Internationale Auszeichnung Eine Weißwurst macht ihn zum Europameister

Der Mannheimer Metzgermeister Philipp Burkhardt ist ein Paradebeispiel dafür, wie man seine Leidenschaft fürs Handwerk im Wettstreit ausüben kann. Seit Jahren holt er sich den Titel als Deutscher Weißwurstmeister. Jetzt hat er sogar international überzeugt.

Metzgermeister Philipp Burkhardt zeigt seine Pokale.
Gleich zwei internationale Titel hat Philipp Burkhardt aus Frankreich mitgebracht: Er wurde Europameister sowohl für die beste Weißwurst als auch für die beste Bratwurst. - © privat

And the winner is: Philipp Burkhardt. Und nicht zum ersten Mal, wie Liebhaber von Wurstspezialitäten wissen. Seit 2017 räumt der Mannheimer Metzgermeister Jahr für Jahr den Pokal als Deutscher Weißwurstmeister ab. Aufgrund der Unterbrechung durch Corona fünfmal in Folge. Eigentlich wäre es schon keine Meldung mehr, dass er beim Wettbewerb im französischen Alençon erneut zum Sieger gekürt wurde. Wäre nicht doch etwas anders. Denn Philipp Burkhardt hat noch eine Schippe draufgelegt. Das geht? Oh ja. Er ist 2023 nicht deutscher, sondern gleich europäischer und damit internationaler Wurstmeister. Und das auch noch in zwei Kategorien.

Überzeugende Leistung in vier Kategorien

Neben dem internationalen Titel des Europameisters der besten Weißwurst wurde der Metzgermeister zudem zum Europameister der besten Bratwurst gekürt. "Gleich zwei internationale Titel auf einen Schlag – das ist völlig unfassbar", ringt der Preisträger um Worte. Zum Jahresende durfte er sich die Auszeichnungen im Rahmen einer Gala im Herzogtum Alençon abholen. Letztendlich reiste Philipp Burkhardt sogar mit vier Pokalen und vier Urkunden von der Preisverleihung in Frankreich zurück nach Deutschland, denn neben den Europameistertiteln räumte er auch noch den "Grand Prix d’Excellence" für die beste kreative Wurst (eine exotische Bratwurst) und den "Grand Prix d’Honneur" für die beste festliche Wurst (eine Trüffel-Weißwurst) ab. In beiden Kategorien hatte der Mannheimer erstmals teilgenommen und gleich auf ganzer Linie überzeugt.

Nuancen entscheiden

Bei der klassischen Weißwurst hingegen konnte er lange üben. "Meine Wurst hat diesmal wohl noch ein bisschen besser geschmeckt", schmunzelt der 31-Jährige im Hinblick darauf, dass der Titel des Europameisters in den vergangenen sechs Jahren immer an einen Franzosen ging. Jetzt holt er ihn nach Deutschland. Genauer gesagt: nach Mannheim-Waldhof. Dort nämlich werden in der Wurstküche der Traditionsmetzgerei in der Tannenstraße die Zutaten zusammengemischt, die die Feinschmecker-Gaumen der hochdekorierten Jury überzeugen konnten. Was genau der passionierte Metzgermeister bei seiner internationalen Sieger-Weißwurst anders machte als in den Jahren zuvor, weiß er selbst nicht so genau. "Ich versuche, besser und besser zu werden", zuckt Philipp Burkhardt mit den Schultern. "Am Ende sind es wohl einfach Nuancen".

Die Basis ist ein altes Familienrezept

Die Kunden des Metzgermeisters wissen schon lange, dass man bei ihm beste Qualität bekommt. Das gilt auch für die Weißwurst. Ein altes Familienrezept ist die Basis, in jahrelanger Praxis verfeinert und gewürzt mit all der Leidenschaft und Liebe zum Wurstmachen, die man Philipp Burkhardt bei jedem Satz sofort glaubt, mit dem er begeistert von seinem Handwerk erzählt. "Wenn man den Kessel öffnet und dann diese Frische in die Nase bekommt – das ist schon etwas ganz Tolles", schwärmt er. Zitronenabrieb, jede Menge Petersilie, Zwiebel, eine Gewürzmischung aus Pfeffer, Salz und Muskatblüte – es duftet köstlich, so viel steht fest.

Philipp Burkhardt hält in in Alençon eine Dankesrede.
Bei der Preisverleihung in Alençon zeigte der Metzgermeister vom Waldhof noch andere Talente: Er bedankte sich in seiner Rede auf Französisch für die Auszeichnungen zum Europameister – und das, obwohl er nach eigenen Worten "so gut Französisch kann wie ein Esel auf rückwärts Spanisch". - © privat

Es von Mal zu Mal besser machen zu wollen, an den Details zu feilen, immer noch eine Schippe draufzulegen und nie stehenzubleiben, ist Philipp Burkhardts Wesensart. Und irgendwie ist es auch die eines jeden Handwerksmeisters. Seine Leistung im Wettbewerb zu messen, um eigenes Können zu zeigen und gleichzeitig dazuzulernen, spornt den 31-Jährigen an. "Ich sehe das auch als Gelegenheit, mein Handwerk zu präsentieren und auf unsere Leistungsfähigkeit aufmerksam zu machen", sagt er.

Geburtsstätte der Weißwurst

Alençon, das übrigens als Geburtsstätte der Weißwurst gilt, weshalb gerade dem Titel des Weißwurstmeisters eine besondere Bedeutung zukommt, ist deshalb auch nicht der einzige Schauplatz, auf dem Philipp Burkhardt die Ergebnisse seiner Handwerkskunst zeigt. Auch beim internationalen Wurstwettbewerb in den Niederlanden, dem Confrérie des Chevaliers du Goûte Andouille de Jargeau, hat er 2023 abgeräumt: 15 Mal Gold und zweimal Silber gab es für die 17 eingereichten Produkte. Weil damals die Post streikte und das bunte Allerlei verschiedenster Köstlichkeiten aus der Waldhofer Wursttheke nicht eingesandt werden konnte, hatte sich Philipp Burkhardt höchstselbst ans Steuer gesetzt und seine Wettbewerbsstücke kurzerhand persönlich vorbeigebracht.

Nächster Wettbewerb im Februar

So weit geht die Leidenschaft für Wurst, Wettbewerb und Sieges-Wille. In Kürze, nämlich am 3. und 4. Februar, begutachtet die Jury die Spezialitäten des diesjährigen Contests. Philipp Burkhardt ist selbstverständlich mit dabei. Die Rindersalami reift bereits seit zwei Monaten. "Es wäre toll, auch in den Niederlanden internationaler Champion zu werden", sagt er – zumal der Wettbewerb dort als der anspruchsvollste Europas gilt. Dafür muss alles perfekt sein. So perfekt wie es zuletzt in Alençon in der Normandie war. Ein Selbstläufer wird es jedenfalls nicht – auch wenn Philipp Burkhardt über Jahre hinweg große Erfolge mit seinen Wurstspezialitäten einfuhr. Die Demut ist geblieben. "Es ist gigantisch, ich bin richtig stolz", sagt er zu seinen Titeln aus Frankreich. "Dass ich nun zweifacher Europameister bin, ist nicht nur ein Sieg für mich, sondern auch für meine Heimatstadt in der Kurpfalz."