Weg ins Schlaraffenland?
Der Bundestag hat kürzlich den Handel für alle „ungedeckten Leerverkäufe“ verboten. In der Praxis heißt dies, dass Aktienhändler künftig nur noch Papiere handeln dürfen, die sie auch tatsächlich besitzen. Leider war es bisher anders. Und leider war dies auch eine der Ursachen für die Finanzkrise. Denn bei Leerverkäufen tätigt der Verkäufer ein derartiges Geschäft in der Erwartung, dass die Kurse bis zum Erfüllungszeitpunkt sinken und er bis dahin die Wertpapiere günstig erwerben kann. Auf alles und jedes können mittlerweile Optionen gezogen werden. Es ist gut, dass dies nun in Deutschland für Aktien, Staatsanleihen und Kreditversicherungen verboten wurde. Leider handelt es sich dabei noch um einen nationalen Alleingang. Viel wichtiger und erfreulicher wäre gewesen, wenn sich darauf die internationale Staatengemeinschaft gemeinsam verständigt hätte. Kapital aber ist mobil und wird es trefflich verstehen, die deutschen Hürden zu umgehen. Zu verkaufen, was man (noch) gar nicht besitzt - als Massenprinzip hätte dies wohl nicht das Schlaraffenland, sondern die Anarchie zur Folge. Ungedeckte Leerverkäufe allerdings drohen auch zu einem politischen Gestaltungsmotiv zu werden. Sie sollten ebenfalls verboten werden! Unsere exorbitant hohe Staatsverschuldung ist ein Paradebeispiel dafür. Wir gehen Verpflichtungen zu Lasten kommender Generationen ein und hoffen, dass eine wachsende Wirtschaft es den Nachkommen ermöglicht, diese Verschuldung abzutragen. Eine wachsende Wirtschaft allerdings wird gerade durch die hohe Schuldenlast erschwert.los