Die Industriestaaten und die wichtigsten Schwellenländer treffen sich in Washington um über die Grundzüge einer neuen Weltfinanzordnung zu beraten. Auf Einladung von US-Präsident George W. Bush sollen die Ursachen und die Lehren der weltweiten Finanzkrise analysiert werden.

Weltfinanzgipfel: Merkel verlangt globale Finanzreform
Zur Debatte zwischen den Staats- und Regierungschefs der $(LC2835021:G20-Staaten|_blank)$ stehen unter anderem eine stärkere Regulierung von Banken, eine bessere Aufsicht über Rating-Agenturen, die hohen Gehälter im Finanzsektor sowie eine bessere Verzahnung der Überwachung der großen internationalen Finanzgruppen.
Merkel verlangt durchgreifende Reformen
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fordert im Vorfeld des Gipfels durchgreifende Reformen der Kapitalmärkte. Sie sagte der "Süddeutschen Zeitung", künftig sollten "alle Gebiete, alle Produkte und alle Geschäfte" auf den Finanzmärkten angemessen reguliert und überwacht werden. "Es darf keine blinden Flecken mehr geben, in deren Schutz sich Risiken unbeobachtet aufbauen", sagte die Kanzlerin.
Geeignetes Überwachungsinstrument sei der Internationale Währungsfonds IWF, machte die Kanzlerin deutlich. Dieser könnte ähnlich wie die Welthandelsorganisation WTO mit Sanktionsmöglichkeiten gegen Regelverstöße ausgestattet werden.
Merkel zeigte sich optimistisch, dass der Gipfel zu ersten Vereinbarungen kommen könne. Die Kanzlerin warb dafür, bei der Reform des internationalen Finanzsystems keine Zeit zu verlieren. "Wir müssen die ersten Schritte bereits in den kommenden Monaten umsetzen", sagte die Kanzlerin. Auch habe sie "kein Verständnis dafür, dass jetzt, kurz nachdem der Staat Schlimmeres verhindert hat, schon wieder vor zu viel Regulierung und staatlichem Einfluss gewarnt wird".
Der Weltfinanzgipfel wird nach Ansicht der Kanzlerin nicht von der derzeitigen Regierungsübergabe in den USA belastet. Sie erwarte, dass "die Arbeitsaufträge", die der Gipfel in Anwesenheit des amtierenden Präsidenten George W. Bush beschließe, "auch die Unterstützung des neuen Präsidenten finden werden".
Zähe Verhandlungen
Erwartet werden in Washington zähe und zeitaufwendige Verhandlungen, da beispielsweise die Schwellenländer andere Interessen vertreten als die Industrieländer. So lehnen viele Schwellenländer den IWF als Schlüsselinstitution ab. Auch die scheidende US-Regierung vermied bislang konkrete Stellungnahmen. Bush warnte allerdings bereits davor, die Krise als Ausrede für Einschränkungen des freien Marktes zu missbrauchen.
Der neu gewählte US-Präsident Barack Obama wird nicht an dem Treffen teilnehmen. Er wird sich unter anderen von der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright vertreten lassen.
ddp