und schnell zu entsorgen, zum immer größeren Problem. Andererseits suchen immer mehr Menschen nach einer Möglichkeit, gut erhaltene Kleidungsstücke, die sie nicht mehr tragen wollen, weiter im Gebrauch zu halten.

Nachhaltiger Schuhverkauf

"Gerade in der heutigen Zeit wird so viel weggeschmissen", sagt Sven Laatsch. "Ich kenne das von mir selbst, einige Schuhe trägt man nur zwei oder dreimal und dann stehen sie herum, denn zum Wegwerfen sind sie zu schade." Daran wollte der Orthopädieschuhmacher etwas ändern. Also bietet er in seinem Betrieb "Schuhbengel" in Marburg nicht nur die Reparatur von Schuhen und kleinere Lederarbeiten an, sondern auch einen nachhaltigen Schuhverkauf.

Das heißt, er nimmt wenig getragene Schuhe entgegen, die er dann aufbereitet und für kleines Geld wieder verkauft. "So kommen die Schuhe noch einer sinnvollen Nutzung zugute. Außerdem ist es ein Signal gegen die Wegwerfgesellschaft", sagt der gebürtige Berliner, der über die Schweiz nach Marburg kam. Weiter will er auch Menschen unterstützen, die nicht so viel Geld haben.

Über die Schweiz nach Marburg

Wer ihm Schuhe bringt bekommt einen 5-Euro-Gutschein, beispielsweise für eine Reparatur. Dann werden die Schuhe mit einer Maschine desinfiziert, die Laatsch extra angeschafft hat, dann poliert oder gebürstet. Bei Bedarf führt er auch kleinere Reparaturen aus. "Ich stecke da schon ein bisschen Arbeit rein." Eine clevere Idee, die auch gut angelaufen ist. Größtes Hindernis beim Verkauf: Die Schuhe sind Einzelstücke und müssen halt passen.

In seine jetzige Heimat fand Laatsch über eine Cousine, die bei Marburg lebt. Bei einem Besuch gefiel ihm, seiner Tochter und seiner Mutter Marburg so gut, dass sie beschlossen zu bleiben. Mit seinem Ladenlokal in der Oberstadt hat sich der 46-Jährige einen langjährigen Wunsch erfüllt und sich mit Unterstützung der Betriebsberatung der Handwerksammer Kassel selbständig gemacht.

Der Start war kein leichter

Ihm ging es sowohl darum, sein eigener Herr zu sein, als auch mit Schuhen zu tun zu haben. Kein Wunder, gibt es in seiner Familie doch gleich mehrere Schuhmacher. Und weil er sein Handwerk dreieinhalb Jahre lang von der Pike auf erlernt hat, repariert Laatsch Schuhe nicht nur, sondern fertigt sie auf Anfrage auch von Hand an.

Sein Start in die Selbständigkeit erfolgte 2022 wegen Pandemie und Ukraine-Krieg unter erschwerten Bedingungen. Trotz der widrigen Bedingungen ist er dennoch ganz zufrieden "Es hat sich gut herumgesprochen, dass es mich hier gibt." Und da die Marburger seiner Erfahrung nach gute Schuhe tragen, sollten sie auch Interesse an einer gescheiten Reparatur haben. Damit das auch tatsächlich klappt, engagiert sich Laatsch dafür, die Oberstadt auch für die Einheimischen wieder attraktiv zu machen.