Wenig Motivation, keine Konzentration und dann noch andere ablenken: Wenn Azubis im Alltag alles andere tun, als sich um den Berufsalltag zu kümmern und dann noch pausenlos widersprechen, ist es für Ausbilderinnen und Ausbilder nicht einfach, sich durchzusetzen. Ausbildungsberater Peter Braune berichtet, wie es gelingt, dass Azubis Ausbilder ernst nehmen.

Manchmal werden Lehrlinge aufsässig. Ausbildungsverantwortliche erleben im Umgang mit ihnen ein widerständiges, herausforderndes oder manchmal sogar angriffslustiges Verhalten. Sie stellen die Anweisungen der Meisterin oder des Meisters infrage, haben jedoch keine machbare Lösung zu bieten, um aus der Lage herauszukommen. Manche verhalten sich vorlaut. Ein Vorschlag wird bewusst überhört und etwas ganz anderes wird in diesem Moment erledigt. Kann ein vereinbarter Termin nicht eingehalten werden, melden sich manche einfach krank.
Bekannt ist auch das Hinwegsetzen über Grenzen und Regeln, bewusstes Belästigen anderer oder die Schuld für eigene Fehler auf andere zu übertragen. In diesen und vergleichbaren Fällen entsteht der Eindruck, dass Lehrlinge die Ausbildungsverantwortlichen einfach nicht so ganz ernst nehmen. Welche Empfehlungen gibt es zu diesen Erscheinungen und wie sollte mit dem Widerstand umgegangen werden gehen?
Wenn Azubis nichts ernst nehmen: Hinweise und Tipps
Zunächst ist es wichtig, den Ausbildungsalltag genau zu beobachten. Je mehr Beispiele es gibt, desto besser ist die Situation beurteilbar. Wichtig ist auch, welcher Rolle die Ausbildungsverantwortlichen gespielt haben. Es sollte versucht werden, sich in die Lage der Lehrlinge zu versetzen. Es ist wichtig, solches Verhalten frühzeitig anzusprechen. Die Ursachen müssen unbedingt sachlich und nüchtern ermittelt werden, um eine positive Lösung zu finden. Hierzu einige Anregungen:
Gibt es Unter- oder Überforderung, mangelnde Kommunikation oder persönliche Probleme? Im Gespräch wäre es hier wichtig, ein Verhalten zu verstehen, um hilfreich reagieren zu können und für eine positive Lernumgebung zu sorgen.
Wenn es um den Umgangston geht, könnte besprochen werden, wie sich die Lehrlinge von anderen behandelt fühlen und ob andere auch machen, was sie wollen.
Die Entscheidungsfreiheit wird dadurch eingeschränkt, indem interessante Tätigkeiten verboten wurden. Arbeiten, die niemand gerne macht, wurden aufgezwungen? Hier hilft ein gemeinsamer Blick in den betrieblichen Ausbildungsplan.
Werden im Verlauf der Ausbildung Ausdrücke, Ratschläge, Anweisungen oder Aufforderungen verwendet, die einschränkend wirken und sich daraus Angriffe ergeben können?
Anweisungen wie Müssen, Sollen und Nicht-Dürfen enthalten sollten möglichst vermieden werden. Das gilt auch für Druck ausübende Worte, wie zwingen, überwinden, bemühen, versuchen oder anstrengen.
Arbeitet man Wünsche heraus, bietet das die Möglichkeit herauszufinden, worauf die Aktionen eigentlich abzielen. Dabei gilt es auch auf Zwischentöne zu achten und was nicht ausgesprochen wird.
Wenn es mit dem aktuellen Ausbildungsverlauf zusammenhängt, kann überlegt werden, ob der betriebliche Ausbildungsplan umgestellt wird.
Manchmal fehlt es an der nötigen Verbindlichkeit. Da helfen genaue Vorgaben. Hierzu gehören die Erwartungen, Anforderungen, Beurteilungspunkte und Hinweise auf mögliche Folgen.
Bei Bockigkeit kann über ein Ende der Lehre nachgedacht werden. Es sollten jedoch die Folgen und andere Möglichkeiten bedacht sein. An dem Gespräch könnte eine Person von der Ausbildungsberatung der Kammer teilnehmen.
Bleiben Anweisungen unbeachtet, kann das, abhängig von Schwere und Häufigkeit kann eine Abmahnung erfolgen. Im Wiederholungsfall oder bei schwerwiegenden Vorkommnissen kann es zur Kündigung des Ausbildungsverhältnisses führen.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.