Wegweiser in Richtung Ausbildung

Das Projekt Ausbildungswerkstatt für Elektrotechnik bereitet benachteiligte Jugendliche auf eine Lehre im Elektrohandwerk vor.

Frank Muck

Ronald Kromm führt Michael Milaszewski, und Nabil Ahmad (von links) in die Grundlagen der Elektrotechnik ein. Foto: Georg

Wegweiser in Richtung Ausbildung

Ralf Müller hat alles, was mit Förderung zu tun hatte, immer kritisch gesehen. Schließlich sei er als Betriebsinhaber kein Sozialarbeiter, der dafür zu sorgen hat, dass Jugendliche ausbildungsfähig werden und einen Job bekommen. Doch was der 57-jährige Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer eines Elektrobetriebs vor zwei Jahren vorgeführt bekam, hat ihn davon überzeugt, dass Förderung auch etwas bewirken kann.

Müller war bei der Ausbildungswerkstatt für Elektrotechnik in Offenbach eingeladen, wo ihm Jugendliche elektrische Schaltungen gebaut haben, die auf dem Niveau einer Aufgabe bei der Gesellenzwischenprüfung waren. Müller wusste: "Die haben es begriffen." Inzwischen steht er solchen Initiativen sehr viel offener gegenüber, weil die Welt eine andere sei als vor 20 Jahren, wie er sagt. Man müsse den jungen Menschen heute stärker auf die Beine helfen.

Wer die Gruppe sprengt, muss wieder gehen

In Offenbach sorgt Ronald Kromm für diese Hilfe. Er ist Initiator des Projekts, das versucht, jeweils acht Jugendliche in einem Lehrgang für den Beruf des Elektrotechnikers zu interessieren. Zu ihm kommen Haupt- und Realschüler, die keinen oder nur einen schlechten Schulabschluss haben, persönliche Probleme oder sogar eine kriminelle Vergangenheit mit sich herumtragen. Innerhalb von rund drei Monaten testet Kromm, ob sich die Kandidaten für einen Handwerksberuf eignen und bereitet sie gegebenenfalls auf eine Ausbildung in der Elektrotechnik vor.

Der gelernte Elektromechaniker ist in seiner Auswahl durchaus streng. "Wenn die handwerklichen Fähigkeiten nicht genügen oder der Teilnehmer das Gruppengefüge zu sprengen droht, wird er abgewiesen", sagt er. Denn Kromm geht es auch darum, zu den Jugendlichen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und durch das Projekt, mit dem sie sich beschäftigen, ein Team zu formen. Soziale Kompetenzen seien schließlich Teil des Lehrplans. Wie vielfach beklagt, mangele es den jungen Leuten oft genug an Tugenden wie Pünktlichkeit, Konzentration und Ausdauer. Auch in der Ausbildungswerkstatt ganz wichtige Faktoren. Schließlich sind die Jugendlichen acht Stunden täglich in dem Projekt. Wichtig sei, sagt Kromm, dass man unvoreingenommen auf sie zugeht: "Ich trau denen erstmal etwas zu."

Finanziert wird das Projekt von MainArbeit, einer Einrichtung der Stadt und der Agentur für Arbeit Offenbach. Neun von zehn Kandidaten verschafft Kromm durch seine Anstrengungen eine Lehrstelle. Davon können sich wiederum sieben in der Ausbildung halten. Keine schlechte Quote, bestätigt auch MainArbeit.

Schere öffnet sich bei Ausbildungsfähigkeit

Auch Ralf Müller hat hin und wieder Praktikanten von Kromm. Zwar hat er noch keinen Lehrgangsteilnehmer eingestellt, doch gemeinsam mit dem Innungsvorstand hat er das Projekt für gut befunden. Er fürchtet, dass solche Art Förderung weiterhin nötig ist, um ein Grundverständnis für Ausbildung zu vermitteln. "Den jungen Menschen muss auch klar werden, dass sie das für sich machen", sagt er. Ansonsten gehe die Schere zwischen gut Ausgebildeten und Leistungsverweigerern immer weiter auseinander.

Vor 25 Jahren war die Haltung der Betriebsinhaber etwas kategorischer, wenn es um Ausbildungsfähigkeit ging. Damals seien die Fronten noch etwas klarer gewesen. Müller: "Wer zu jener Zeit durchgefallen war, war halt stinkfaul." Heute ließen sich solche pauschalen Urteile natürlich nicht mehr fällen. In jener Zeit seien aber schon die ersten Einrichtungen ähnlich wie die Ausbildungswerkstatt aufgekommen. Von Arbeitgebern eher skeptisch betrachtet. Heute stellt sich die Lage anders da. Müller sagt, dass auch anfangs nicht ausbildungsfähige Jugendliche eine Chance auf eine Ausbildung bekommen müssten. Da solche Form der Bildung die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten der meisten Betriebe übersteigt, würden solche Initiativen wie die Ausbildungswerkstatt von Ronald Kromm immer wichtiger. Nach Informationen von MainArbeit gibt es allein in Offenbach zehn solcher Maßnahmen für verschiedene Fachrichtungen.

"Die sind insgesamt reifer geworden"

Kromm kennt sich aus mit Ausbildung. Der 58-Jährige war lange Zeit selbstständig und hat dann beim Berufsfortbildungswerk vom Deutschen Gewerkschaftsbund Umschulungen durchgeführt. Nachdem diese Abteilung reduziert worden war, hat er das Initiativkonzept bei der MainArbeit Offenbach vorgestellt.

Wenn die Jugendlichen nach einem Jahr idealerweise in eine betriebliche Ausbildung wechseln, dann kennen sie bereits die Inhalte des ersten Lehrjahrs. So weit bereitet Ronald Kromm sie vor. Doch Kromm weiß, dass sie nicht nur fitter sind in Elektrotechnik: "Die sind insgesamt reifer geworden."