Welche Schule braucht das Handwerk?

Wer sich näher mit dem Schulwesen in Deutschland befasst, der kann gewaltig ins Grübeln geraten. Da gibt es neben dem Gymnasium zum einen die gängigen Typen Haupt- und Realschule, zum anderen aber auch Oberschule, Realschule plus, Gemeinschaftsschule, Regelschule, Mittelschule, Stadtteilschule oder regionale Schule. Hintergrund ist die verzweifelte Suche nach Alternativen zum Begriff Hauptschule – als wäre dieser auf Dauer das Unwort des Jahres. Ein Kommentar von Lothar Semper

Das Handwerk muss nicht um Absolventen bestimmter Schulen, sondern um alle Jugendlichen werben. Foto: AHM

Welche Schule braucht das Handwerk?

Das dreigliedrige Schulsystem gibt es derzeit nur noch in fünf Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Aber wie lange noch? Erstens haben sich Regierungswechsel ergeben, zweitens scheint sich nun auch die CDU komplett von der Hauptschule zu verabschieden . Eine Parteikommission, der auch Bundesbildungsministerin Schavan angehört, empfiehlt, die Haupt- und die Realschule zur Oberschule zusammenzufassen. Den Älteren unter den Lesern wird dieser Begriff noch bekannt sein. Genauso wie der Begriff Mittelschule, mit dem in Bayern die Hauptschulen aufpoliert werden sollen.

Immerhin haben derzeit in den alten Bundesländern noch 56 Prozent der Lehrlinge, die ein Handwerk erlernen, den Hauptschulabschluss – etwa fünf Prozent sind sogar ohne diesen; in den neuen Bundesländern sind es insgesamt etwa 43 Prozent. Ist die Versorgung mit Lehrlingen, die schon durch den bevorstehenden demografischen Wandel ein Megathema sein wird, zusätzlich durch eine verfehlte Schulpolitik in Gefahr? Der Lehrlingsrückgang in den letzten 20 Jahren trifft alle Bundesländer nahezu gleichermaßen – noch ohne besondere Rücksicht darauf, ob es eine eigenständige Hauptschule gibt oder diese in andere Formen aufgegangen ist. Dies hat auch damit zu tun, dass Schüler in Schulen mit mehreren Bildungsgängen dort noch immer den Hauptschulabschluss machen können.

Gleichwohl ist die Linie richtig, an den eigenständigen Schularten festzuhalten, um die jungen Menschen bestmöglich zu fördern. Letzteres sollte generell im Vordergrund stehen, damit ausbildungsfähige Absolventen aus den Schulen kommen. Ergänzend dazu ist es richtig, dass das Handwerk vermehrt auch Karrierepläne für Abiturienten anbietet, gerade vor dem Hintergrund doppelter Abiturientenjahrgänge. Das Handwerk muss nicht um Absolventen bestimmter Schulen, sondern um alle Jugendlichen werben.