Kolumne Was Sie als Arbeitgeber aus Kommunalwahlen lernen können

"Der wirkt sympathisch." – Mit solchen Bauchentscheidungen wählen nicht nur Kinder Politiker, sondern auch Fachkräfte ihren Arbeitgeber. Steinmetzmeisterin und Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg zeigt, wie Sie diese Erkenntnis nutzen, um Ihre Außenwirkung zu schärfen.

Wahlplakate zur Kommunalwahl am 14. September 2025 in Nordrhein-Westfalen. - © picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON

Wenn Sie aktuell in Nordrhein-Westfalen durch Ihr Viertel gehen, fallen Ihnen die Plakate zur Kommunalwahl sofort ins Auge. Mein eigener Aha-Moment kam, als meine Kinder unaufgefordert sagten: 

  • "Der wirkt sympathisch." 
  • "Die guckt aber ernst." 
  • "Die mag ich."

Sie haben kein Wahlprogramm gelesen und keine Debatte verfolgt. Und trotzdem: eine klare Entscheidung, aus dem Bauch heraus. Das hat mich nachdenklich gemacht, wie sehr wir Menschen nach Gesichtern und Persönlichkeiten sortieren, noch lange bevor wir Inhalte prüfen. 

Das Wahlprogramm Ihres Handwerksbetriebs

Die Forschung bestätigt das längst: Persönlichkeit schlägt Programm. Besonders bei Bürgermeisterwahlen in Deutschland ist dieser Effekt deutlich. Studien – unter anderem von Oscar W. Gabriel – zeigen, dass Wählerinnen und Wähler bei Direktwahlen viel stärker auf das persönliche Profil achten als auf das Parteiprogramm. Parteizugehörigkeiten verlieren gerade in kleineren und mittleren Gemeinden an Gewicht. Entscheidend sind Auftritt, Kommunikationsstil, Verwaltungserfahrung und vor allem das wahrgenommene Sozialprofil. Kurz gesagt: Die Persönlichkeit der Kandidatin oder des Kandidaten gibt den Ausschlag, nicht die Partei. 

Und was hat das mit Ihrer Arbeitgebermarke zu tun? Sehr viel. Auch im Recruiting sind es nicht nur Stellenbeschreibung, Tarif oder Benefits, die zählen. Sie sind wichtig, aber selten allein ausschlaggebend. Das eigentliche Wahlprogramm Ihres Unternehmens ist Ihre Sichtbarkeit:

  • Präsenz vor Ort: in Schulen, bei Aktionen, im Ehrenamt oder durch Sponsoring. 
  • Gesichter zeigen: Führungskräfte (und/oder Sie selbst), die Haltung zeigen, statt anonym im Hintergrund zu bleiben.
  • Soziales Profil entwickeln: ein Bild, das Vertrauen schafft und Identifikation ermöglicht. 
Kathrin Post-Isenberg
Die Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg leitete früher einen eigenen Betrieb in Siegburg. Mit ihrer Praxiserfahrung berät sie heute Handwerksunternehmen dabei, sich erfolgreich als Arbeitgebermarke zu etablieren. Daneben ist sie als Dozentin an der Meisterschule aktiv und praktiziert seit 2025 außerdem wieder ihr ursprüngliches Handwerk – diesmal im Nebenerwerb. - © Markus Zielke

Sichtbarkeit schafft Sicherheit

Genau das erlebe ich in vielen Gesprächen mit Handwerksunternehmen. Überall höre ich: Wer in der Gesellschaft sichtbar ist, bekommt einen großen Vertrauensvorschuss. Besonders Eltern, die überlegen, wo ihre Kinder eine Ausbildung beginnen könnten, achten auf dieses Bild. Sichtbarkeit schafft Sicherheit. Und diese Sicherheit ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs. 

Besonders spannend wird es in größeren Organisationen: Das Unternehmen ist das Programm. Doch die direkte Führungskraft ist der "Kandidat". Genau wie in der Politik überzeugt am Ende die erlebbare Persönlichkeit vor Ort. Studien wie die von Gallup belegen, dass die Qualität der direkten Führungskraft den größten Einfluss auf die Mitarbeiterbindung hat. Die Botschaft ist klar: Auch wenn das Unternehmen den Rahmen vorgibt, bleiben Mitarbeitende vor allem wegen der Menschen, die sie führen.

3 Tipps für Ihre Arbeitgebermarke

  1. Denken Sie Sichtbarkeit weiter. Social Media ist ein Baustein, aber längst nicht die ganze Lösung. Wer als Betrieb wirklich sichtbar sein will, muss auch außerhalb der digitalen Welt präsent sein: in Schulen, Vereinen, auf Messen oder durch Engagement im Ort. Erst die Kombination verschiedener Wege macht Sie greifbar. 
  2. Nutzen Sie Corporate Influencer. Geben Sie Azubis, Gesellen oder Meistern die Möglichkeit, selbst als Botschafter Ihres Unternehmens aufzutreten, mit einem klaren Rahmen und der passenden Unterstützung. Ob durch ein spezielles Programm oder externe Begleitung: Wenn Ihre Leute nach außen auftreten, entsteht eine Authentizität, die Sie allein nie erreichen könnten.
  3. Setzen Sie auf Kontinuität in der Arbeitgebermarke. Eine starke Arbeitgebermarke baut sich nicht von heute auf morgen auf. Es geht darum, den eigenen Auftritt konsequent zu reflektieren und über längere Zeit ein stimmiges Bild zu vermitteln. Wer hier dauerhaft präsent bleibt, gewinnt das Vertrauen potenzieller Kandidaten, unabhängig davon, ob es um Eltern, Azubis oder Fachkräfte geht. 

Fazit

Eine Arbeitgebermarke ist kein Katalog von Vorteilen. Sie ist ein sichtbares Profil, das Vertrauen weckt, Identifikation ermöglicht und Menschen das Gefühl gibt: Hier gehöre ich hin. Bleiben Sie unsichtbar, werden Sie nicht gewählt. Zeigen Sie Persönlichkeit und Sie überzeugen. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.