Wegweiser für die Pflege

Ab 2009 steht jedem Betroffenen durch die Pflegeversicherung kostenlose Beratung zu. So finden Sie demnächst Hilfe

Von Elke Pohl

Wegweiser für die Pflege

Neben finanziellen Leistungen hilft Pflegebedürftigen und deren Angehörigen vor allem eines: gute Beratung. Die soll ab 2009 jedem Betroffenen kostenlos zustehen, sagt der Gesetzgeber. Lesen Sie, womit Ratsuchende rechnen können.

Pflegeberatung ist keine Erfindung des jüngsten Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes, das die gesetzliche Pflegeversicherung zum ersten Mal seit ihrer Einführung im Jahr 1995 reformiert und das in großen Teilen zum 1. Juli 2008 eingeführt wurde.

Beratung fanden Pflegebedürftige auch bisher bei Krankenkassen, Pflegediensten und Organisationen. Neu ist, dass das Recht auf Beratung ab 1. Januar 2009 einklagbar ist. Das gilt ebenso für gesetzliche Krankenkassen wie für Privatversicherer.

Bündelung von Hilfsangeboten

Angesiedelt werden kann die Beratung der gesetzlichen Kassen in so genannte Pflegestützpunkte (§ 92c PfWG), aber auch in einer Geschäftsstelle einer Pflegekasse. Anders als ursprünglich vorgesehen, bleibt es nun den Ländern überlassen, ob sie Pflegestützpunkte einrichten oder nicht. Vorstellbar ist, dass pro Landkreis ein Pflegestützpunkt eingerichtet wird, erklärt Udo Barske, Pressesprecher des AOK-Bundesverbandes. Obwohl die Pflege- und Krankenkassen den Hut bei der Einrichtung von Pflegestützpunkten aufhaben, sind sie verpflichtet, funktionierende Beratungsstellen zu erhalten, so dass Doppelstrukturen möglichst vermieden werden. Sollte es doch Bundesländer geben, die keine Stützpunkte oder jedenfalls nicht gleich zum 1. Januar 2009 einrichten, dann können Versicherte sich direkt an ihre Kasse wenden.

Hilfe nach spätestens
24 Stunden

Sollten die Pflegestützpunkte wie vorgesehen funktionieren, bringen sie tatsächlich erhebliche Erleichterungen für Kranke und deren Angehörige. Denn für viele Betroffene ist nicht die eigentliche Pflege das größte Problem, sondern die fehlende Information, welche Stelle für welches Angebot zuständig ist und wie die Hilfe in Anspruch genommen werden kann. Dies alles soll in den Stützpunkten zusammenlaufen und Ratsuchenden als Paket offeriert werden – je nach Bedarf. Die Pflegeberater, die von den Kassen bereitgestellt werden, sollen die einzelnen Angebote – von den Krankenkassen und der Sozialhilfe über die örtliche Altenhilfe bis hin zu ehrenamtlichen Angeboten – kennen, koordinieren und für den Versicherten aufbereiten. Die Unterstützung reicht dabei von einfachen Auskünften über das Aushändigen von Antragsformularen bis hin zum Ausarbeiten eines individuellen Versorgungsplanes, auf dessen Grundlage die weiteren Schritte besprochen, eingeleitet und begleitet werden. Wo der nächstgelegene Stützpunkt liegt, kann zu gegebener Zeit bei der Krankenkasse erfragt werden. Welcher Stützpunkt aufgesucht wird – ob der nächstgelegene oder ein anderer – ist Sache des Ratsuchenden. Ebenso, ob er überhaupt einen Stützpunkt kontaktiert oder sich anderweitig Hilfe sucht.

Beratung im Umfeld
des Pflegebedürftigen

Einen etwas anderen Weg in der Pflegeberatung gehen die privaten Krankenversicherer (PKV). Derzeit ist man dabei, bundesweit ein Netz von Pflegeberatungen aufzubauen. Um die nötige Unabhängigkeit vom einzelnen Versicherer zu gewährleisten, wurde mit der Compass Private Pflegeberatung GmbH ein eigenständiges Unternehmen gegründet. Ab Anfang 2009 wird sie zunächst mit 270 vor Ort tätigen Pflegeberatern starten, deren Zahl Schritt für Schritt erhöht wird. Die Beratung gilt als Leistung der Pflegeversicherung.

Pflegebedürftige, die Kunden eines privaten Krankenversicherers sind, und deren Angehörige wenden sich entweder an ihre Versicherung, die umgehend den Kontakt zum örtlichen Pflegeberater herstellt, oder direkt an die Hotline der Compass GmbH. Sind Probleme nicht telefonisch zu lösen, soll möglichst innerhalb von 24 Stunden ein Berater persönlichen Kontakt mit den Ratsuchenden aufnehmen. In einem Stufenkonzept von der einfachen über die wiederholte und komplexe Beratung bis hin zum Fallmanagement soll geholfen werden, Pflegebedürftige so weit wie möglich zur selbstständigen Bewältigung ihres Alltags zu befähigen.

Neu ist nach den Worten von PKV-Direktor Volker Leienbach, dass es nun eine persönliche Pflegeberatung geben wird. Gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen wird ein individueller Pflege- und Hilfeplan aufgestellt. Mit dem Konzept wolle man bewusst einen anderen und – davon sei man überzeugt – besseren Weg gehen, als er mit dem Konzept der Pflegestützpunkte eingeschlagen wird, ergänzt Verbandsvorsitzender Reinhold Schulte.

Der wichtigste Unterschied ist der, dass die privaten Pflegeberater direkt zum Kunden nach Hause, ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim gehen. Auch AOK-Sprecher Barske sieht den Vorteil, dass man sich vor Ort eher ein Bild über die Umstände und den entsprechenden Bedarf verschaffen kann als von einem Stützpunkt aus. Inhaltlich gebe es allerdings keine großen Abweichungen, da biete man ähnliche Dienstleistungen an, meint Barske.